Sozial- und Erziehungsdienst

Kitas brauchen Qualität

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Kitas brauchen Qualität

Juni 2017: Kita-Streik in Rostock ver.di Juni 2017: Kita-Demo in Rostock

Mehr als 200 Erzieherinnen und Erzieher sind am 10. Juni 2017 in Rostock gegen das geplante Kindertagesförderungsgesetz (KiföG) auf die Straße gegangen. Die Botschaft der bunten und lauten Demonstration an die SPD-CDU-Landesregierung: Nein zur Absenkung der Qualifikationsniveaus in den Krippen und Kitas, ja zu einer besseren Personalausstattung.

»Offensichtlich glaubt die rot-schwarze Landesregierung, mit dem Hinweis auf den Fachkräftemangel jede Verschlechterung rechtfertigen zu können«, kritisierte ver.di-Landesbezirksleiterin Susanne Schöttke auf der Kundgebung. Statt den zunehmenden Anforderungen der frühkindlichen Bildung Rechnung zu tragen, will die Große Koalition eine neue Schmalspur-Ausbildung einführen. Sie soll drei Jahre dauern, praxisorientiert sein und mit dem Abschluss einer »staatlich geprüften Fachkraft in Kindertagesstätten« enden – also nicht mit dem einer »staatlich anerkannten Erzieher/in«. Zwar ist auch ver.di dafür, dass die Ausbildung praxisnah ist und – anders als die aktuelle schulische Ausbildung – vergütet wird. Das vorliegende Gesetz bedeute aber »eine erhebliche Reduktion der bisherigen Qualifikationserfordernisse für den sehr anspruchsvollen Beruf der Erzieherin bzw. des Erziehers«, erklärte Schöttke.

Den neuen Berufsabschluss soll es nur in Mecklenburg-Vorpommern geben. Doch wie sollen die Beschäftigten damit einen Job finden, wenn sie in ein anderes Bundesland umziehen? Und: Wie sollen sie bezahlt werden? Im Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) wären sie bis zu vier Entgeltgruppen niedriger eingestuft als staatlich anerkannte Erzieher/innen. »Statt der dringend nötigen Aufwertung drohen in den Kitas mittelfristig Gehaltskürzungen«, so der Schweriner ver.di-Sekretär Ivo Garbe. »Es kann nicht sein, dass Mecklenburg-Vorpommern in der frühkindlichen Bildung auf Billiglöhne setzt.«

Juni 2017: Kita-Streik in Rostock ver.di Juni 2017: Kita-Demo in Rostock

Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) begründet ihren Plan ausgerechnet mit einem Verweis auf Baden-Württemberg, wo das neue Ausbildungsmodell bereits umgesetzt sei. Garbe hält dagegen, dass die Auszubildenden dort weiterhin den Titel der »staatlich anerkannten Erzieher/in« erwerben. Zudem könnten die Ausgangsbedingungen in beiden Bundesländern kaum unterschiedlicher sein. So müsse eine Fachkraft im Nordosten etwa doppelt so viele Kinder betreuen wie im Südwesten.

Dieses Verhältnis soll nun de facto noch schlechter werden: Laut Gesetzesnovelle werden Auszubildende ab dem ersten Tag mit 40 Prozent einer Fachkraft auf den Stellenschlüssel angerechnet. Da sie aber nur 40 Prozent ihrer Zeit im praktischen Einsatz sind, heißt das: Auszubildende werden wie vollwertige Fachkräfte gezählt. Das ist schon deshalb absurd, weil sie im ersten Ausbildungsjahr und falls sie Minderjährig sind nicht eigenverantwortlich arbeiten dürfen. »Die ohnehin große Arbeitsbelastung in den Krippen und Kitas wird dadurch weiter zunehmen«, ist Garbe überzeugt. Gleiches gelte für den Einsatz von Fachkräften anderer pädagogischer Berufe, die Erzieher/innen gleichgestellt werden sollen. »Es ist auf jeden Fall sinnvoll, wenn Logopäd/innen oder Musiktherapeut/innen als zusätzliche Fachkräfte das Angebot bereichern, aber nicht, dass sie Erzieherinnen ersetzen.«

Voraussichtlich im Juli soll im Schweriner Landtag über den Gesetzentwurf abgestimmt werden. Bereits im August soll die neue dreijährige Ausbildung starten. Dabei sind bislang weder konkrete Ausbildungsinhalte festgelegt noch gibt es genug fachlich qualifizierte Praxisanleiter/innen. Der Protest in Rostock sei »ein erster Aufschlag in Richtung der Landesregierung«, sagte die Gewerkschafterin Susanne Schöttke. Wenn CDU und SPD nicht auf die Kritik eingehen, könnten weitere Aktionen folgen.

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