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Finanzloch nach VBL-Ausstieg

Privatisierung

Finanzloch nach VBL-Ausstieg

Privatisierung der betrieblichen Altersvorsorge an der Uniklinik Greifswald führte zu Millionendefizit. Mit der öffentlichen Versorgungsanstalt wäre das nicht passiert.

Die landeseigene Universitätsmedizin Greifswald (UMG) hat ein millionenschweres Defizit in der betrieblichen Altersversorgung entdeckt. 2005 war sie aus der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) ausgestiegen und hatte die Betriebsrente für die 2.300 nicht-wissenschaftlichen Beschäftigten rückwirkend ab 2003 stattdessen über ein Privatunternehmen organisiert. Dadurch ist ein Loch von jährlich drei bis vier Millionen Euro entstanden. Insgesamt könnten rund 30 Millionen Euro fehlen, hieß es. »Wäre die UMG damals wie die Unimedizin Rostock in der VBL geblieben, gäbe es diese Deckungslücken nicht«, so der heutige Klinikvorstand.

Ursache des Finanzlochs sind laut Medienberichten, dass die Einzahlungen der Klinik nicht ausreichten, um die tarifvertraglich garantierten Rentenauszahlungen zu sichern. Allein für bislang 22 Betriebsrenten fehlten bis zu 700.000 Euro im Jahr. Die Greifswalder Universitätsmedizin habe sich damals für eine Lösung entschieden, die niedrigere Beiträge, aber auch das Risiko der Nachfinanzierung beinhalte, so das private DUK Versorgungswerk, das die Altersversorgung organisiert. Laut Süddeutscher Zeitung sind die niedrigen Beiträge jedoch nicht der einzige Grund für die Finanzprobleme. Viele Zahlungen seien zunächst in Provisionen für Vertragsabschlüsse gegangen, schreibt die Zeitung. »Das heißt, die eigentlich für die Mitarbeiter-Renten geleisteten Beiträge flossen in die Taschen der Makler bei der DUK – zu diesem Ergebnis kommen Gutachter.«

Die von der neuen Geschäftsführung und dem Aufsichtsrat eingeschalteten externen Gutachter hätten zudem »Merkwürdigkeiten« im damaligen Vergabeverfahren entdeckt, berichtete der Norddeutsche Rundfunk. Die DUK habe seinerzeit erst in der vierten Runde den Zuschlag erhalten –nachdem die Kriterien offenbar ihrem Angebot angepasst worden seien. »Es zählte am Ende anscheinend nur noch der Preis und nicht mehr die nötige Risikovorsorge, um mögliche Schwankungen bei der Rentenabdeckung auszugleichen.«

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