drei.66

Altenpflege: Abwertung verhindern

Zwischenruf

Altenpflege: Abwertung verhindern

Zwischenruf von Sylvia Bühler in der Fachbereichszeitung, Ausgabe Nr. 66, Juli 2018. Sylvia Bühler ist Mitglied im ver.di-Bundesvorstand und leitet den Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen.
Sylvia Bühler mit Mikro Veit Mette Sylvia Bühler, ver.di-Bundesvorstand, beim Protest bei Gesundheitsministerkonferenz in Düsseldorf, 20. Juni 2018

Die Bundesregierung hat dem Druck kommerzieller Pflegekonzerne nachgegeben: In der neuen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung wird die Altenpflege abgewertet, das Ausbildungsniveau wird abgesenkt. Dahinter steckt ein Plan der privaten Unternehmen: Sie wollen die Altenpflege möglichst billig machen, um ihren Profit zu steigern. Darunter leiden die Pflegequalität, also die pflegebedürftigen Menschen, genauso wie die Beschäftigten.

So platt sagt man es natürlich nicht. Deshalb wird die Abwertung mit der »Sorge« kaschiert, dass künftig nicht genug Auszubildende die dreijährige Ausbildung schaffen könnten. Das ist dreist. Denn statt den Auszubildenden in einem Mangelberuf den roten Teppich auszurollen, statt sie mit ausreichend Zeit qualifiziert anzuleiten und bei Bedarf individuell zu fördern, überlässt man die angehenden Altenpfleger/innen sich selbst und nutzt sie als billige Arbeitskräfte aus.

Auch die Pflegestandards sollen runter: Die kommerziellen Heimbetreiber sägen kräftig an der schon heute viel zu geringen Fachkraftquote von 50 Prozent. Es werden aber mehr, nicht weniger Profis gebraucht, denn die Anforderungen steigen. Die Menschen werden älter und sind kränker. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse müssen im Pflegealltag ihren Niederschlag finden.

Die Arbeit in der Altenpflege muss aufgewertet werden. Das geht mit hoher Qualifikation, guter Bezahlung und anständigen Arbeitsbedingungen. Dann lassen sich auch genug Fachkräfte für diesen erfüllenden Beruf finden. Noch ist Zeit zur Umkehr.

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