drei.69

radikal SOZIAL

Bundesfachbereichskonferenz 2019

radikal SOZIAL

Das Übel im Gesundheits- und Sozialwesen an der Wurzel packen

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, drei.69, Bundesfachbereichskonferenz 2019, Kay Herschelmann Delegierte der Bundesfachbereichskonferenz

»Mit Entschlossenheit und allen Mitteln, die uns als Gewerkschaft zur Verfügung stehen, verteidigen wir das Soziale in der Gesellschaft. Das, was eine zivilisierte Gesellschaft ausmacht und zusammenhält. In diesem Sinne sind wir ›radikal SOZIAL‹.« So heißt es im Vorwort zum Geschäftsbericht des ver.di-Bundesfachbereichs Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen. radikal SOZIAL – das war auch das Motto der Bundesfachbereichskonferenz Anfang April in Bad Neuenahr. Es umreißt die Aufgabe, vor der wir im Gesundheits- und Sozialwesen und darüber hinaus stehen: Statt Wettbewerb und Renditestreben muss das Soziale an die erste Stelle gesetzt werden. Gesundheits- und Sozialeinrichtungen sind für die Menschen da – nicht, um Anteilseigner oder Spekulanten reich zu machen.

Nicht nur Symptome bekämpfen

Inzwischen ist es allzu oft umgekehrt. In der Altenpflege und im Reha-Bereich tummeln sich Finanzinvestoren, denen es ums schnelle Geld geht. In den Krankenhäusern überwiegen nicht selten betriebswirtschaftliche Überlegungen gegenüber der Ethik von Pflege und Medizin. In den Kitas fehlt Personal und Geld. In der Sozialen Arbeit hangeln sich Beschäftigte von einer prekären Stelle zur nächsten, und sollen ihren Klient*innen zugleich Sicherheit und Verlässlichkeit geben. All das passt nicht zusammen. Wir brauchen grundlegende Veränderungen. Statt nur an Symptomen herumzudoktern, packen wir das Übel an der Wurzel. Dafür haben wir Konzepte: von bedarfsgerechten Personalvorgaben über die Bürgerversicherung bis hin zu guten Tarifverträgen. Das ist radikal SOZIAL. Wir haben Delegierte der Bundesfachbereichskonferenz gefragt: Was ist für euch radikal SOZIAL?

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, drei.69, Bundesfachbereichskonferenz 2019, shift/studio für ver.di Dana Lützkendorf, Intensivpflegerin an der Charité und neue Vorsitzende des ver.di-Bundesfachbereichsvorstands Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen

 

»Wer das Übel im Krankenhaus an der Wurzel packen will, muss das Preissystem der Fallpauschalen, die DRGs, abschaffen. Stattdessen sollte jede Klinik über ein Budget verhandeln, das die anfallenden Kosten tatsächlich deckt. Der Markt führt im Gesundheitswesen nur dazu, dass Patienten leiden und Beschäftigte ausbrennen. Schluss damit!«

Dana Lützkendorf, Intensivpflegerin an der Charité und neue Vorsitzende des ver.di-Bundesfachbereichsvorstands Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen

 

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, drei.69, Bundesfachbereichskonferenz 2019, Kay Herschelmann Maximilian Schupp, Krankenpfleger und JAV-Mitglied an der Universitätsmedizin Göttingen

 

 

»Ich bin dafür, Noten in der Pflegeausbildung abzuschaffen. Das klingt für manche sicher radikal. Es heißt aber nur, dass die Ausbildung am Individuum ausgerichtet wird, nicht am Klassendurchschnitt. Statt pauschaler Noten – die oft nichts mit der tatsächlichen Leistung zu tun haben – sollte es ein individuelles Feedback geben. Das würde helfen statt einzuschüchtern.« 

Maximilian Schupp, Krankenpfleger und JAV-Mitglied an der Universitätsmedizin Göttingen

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, drei.69, Bundesfachbereichskonferenz 2019, privat Viola Bute, Betriebsrätin bei »Pflegen und Wohnen« in Hamburg

 

 

»Die Berücksichtigung demenzieller Erkrankungen sollte die Situation in der Altenpflege eigentlich verbessern. Doch in den Demenzbereichen ist heute weniger Personal als vorher. Deshalb brauchen wir gesetzliche Personalvorgaben, die sich am Bedarf orientieren. Und wir brauchen flächendeckende Tarifverträge. Damit sich Spekulanten und Konzerne nicht weiter die Taschen voll machen.«

Viola Bute, Betriebsrätin bei »Pflegen und Wohnen« in Hamburg

 

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, drei.69, Bundesfachbereichskonferenz 2019, Kay Herschelmann Kerstin Wehling, ver.di-Vertrauensfrau in der Mühlenkreis Service GmbH

 

»Wir müssen pro Stunde durchschnittlich 200 Quadratmeter Patientenzimmer reinigen. Schon das ist kaum zu schaffen. Doch die Kolleginnen der Fremdfirma stehen noch stärker unter Druck – und verdienen bis zu 300 Euro weniger im Monat. Der Umgang mit Servicekräften muss sich grundlegend ändern. Schluss mit der Benachteiligung und Aufspaltung – das wäre radikal SOZIAL.«

Kerstin Wehling, ver.di- Vertrauensfrau in der Mühlenkreis Service GmbH

 

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, drei.69, Bundesfachbereichskonferenz 2019, privat Jochen Dürr, Heilerziehungspfleger im Sonnenhof e.V., Schwäbisch Hall

 

 

 »UNERHÖRT findet die Diakonie den Umgang mit Armut und Flüchtlingen in diesem Land. UNERHÖRT finden immer mehr Beschäftigte in den kirchlichen Wohlfahrtsverbänden, dass sie mit schlechteren Bedingungen abgespeist werden. Deshalb heißt radikal-SOZIAL für mich: Beschäftigte in Kirche und Diakonie verdienen Tarifverträge – nicht nur im ›Wilden Süden‹.«

Jochen Dürr, Heilerziehungspfleger im Sonnenhof e.V., Schwäbisch Hall

 

 

Sylvia Bühler ist auf der Bundesfachbereichskonferenz Anfang April in Bad Neuenahr mit mehr als 94 Prozent der Delegiertenstimmen erneut als Leiterin des ver.di-Fachbereichs Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen nominiert worden. Die drei-Redaktion gratuliert! 

Konferenzbericht: bitly.com/BERICHT-fb3

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, drei.69, Bundesfachbereichskonferenz 2019, Kay Herschelmann Sylvia Bühler
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