drei.66

Vornoten in der Pflege-Ausbildung?

pro/contra

Vornoten in der Pflege-Ausbildung?

Machen Zwischenprüfungen und Jahreszeugnisse die Pflege-Ausbildung transparenter oder erhöhen sie künstlich den Druck? Aktive der ver.di-Jugend diskutieren in der drei.66
zwei Portraits nebeneinander Gerd Dielmann Peter Rumpel und Delia Nachtrab

PRO 

Vornoten machen die Abschlüsse in der Pflege-Ausbildung fairer und transparenter. Ohne Vornoten kommt es nur auf einen einzigen Tag an. Die Lernerfolge aus drei Jahren Ausbildung werden so vollkommen verzerrt wiedergegeben. In meiner Ausbildung hatte ich bis zur Prüfung nur Einser im Zeugnis stehen. Während der Prüfungswoche erwischte mich eine Sommergrippe. Mein Notenschnitt sackte von 1,0 auf 1,55 ab.

Reine Stichtagsprüfungen belohnen auch nicht diejenigen, die sich während ihrer kompletten Ausbildung immer wieder am Unterricht und in der Praxis beteiligen und so gute Leistungen erzielen. Es wird nur das berühmte »Bulimie-lernen« gefördert. Wie viel von dem »ausgekotzten Wissen« hängen bleibt, wissen wir alle aus persönlicher Erfahrung sehr gut. 

Ich würde mir wünschen, dass Vornoten ein viel größeres Gewicht erhalten. Meiner Meinung nach könnte man die Abschlussprüfungen auch gleich ganz abschaffen. Diesen fehlt komplett die Aussagekraft über angeeignetes Wissen. Für alle, die für das Lernen mehr Zeit brauchen, bedeuten Stichtagsprüfungen nur Stress und Verunsicherung.

Peter Rumpel (29) arbeitet als Buchhalter in einem katholischen Bildungshaus der Diözese Würzburg und ist Mitglied im Jugendfachkreis des ver.di-Fachbereichs Gesundheit und Soziales

CONTRA

Die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Pflegeberufe sieht vor, dass Vornoten und auch eine Zwischenprüfung für das Examen zählen. Ich sehe das kritisch, denn dieser künstlich geschaffene Leistungsdruck wird nicht dazu führen, dass Auszubildende den Lerninhalt auch verinnerlichen, sondern dass sogenanntes Bulimielernen stattfindet. 

Alle reden davon, die Pflege müsse entlastet werden. Doch hier werden die Auszubildenden stattdessen unter Druck gesetzt – zusätzlich zu Überstunden, Schicht- und Wochenenddienst. Beim Examen muss stets eine zweite Person die Prüfung kontrollieren und bei Bedarf auch eine dritte Person. Bei Leistungsnachweisen oder in der Zwischenprüfung ist dies nicht der Fall. Auch haben Auszubildende wenig Chancen, gegen ungerechtfertigte Benotung vorzugehen, obwohl diese in ihre Abschlussnote einfließt.

Mein Fazit: Zwischenprüfungen und Jahreszeugnisse erhöhen künstlich den Leistungsdruck. Das ist unnötig und erfüllt keinen nennenswerten Zweck. Stattdessen wäre Entlastung angesagt – auch bei den Auszubildenden.

Delia Nachtrab (23) arbeitet als Gesundheits- und Krankenpflegerin auf einer Intensivstation in Nürnberg. Sie ist Mitglied im Jugendfachkreis des ver.di-Fachbereichs Gesundheit und Soziales

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