Sozial- und Erziehungsdienst

Wertschätzung für neue Anforderungen

Sozial- und Erziehungsdienst

Wertschätzung für neue Anforderungen

Ein Überblick über die wichtigsten Fakten, Forderungen und Hintergründe zur aktuellen Tarifrunde für die Sozial- und Erziehungsberufe im kommunalen öffentlichen Dienst.

Anfang März 2020 startet die Tarifrunde für den Sozial- und Erziehungsdienst, in der es zunächst um die Weiterentwicklung der Arbeitsbedingungen geht. Denn die Anforderungen und Erwartungen an die Beschäftigten der Sozial- und Erziehungsberufe im öffentlichen Dienst steigen ständig. In den Bereichen Behindertenhilfe, Erziehung und soziale Arbeit müssen viel zu wenig Beschäftigte mit großer Verantwortung viel zu viel Arbeit verrichten. Zu hohe Fallzahlen, veraltete Personalschlüssel und Personalmangel führen zu Überlastung. Diesem Umstand müssen die Arbeitgeber endlich gerecht werden und die Rahmenbedingungen verbessern. Im Spätsommer 2020 beginnt dann die allgemeine Entgelttarifrunde für den öffentlichen Dienst, in der es auch um die Tabelle und die notwendige Erhöhung der Entgelte gehen wird.

 Es gibt noch eine weitere Besonderheit in der Tarifrunde für den Sozial- und Erziehungsdienst: Dieses Jahr werden die Tarifregelungen verhandelt, noch bevor sie gekündigt werden können. Streiks sind in dieser Phase nicht möglich. Um den Arbeitgebern und politischen Entscheidern dennoch deutlich zu machen, dass Verbesserungen dringend notwendig sind, ruft ver.di die Beschäftigten auf, sich an Aktionen in den Einrichtungen und Diensten zu beteiligen. Für Öffentlichkeit sorgt darüber hinaus die Kampagne „Mehr braucht mehr“.

Die Forderungen: Es geht um weitere Aufwertung

Um den Anforderungen und veränderten Bedingungen für die Beschäftigten in den drei Bereichen Behindertenhilfe, Soziale Arbeit und Erziehung gerecht zu werden, fordert ver.di in der aktuellen Tarifrunde:

  • Verbesserung der Eingruppierungsmerkmale
  • Anpassung der Stufenlaufzeiten
  • Anerkennung der Berufserfahrung
  • Verbesserung der Ausbildung und Ausbildungsvergütung
  • Verbesserung der Bewertung der Leitungstätigkeit
  • genereller Rechtsanspruch auf Qualifikation

Der Forderungsbeschluss umfasst alle Tätigkeitsbereiche sowie grundlegende Strukturfragen. In den beigefügten Tarifinfos und auf der Kampagnen-Website können die Einzelheiten nachgelesen werden.

Die Berufe im Sozial- und Erziehungsdienst

Im Sozial- und Erziehungswesen des öffentlichen Dienstes arbeiten rund 265.000 Beschäftigte. Sie sind in etwa 50 unterschiedlichen Berufen tätig, zu denen unter anderem Erzieher*innen, Sozialarbeiter*innen, Sozialpädagog*innen, Kindheitspädagog*innen, Erziehungswissenschaftler*innen, Sozialassistent*innen, Fachkräfte für Arbeits- und Berufsförderung, Schulbegleiter*innen, Kinderpfleger*innen sowie Heilerziehungspfleger*innen und Heilpädagog*innen gehören.

Für diese Arbeitsfelder wird in der aktuellen Tarifrunde verhandelt:

  • Ambulante und stationäre Hilfen zur Erziehung
  • Amtsvormundschaften
  • Arbeits- und Berufsförderung
  • Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM)
  • Horte und Ganztagsschule
  • Wohneinrichtungen, ambulantes Wohnen
  • Jugendgerichtshilfe
  • (inklusive) Kindertageseinrichtungen
  • Kommunale Soziale Dienste
  • Lebens- und Konfliktberatung
  • offene Kinder- und Jugendarbeit
  • Schulsozialarbeit, Schulbegleitung
  • Seniorenberatung
  • Sozialdienst in Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen und (Kinder- und Jugend) Psychiatrien
  • Soziale Dienste nach SGB XII
  • stationäre Kinder- und Jugendhilfe

Der zeitliche Ablauf der Tarifrunde

 Am 14. Februar 2020 hat die Verhandlungskommission in Hannover die Forderungen für die Beschäftigten der Sozial- und Erziehungsberufe im kommunalen öffentlichen Dienst beschlossen.

Die erste Verhandlungsrunde findet am 5. März 2020 in Potsdam statt. Mit den Arbeitgebern sind vorerst noch zwei weitere Verhandlungstermine vereinbart. Und zwar der 23. März 2020 in Potsdam und der 29. April 2020 in Hannover.

Save the Date! Im Rahmen der Kampagne „Mehr braucht mehr“ findet am 27. April 2020 bundesweit ein dezentraler Aktionstag in Kindertagesstätten, der Behindertenhilfe und der Sozialarbeit statt. ver.di fordert die Beschäftigten auf, sich an den Aktionen zu beteiligen und der Verhandlungskommission kurz vor dem dritten Verhandlungstermin noch einmal den Rücken zu stärken.

Die Verhandlungskommission

Die Verhandlungen für die Beschäftigten der Sozial- und Erziehungsberufe im kommunalen öffentlichen Dienst werden mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) geführt.

Die Verhandlungsführer*innen auf Gewerkschaftsseite sind der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke und die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle. Die Verhandlungskommission besteht insgesamt aus 27 Personen, von denen 20 ehrenamtliche Kolleg*innen aus dem Bereich der Sozial- und Erziehungsdienste kommen. 14 von ihnen sind stimmberechtigt, sechs weitere Kolleg*innen haben nicht stimmberechtigte Gastmandate, davon kommen auch einige Kolleg*innen von freien Trägern, die direkt oder mittelbar den TVöD anwenden.

Die 20-köpfige Verhandlungskommission zur Begleitung der Tarifverhandlungen für den Sozial- und Erziehungsdienst wurde aus den insgesamt 100 gewählten Mitgliedern der Bundestarifkommission für den öffentlichen Dienst gebildet.

Die Hintergründe: Stufenweise Aufwertung

Während der letzten beiden Tarifrunden für den Sozial- und Erziehungsdienst in den Jahren 2009 und 2015 haben sich die Beschäftigten mit viel Kreativität und Entschlossenheit für eine tarifliche und ideelle Aufwertung ihrer Berufe eingesetzt. Ein großer Erfolg war dabei die Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Dies hatte eine breite gesellschaftliche Unterstützung der Forderung nach guten Arbeitsbedingungen und besserer Bezahlung im Sozial- und Erziehungswesen zur Folge.  

In einigen Bereichen haben die Beschäftigten deutliche Verbesserungen erreicht. Für die Behindertenhilfe brachte vor allem die Aufwertungsrunde 2015 wichtige Fortschritte. Seitdem sind beispielsweise die Heilerziehungspfleger*innen den Erzieher*innen gleichgestellt. Nun geht es u.a. darum, dass für Fachkräfte in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM) mit pädagogischer Zusatzqualifikation die gleiche Eingruppierung wie für Erzieher*innen und Heilerziehungspfleger*innen gilt und den veränderten Anforderungen im Zuge von Inklusion und Ambulantisierung (Bundesteilhabegesetz) Rechnung getragen wird.

Für die Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen haben die beiden Tarifrunden 2009 und 2015 überproportionale Anhebungen der Entgelte mit sich gebracht. Doch bezogen auf die Tätigkeiten in der Sozialen Arbeit haben die Arbeitgeber in beiden Tarifrunden wenig Handlungsbedarf gesehen. Die Verbesserungen in diesem Bereich waren also deutlich geringer. Hier muss sich noch einiges ändern. 

Insgesamt sind auch die in den Tarifverträgen festgehaltenen Tätigkeitsmerkmale in vielen Bereichen des Sozial- und Erziehungsdiensts nicht mehr zeitgemäß. Daher fordert ver.di in den anstehenden Tarifrunden neben einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen auch eine Verbesserung der Bezahlung, die mit einer besseren Eingruppierung und modernisierten Tätigkeitsmerkmalen einhergeht. Denn die Aufwertung der Berufe im Sozial- und Erziehungsdienst muss weiter gehen.

Forderungen für einzelne Bereiche und Berufsgruppen

 

 

 

Fach- und gewerkschaftspolitische Positionen und Infos

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