drei.70

Kein Monopoly im Gesundheitswesen

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Kein Monopoly im Gesundheitswesen

drei.70, Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), Krankenhaus, Sylvia Bühler, shift/studio für ver.di Sylvia Bühler ist Mitglied im ver.di-Bundesvorstand und leitet den Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen.

Die Studie der Bertelsmann-Stiftung zur Krankenhausstruktur hat es in sich. Da sollen mal eben 1.000 Krankenhäuser geschlossen, die verbleibenden 600 zu Großkliniken ausgebaut werden. So ein Szenario setzt niemand in die Welt, ohne ein bestimmtes Interesse zu verfolgen. Ob es tatsächlich das an einer besseren Gesundheitsversorgung ist, darf bezweifelt werden. Denn die ist vom Menschen aus zu denken. Und Menschen sind es, die im ländlichen Raum leben und eine flächendeckend gute Grundversorgung brauchen. Die ihre Angehörigen in der Nähe wissen wollen. Die sich auch bei Epidemien oder Großschadensereignissen auf das Gesundheitswesen verlassen können müssen. Und Menschen sind es auch, die im Krankenhaus arbeiten und nicht einfach ihren Lebensmittelpunkt zum Standort einer Großklink verlegen können oder wollen.

Mit dem am Reißbrett entwickelten Plan einer Krankenhauskonzentration würde die Industrialisierung des Gesundheitswesens fortgesetzt und beschleunigt. Wenige Großkliniken seien effizienter, heißt es. Doch im Krankenhaus geht es nicht nur um Effizienz und Kostenreduktion – es geht um Menschen und um Menschlichkeit. 

Schon seit Jahren kommen die Länder ihrer Verpflichtung zur Finanzierung von Krankenhausinvestitionen nur sehr unzureichend nach. Dabei sind diese geradezu »Peanuts« im Vergleich zu den Summen, die für einen solchen Umbau des Gesundheitswesens nötig wären. Womöglich würde man sich mit Öffentlich-Privaten-Partnerschaften behelfen. Für Investoren bedeuten diese eine sichere Rendite – für die öffentliche Hand erhöhte Kosten, wie nicht nur das Beispiel der Autobahnen belegt.

Die Entscheidung über Klinikstandorte darf nicht dem Markt überlassen werden. Die Politik muss im Rahmen einer regionalen Krankenhausplanung im Dialog mit den Akteur*innen vor Ort festlegen, welche Kapazitäten gebraucht werden – und deren Finanzierung sicherstellen. Wenn Kliniken dann wegen geringer Auslastung nicht wirtschaftlich sind, müssen diese Sicherstellungszuschläge erhalten. 

Es ist übrigens auch eine abstruse Vorstellung, mit der Klinikkonzentration die Personalnot lösen zu wollen. Das Gesundheitswesen braucht sinnvolle, bedarfsgerechte Strukturen und gute Arbeit – keine Monopoly-Planspiele.

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