drei.69

Mitglieder besserstellen?

Pro/Contra

Mitglieder besserstellen?

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, drei.69, Tarifpolitik, Gewerkschaft, Pro/ Contra David Bärwald / werkzwei Bernd Gräf, ver.di-Vertrauensmann an der Uniklinik Mannheim

Pro

Gewerkschaften leben den solidarischen Gedanken. Tarifabschlüsse setzen gute Standards. Für alle. Genauso soll es sein. Der Starke hilft dem Schwachen und umgekehrt. Alle gemeinsam für ein Großes und Ganzes, Besseres! Jede und jeder erkennt den Nutzen und wird früher oder später Mitglied. Leider funktioniert das heute nur selten. Die Gesellschaft ändert sich. Das »Ich« wird immer wichtiger. Wir sollten dagegen halten, ohne so zu tun, als gäbe es das nicht. Auf dem jetzigen Weg scheint die Stärke von Gewerkschaften nicht gerade zuzunehmen.

Die Arbeitgeber haben ein hohes Interesse daran, uns klein zu halten. Das ist der einzige Grund, warum sie »freiwillig« Tarifabschlüsse für alle anwenden. Täten sie das nicht, würden Beschäftigte massenhaft in die Gewerkschaft eintreten.

Starke Gewerkschaften sind, auch gesamtgesellschaftlich, nötiger denn je. Darum sollten wir nichts unversucht lassen, die Position der abhängig Beschäftigten zu stärken. Wenn wir das auch dadurch schaffen, dass wir attraktive Bonusregelungen exklusiv für Mitglieder aushandeln, dann los...
Am Ende ist die Welt aber noch einfacher: Wir sollten Vorteilsregelungen fordern, weil es die Mitglieder so wollen. So zumindest ist meine Erfahrung aus vielen Jahren Gewerkschaftsarbeit.

Bernd Gräf, ver.di-Vertrauensmann an der Uniklinik Mannheim


Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, drei.69, Tarifpolitik, Gewerkschaft, Pro/ Contra privat Sabine Stein, Krankenpflegerin und Sprecherin der ver.di-Betriebsgruppe am Uniklinikum des Saarlandes

Contra

Gewerkschaftsmitglieder und nicht organisierte Beschäftigte dürfen unterschiedlich behandelt werden. So das Bundesverfassungsgericht. Und manch ein Kollege freut sich, weil er dies gerechter findet.

Ob auch alle Kolleg*innen ihrem Chef mitteilen wollen, dass sie in ver.di sind? Und dort, wo solche Besserstellungen in die Tarifverträge geschrieben wurden, sind die Organisationsgrade doch nicht durch die Decke geschossen.

Sicher, die Gewerkschaften haben es schwer. Die Kampfkraft ist oftmals ausgehöhlt. Doch ist es nicht gerade in einer solchen Situation besonders wichtig, die gemeinsamen Interessen aller abhängig Beschäftigten zu vertreten? Oder wollen wir eine Versicherung sein? Wer zahlt, bekommt eine Leistung, erhält Mitgliedervorteile.
Im Kampf für Entlastung im Krankenhaus haben wir an der Seite aller gestanden und bei den Aktionen nicht als erstes nach der Mitgliedschaft gefragt. Dennoch sind allein an der Uniklinik im Saarland über 500 Kolleginnen und Kollegen eingetreten. Nicht etwa, weil sie einen Extra-Tag frei für die ver.di-Mitgliedschaft bekamen. Sondern weil alle nach acht Belastungstagen einen freien und bezahlten ver.di-Tag bekommen.

Sabine Stein, Krankenpflegerin und Sprecherin der ver.di-Betriebsgruppe am Uniklinikum des Saarlandes

Die gesamte Zeitung als PDF zum Download.

Alle Ausgaben als PDF: Das drei-Archiv.

Newsletter

Immer auf dem aktuellen Stand: Der Newsletter des Fachbereichs Gesundheit und Soziale Dienste.