drei.68

Jetzt überall: Schluss mit #unbezahlt

#unbezahlt

Jetzt überall: Schluss mit #unbezahlt

Nach dem Erfolg im öffentlichen Dienst streiten auch betrieblich-schulische Auszubildende privater Kliniken für eine Vergütung.

drei.68, Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), unbezahlt, Ausbildung, betrieblich-schulische Azubis Klaus Peter Wittemann Kreativ gegen #unbezahlt: betrieblich-schulische Azubis am Uniklinikum Gießen und Marburg

Evdokia Tsoukni findet ihre Ausbildung klasse. Seit einem halben Jahr wird sie bei Helios in Wuppertal zur Medizinisch-Technischen Radiologie Assistentin (MTRA) ausgebildet. »Ich mache das sehr gerne und finde den Beruf total wichtig«, sagt die 23-Jährige. »Und trotzdem denke ich oft übers Aufhören nach, denn finanziell ist es schon sehr schwierig«. 150 Euro pro Semester muss sie als »Aufwandsentschädigung« an die Schule überweisen; eine Ausbildungsvergütung gibt es nicht. 

Das wollen Evdokia Tsoukni und ihre Mitstreiter*innen jetzt ändern. Sie fordern eine Vergütung – so, wie es angehende MTAs, aber auch Physiotherapeut*innen, Diätassis-tent*innen, Orthoptist*innen, Logopäd*innen und Ergotherapeut*innen in öffentlichen Krankenhäusern bereits erreicht haben. Seit Jahresbeginn haben sie je nach Ausbildungsjahr einen Anspruch auf 965,24 bis 1.122,03 Euro im Monat.

»Wir lassen nicht locker«

In der Wuppertaler MTA-Schule ging kürzlich ein ver.di-Artikel herum, der von diesem Erfolg berichtete. »Wir haben natürlich gefragt, ob das auch für uns gilt. Aber es hieß, Helios sei ein privates Unternehmen und wende die Tarifverträge des öffentlichen Dienstes nicht an«, berichtet Jan-Philipp Bornewasser. »Das fanden wir ungerecht.« Als Mitglieder der Jugendvertretung, des Betriebsrats und von ver.di in die Schule kamen und zu Aktionen aufriefen, war daher schnell klar: die betrieblich-schulischen Auszubildenden machen mit. Die meisten von ihnen traten ver.di bei und beteiligten sich Mitte Februar an einer »Aktiven Mittagspause«. 

»Schade war, dass in den Medien nachher nichts von uns MTAs zu sehen war«, findet Jan-Philipp Bornewasser. Der Beruf werde anders als die Pflege in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Auch deshalb wollen die Wuppertaler Azubis »nicht locker lassen«, bis die Vergütung im Tarifvertrag festgeschrieben wird. »Sonst kommt ja auch keiner mehr an unsere MTA-Schule, wenn anderswo etwas bezahlt wird und man bei uns noch Schulgeld mitbringen muss«, meint Evdokia Tsoukni.

Durchschlagender Erfolg

In der Schule für Physiotherapie am Uniklinikum Gießen und Marburg (UKGM) haben die Auszubildenden das bereits geschafft. Auch hier wurde die Vergütung erst verweigert, weil das Klinikum vom privaten Rhön-Konzern betrieben wird und die Tarife des öffentlichen Dienstes nicht gelten. Deshalb gingen die Auszubildenden im Dezember und Januar zunächst in Marburg, dann in Gießen auf die Straße – mit durchschlagendem Erfolg: Rückwirkend zum Jahreswechsel werden auch die betrieblich-schulischen Auszubildenden des mittelhessischen Uniklinikums so vergütet wie Krankenpflege-Azubis.

Man kann etwas bewegen

»Hätten wir nichts gemacht, würden wir mit Sicherheit immer noch unbezahlt arbeiten«, ist die angehende Physiotherapeutin Svenja Cloos überzeugt. Es habe sich gezeigt, dass man zusammen etwas bewegen kann. »Und ganz klar: Ohne ver.di wäre das nicht möglich gewesen.«

Daniel Behruzi

bitly.com/unbezahlte-Azubis

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