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Tarifverträge – mehr als nur Marktpreise

Zwischenruf

Tarifverträge – mehr als nur Marktpreise

Sylvia Bühler Joachim E. Roettgers GRAFFITI Sylvia Bühler

Wer einen Beruf hat, der am Arbeitsmarkt gesucht ist, kann mit seinem Arbeitgeber ein gutes Entgelt aushandeln. Vorausgesetzt, er verfügt über genug Selbstbewusstsein und Verhandlungsgeschick. Wer einen angelernten Job hat und nach Lesart der Arbeitgeber leicht austauschbar ist, der muss sich mit einem niedrigen Lohn begnügen, die individuelle Verhandlungsmacht ist beschränkt. Damit nicht jeder für sich verhandeln muss und nicht nur der aktuelle Marktpreis zählt, verhandeln Gewerkschaften Tarifverträge. ver.di steht für eine solidarische Tarifpolitik. Schließlich muss auch für die Kolleginnen ohne eine Berufsausbildung das Geld bis zum Monatsende reichen.

Über die Entgeltordnung wird die Eingruppierung festgelegt. ver.di will die sozialen Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen aufwerten. Das ist aufgrund der hohen Verantwortung und Belastung überfällig. Und schließlich soll eine angemessene Bezahlung dazu beitragen, dass auch künftig noch genug junge Menschen soziale Berufe wählen. Argumente genug, mit denen professionell Pflegende, Erzieherinnen und Sozialarbeiter selbstbewusst eine ordentliche Entlohnung und gute Arbeitsbedingungen einfordern. Ohne aber die Hilfskräfte abzuhängen.

Der größte deutsche Reha-Konzern, Median, will keine solidarische Tarifpolitik. Er hat ver.di mitgeteilt, keine Tarifverhandlungen mehr zu führen und stattdessen »Marktpreise« zu zahlen. Tarifverträge sind mehr. Deshalb kämpft ver.di gemeinsam mit den Betriebsräten und Beschäftigten bei Median für gute Tarifverträge. Vereinbarungen, auf die man sich verlassen kann. Unabhängig von den Schwankungen des Marktes. Ausgehandelt auf Augenhöhe. Dafür steht ver.di – bei Median und anderswo.

Von Sylvia Bühler, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand und leitet den Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen.

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