drei.70

»Man muss für sein Recht kämpfen«

»Man muss für sein Recht kämpfen«

Auszubildende in der Altenpflege erreicht mit Unterstützung von ver.di eine Nachzahlung von 9.000 Euro wegen zu geringer Vergütung. 

drei.70, Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, Altenpflege, Auszubildende, privat Aileen R. kann sich über eine Nachzahlung von 9.000 Euro freuen.

Fast ihre gesamte Ausbildungszeit wusste Aileen R. nicht, dass sie viel zu wenig Geld bekommt. Erst im dritten Jahr ihrer Ausbildung zur Altenpflegerin in Grimmen in Mecklenburg-Vorpommern ging es im Rechtskundeunterricht um die Vergütung. Der Lehrer erklärte, dass die Einrichtungen nicht weniger als 20 Prozent unter dem maßgeblichen Tarifvertrag bezahlen dürfen. Aileen rechnete nach und stellte fest: Ihr Arbeitgeber, der kommerzielle Pflegeheimbetreiber Kursana, zahlte deutlich weniger. 

Direkt nach ihrem Abschluss kontaktierte sie deshalb die Gewerkschaft, in die die heute 25-Jährige während ihrer ersten Ausbildung zur Verkäuferin 2010 eingetreten war. Mit Hilfe des DGB-Rechtsschutzes forderte sie die Nachzahlung der vorenthaltenen Vergütung ein, gut 13.000 Euro in drei Jahren. Ihr alter Arbeitgeber reagierte zunächst nicht. Erst als Aileen R. Klage einreichte, erhielt sie ein Schreiben, in dem Kursana zwar alles abstritt, ihr aber dennoch eine Zahlung von 6.000 Euro anbot. »Da habe ich mir gedacht: Wenn sie schon etwas anbieten, habe ich wohl ganz gute Karten«, berichtet die Altenpflegerin. Sie lehnte ab und akzeptierte die außergerichtliche Einigung erst, als Kursana das Angebot auf 9.000 Euro erhöhte. Doch selbst danach machte das Unternehmen noch Zicken. Erst am letzten Tag einer zweiwöchigen Frist, die eine Zwangsvollstreckung ausgelöst hätte, hatte die Altenpflegerin die 9.000 Euro im August schließlich auf dem Konto. Das Geld kann sie gut gebrauchen, um ihren Auto-Kredit abzubezahlen. 

»Mir zeigt das Ganze: Man muss für sein Recht kämpfen, sonst wird man verarscht«, sagt Aileen R.. Ihre Freundin sei nicht in ver.di und habe sich keinen Rechtsanwalt leisten können – sie ging leer aus. »So geht es sicher vielen. Und darauf spekulieren solche Konzerne wohl auch. Deshalb ist es so wichtig, eine Organisation wie ver.di zu haben, die einem im Fall der Fälle hilft.

  • 1 / 3

Weiterlesen

Die gesamte Zeitung als PDF zum Download.

Alle Ausgaben als PDF: Das drei-Archiv.

Newsletter

Immer auf dem aktuellen Stand: Der Newsletter des Fachbereichs Gesundheit und Soziale Dienste.