drei.70

Homosexualität und Pflege

Reinlesen

Homosexualität und Pflege

drei.70, Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, Pflege, werkzwei Heiko Gerlach/ Markus Schupp: Homosexualitaten in der Langzeitpflege. Eine Theorie der Anerkennung, Berlin 2018.

Sowohl in der Pflegetheorie als auch in der Altenpflege-Ausbildung spielt das Thema Homosexualität bislang nur eine geringe Rolle. Dabei nimmt die Zahl älterer und potenziell pflegebedürftiger Menschen zu, weshalb das Kuratorium Deutsche Altershilfe bereits 2002 feststellte, es bestehe »ein Handlungsbedarf in der Altenhilfe und -pflege, den Interessen von älteren homosexuellen Frauen und Männern mit adäquaten Angeboten zu begegnen«. Vor diesem Hintergrund befassen sich Heiko Gerlach und Markus Schupp in einer Studie mit der Thematik. Beide Autoren verfügen sowohl über praktische Erfahrungen in der Pflege als auch über wissenschaftliche Expertise. 

Auf Grundlage von Interviews mit pflegebedürftigen lesbischen Frauen und schwulen Männern sowie mit Pflegekräften plädieren sie für »eine identitätsfördernde Pflege«, die Homosexualitäten anerkennt. So müsse sich das Thema in den Curricula und Lehrbüchern niederschlagen, Pflegekräfte müssten dafür sensibilisiert und in Aus-, Fort- und Weiterbildungen geschult werden. Neben persönlicher Motivation brauche es entsprechende Rahmenbedingungen, denn »identitätsförderndes und subjektorientiertes Pflegehandeln (findet) seine Begrenzung in personaler und struktureller Überforderung der Pflegenden. In Folge kann keine angemessene Aufmerksamkeit und fürsorgliche Zuwendung professionell vertretbar stattfinden, unabhängig davon, welche Individualität ein pflegebedürftiger Mensch besitzt.«

Daniel Behruzi

Heiko Gerlach/Markus Schupp: Homosexualitäten in der Langzeitpflege. Eine Theorie der Anerkennung, Berlin 2018, Peter Lang Verlag, Reihe Pflegeforschung, 562 Seiten, 99,95 Euro, ISBN: 978-3-631-76200-4

Die gesamte Zeitung als PDF zum Download.

Alle Ausgaben als PDF: Das drei-Archiv.

Newsletter

Immer auf dem aktuellen Stand: Der Newsletter des Fachbereichs Gesundheit und Soziale Dienste.