drei.61

Unser Erfolg

Mehr Personal

Unser Erfolg

Sylvia Bühler befasst sich in ihrem Zwischenruf in der drei.61 mit dem Plan der Regierung, Personaluntergrenzen in »pflegesensitiven Bereichen« einzuführen.
Porträt Sylvia Bühler Stephan Schorr Sylvia Bühler

"Die Politik kann unsere Bewegung für mehr Personal und Entlastung im Krankenhaus nicht mehr ignorieren. Das zeigt die Ankündigung der Regierung, ab 2019 in pflegesensitiven Bereichen, beispielsweise auf Intensivstationen oder im Nachtdienst, Personaluntergrenzen einzuführen. Es ist unklar, welche Bereiche das genau sein sollen. Wo bitte gibt es keinen Zusammenhang zwischen Personalausstattung und Versorgungsqualität? Auch wie viele Stellen zusätzlich geschaffen und finanziert werden, steht noch nicht fest. Warum ich trotzdem in meiner Presseerklärung das Vorhaben als »Teilerfolg« bezeichnet hätte, wurde ich im strömenden saarländischen Regen bei der großen Krankenhausdemonstration gefragt. Ein Kollege kritisierte, dass man doch nicht von einem Erfolg sprechen könne, solange nicht für alle Kolleginnen und Kollegen Entlastung in Aussicht gestellt werde. Natürlich wollen wir weiterhin die große Lösung und nicht homöopathische Dosen.

Dennoch: Nun haben auch Unionspolitiker erkannt, dass es Vorgaben braucht und Markt und Wettbewerb es nicht richten werden – und das ist unser Verdienst. Dazu haben unsere vielen Proteste und Aktionen der vergangenen Jahre maßgeblich beigetragen. Auch bestreitet niemand mehr den Zusammenhang zwischen Personalausstattung und Versorgungsqualität. Das ist ein Paradigmenwechsel, darauf bauen wir auf. Wir lassen nicht locker, bis den Worten Taten folgen.

Ausgerechnet die Krankenhausträger und die Kassen damit zu beauftragen, Personaluntergrenzen festzulegen, ist allerdings abstrus. Beide haben gesetzliche Vorgaben bisher abgelehnt. Da wird am Ende Plan B greifen und der Gesetzgeber handeln müssen. Das dicke Brett ist angebohrt und wir bohren weiter."

Sylvia Bühler ist Mitglied im ver.di-Bundesvorstand und leitet den Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen.