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Proteste international

Gesundheits- und Sozialwesen

Proteste international

NYSNA bei ver.di in Berlin ver.di NYSNA bei ver.di in Berlin

US-Gewerkschaften contra Fresenius

USA Beschäftigte von Fresenius-Kliniken im US-Bundesstaat New York haben mit öffentlichen Aktionen und einem ganztägigen Streik Tarifflucht verhindert. Der deutsche Konzern – der mit Helios die größte private Klinikkette in Deutschland betreibt und in den USA der wichtigste Anbieter von Dialysedienstleistungen ist – wollte im Zuge eines Klinikneubaus die gewerkschaftliche Vertretung und damit die Tarifverträge loswerden. Proteste und ein gemeinsamer Streik von 400 Pflegekräften und Servicebeschäftigten im Juni brachten Fresenius dazu, doch Tarifverträge abzuschließen. Diese garantieren den Beschäftigten unter anderem Sozialleistungen wie Kranken- und Rentenversicherung, Kündigungsschutz, Weiterbildung und Kinderbetreuung. In anderen Fresenius-Kliniken in den USA gibt es allerdings weiterhin keine tarifliche Absicherung. weiterlesen

Streikende Pflegekräfte Massachusetts Nurses Association Streik am Berkshire Medical Center in Massachusetts

Pflegekräfte in Massachusetts streiken für mehr Personal

USA Die fast 800 gewerkschaftlich organisierten Pflegekräfte im Berkshire Medical Center im US-Bundesstaat Massachusetts haben am 3. Oktober einen Tag lang gestreikt. Ihre Forderung: Eine Tarifvereinbarung über eine Personalbesetzung, die gute und sichere Pflege gewährleistet. Der Arbeitgeber weigert sich, darüber zu verhandeln, und sperrte die Kolleg/innen vorübergehend aus, als diese die Arbeit wieder aufnehmen wollten. Die Gewerkschaft MNA prüft juristische Schritte.

Tanzende, streikende Servicekräfte mit Schildern Paul Mattsson August 2017: Streik von Servicekräften in London

Londons Servicekräfte streiken erfolgreich

Großbritannien Es war der bisher größte Streik von Servicebeschäftigten in britischen Krankenhäusern: Über 700 Kolleginnen und Kollegen in vier Kliniken des Londoner St. Barts Trusts haben im Sommer 24 Tage lang gestreikt. Ihre Forderungen: 30 Pence (etwa 33 Cent) mehr pro Stunde und weniger Arbeitsbelastung, die nach der Übernahme durch den privaten Dienstleister Serco im April massiv zugenommen hat. »Wir werden oft vergessen, aber unsere Arbeit ist ein entscheidender Bestandteil der öffentlichen Gesundheitsversorgung«, sagte Len Hockey, der seit 28 Jahren im Hol- und Bringedienst des Krankenhauses Whipps Cross im Osten Londons arbeitet. »Die Lebenshaltungskosten in London sind in letzter Zeit so stark gestiegen, dass die Leute zwei oder drei Jobs annehmen müssen, um über die Runden zu kommen«, berichtete der Gewerkschafter.

Nach 24 Streiktagen und nachdem die Gewerkschaft eine Aktionswoche mit täglichen Protesten ankündigte, akzeptierte die Unternehmensleitung Mitte September einen Tarifvertrag. Alle Beschäftigten erhalten demnach ein Prozent mehr Geld sowie eine Pauschalzahlung. Die unteren Löhne, die teilweise bei nur 7,50 Pfund (8,48 Euro) pro Stunde lagen, werden auf 9,75 Pfund (11,02 Euro) angehoben. »Die Serco-Manager dachten, sie könnten die Löhne einseitig diktieren. Doch sie haben die Rechnung ohne die organisierten Beschäftigten gemacht«, bilanzierte Len Hockey, der örtliche Vorsitzende der Gewerkschaft Unite. Die Belegschaft werde sich nun auf die Tarifrunde im kommenden Jahr vorbereiten, um weitere Verbesserungen zu erreichen. weiterlesen

Gewerkschafter bei Korian vernetzen sich

Belgien Multinationale Konzerne machen sich in Europas Gesundheitswesen breit. Unter dem Dach des Europäischen Gewerkschaftsverbands für den öffentlichen Dienst (EGöD) vernetzen sich deshalb auch die Gewerkschaften über Ländergrenzen hinweg. So trafen sich Anfang September in Brüssel Beschäftigte der französischen Korian-Gruppe, die hierzulande unter anderem den Pflegeheimbetreiber Casa Reha übernommen hat. Die Teilnehmer/innen aus Italien, Frankreich, Belgien und Deutschland berichteten, dass private Konzerne wie Korian ihre Profite maximieren, indem sie Löhne kürzen und Stellen streichen. »Wir müssen diesen Trend umkehren«, forderte Guillaume Durivaux, der beim EGÖD für multinationale Konzerne zuständig ist. Die Beschäftigten müssten in den Unternehmen mitbestimmen können, um eine hochwertige Versorgung und gute Arbeitsbedingungen sicherzustellen.

Längster Krankenhausstreik in Norwegen

Norwegen Pflegekräfte in den Kliniken der norwegischen Krebsgesellschaft streiken seit über 100 Tagen gegen drohende Verschlechterungen bei Löhnen und Arbeitsbedingungen. Der längste Krankenhausstreik in der Geschichte des Landes richtet sich gegen den Plan des Krankenhausträgers, den Arbeitgeberverband und damit den Tarifvertrag zu wechseln. Für die Pflegekräfte hätte das deutliche Einbußen zur Folge. Der Streik erhält viel Unterstützung, nicht nur von anderen Gewerkschaften, sondern auch von den Verbänden der Patient/innen und Rentner/innen.

Massenentlassung streikender Pflegekräfte in Kenia

Kenia Pflegekräfte in Kenias Krankenhäusern sind seit über drei Monaten im Streik. Damit wollen sie die Einhaltung ihres Tarifvertrags erzwingen. Der Rat der Provinzgouverneure hatte zuvor erklärt, der Tarifvertrag könne aufgrund von »Engpässen im Staatshaushalt« nicht umgesetzt werden. Statt auf die Forderungen der Pflegekräfte einzugehen, erklärten die Gouverneure den Streik für »illegal«. Sie drohen mit Massenentlassungen und beginnen damit, die Stellen der Streikenden neu auszuschreiben. Der Generalsekretär der Gewerkschaft der kenianischen Pflegekräfte (KNUN), Seth Panyako, betonte, auch in Kenia hätten Beschäftigte ein Recht auf Streik. Der Arbeitskampf werde »ungebrochen fortgesetzt«.

Ukrainische Pflegekräfte protestieren gegen Kürzungen

Ukraine Rund 1.500 Beschäftigte aus Krankenhäusern und Pflegeheimen sind am 19. September in Kiew auf die Straße gegangen, um für höhere Löhne und gegen Kürzungen im Gesundheitswesen zu protestieren. Die von der Gewerkschaft HWWU mobilisierten Demonstrantinnen und Demonstranten forderten unter anderem eine Erhöhung der Gesundheitsausgaben von drei auf sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Gewerkschaftsvorsitzende Viktoriia Koval berichtete von nicht ausgezahlten Löhnen, die sich bis August auf insgesamt 100 Millionen Ukrainische Griwna (knapp 3,2 Millionen Euro) beliefen. Sie kündigte noch größere Aktionen an, »wenn uns die Politiker nicht zuhören«.

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