Sozial- und Erziehungsdienst

Erste Hilfe gegen Fachkräftemangel

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Erste Hilfe gegen Fachkräftemangel

Auf der Suche nach wirksamen Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel im Sozial- und Erziehungsdienst bietet die Gewerkschaft ver.di Arbeitgebern und politischen Entscheidungsträgern Unterstützung an.

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Sie kennen das Problem: Sie haben freie Stellen, bekommen aber kaum Bewerbungen? Sie sind als Träger der Kinder- und Jugendhilfe für ein Angebot der frühkindlichen Bildung oder Sozialen Arbeit zuständig und haben Mühe qualifiziertes Personal zu finden?

Wir haben gute Nachrichten für Sie: Ihnen kann geholfen werden! ver.di möchte Ihnen einige Tipps geben, die einen wirksamen Beitrag zur Verbesserung Ihrer Situation als Träger darstellen können und gleichzeitig ein gutes Leistungsangebot sicherstellen.

Der Fachkräftemangel ist nicht vom Himmel gefallen! Seit Jahren weist ver.di darauf hin, dass ein zunehmender Fachkräftemangel in der Sozialen Arbeit besteht – und sich noch verstärken wird.

Dafür gibt es einige Gründe:

  • Demografische Entwicklung: Aktuell trägt die Generation der sog. Babyboomer einen großen Teil der Sozialen Arbeit. Diese Kolleginnen und Kollegen werden in den nächsten Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden. Es ist notwendig, dass rechtzeitig neues Fachpersonal gewonnen und ausgebildet wird.
  • Einführung neuer Rechtsansprüche: Neue Rechtsansprüche auf Betreuungsplätze ziehen den Ausbau von Angeboten nach sich. Der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz auch für unter Dreijährige hat zu einem steigenden Ausbaubedarf geführt, der immer noch anhält. Die Einführung des Rechtsanspruches auf ganztägige Bildung und Betreuung von Kindern im Grundschulalter wird diese Situation weiter verstärken.
  • Hohe Krankenstände: Seit Jahren steigen die Anforderungen an die Beschäftigten. Nicht nur zusätzliche Plätze und längere Öffnungszeiten müssen realisiert, sondern auch mehr fachliche Aufgaben bewältigt werden. Die landesrechtlich geregelten Personalschlüssel bieten einen Anhaltspunkt für die notwendige Personalausstattung, lassen aber Urlaub, Krankheit und Fehlzeiten unberücksichtigt. Das bringt erhebliche Belastungen mit sich.
  • Bessere Rahmenbedingungen: Neben der Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll nun endlich auch die Betreuung aller Kinder an Bedeutung gewinnen. Gute Bildungs-, Betreuungs- und Begleitungsarbeit soll dazu beitragen, dass auch benachteiligte Kinder ihre Potenziale entfalten können. Dafür braucht es genug Personal. Das hat auch die Jugend- und Familienkonferenz erkannt und bemüht sich unter anderem um die Etablierung besserer Personalschlüssel. Dadurch entsteht ein weiterer Fachkräftebedarf.

Seit Jahren fordert ver.di von der Politik und Arbeitgebern wirksame Schritte, um dieser Situation erfolgreich zu begegnen.

Was wir aktuell in der Bundes- und Landespolitik feststellen, sind hilflose Versuche und teilweise sogar kontraproduktive Maßnahmen. So hat der Bund seine Fachkräfteoffensive eingestellt und die Länder nutzen das Geld aus dem sog. Gute-KiTa- Gesetz nur zu neun Prozent für die Ausbildung und Gewinnung von Fachkräften. Die Länder öffnen ihre Fachkräftekataloge und ermöglichen so auch Fachfremden aus anderen Berufen, ohne Einhaltung von Qualitätsstandards in der Bildung und Erziehung von Kindern zu arbeiten. Zudem denken Kultusminister*innen der Länder über verkürzte und niveaureduzierte Ausbildungen nach. Diese Maßnahmen führen vor allem zu einer Absenkung der Standards und damit verbunden zur Aufgabe von professionellen Ansprüchen. Ähnliches ist in der Diskussion über das Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) erkennbar. Statt anzuerkennen, dass die langjährige Politik der Deregulierung im sozialen Bereich ein Fehler war, soll ein Flickenteppich von Maßnahmen helfen die ungenügende Situation zu verfestigen.

MASSNAHMENPAKET 1 – Arbeitsbedingungen verbessern!

Schlechte Arbeitsbedingungen, zu hohe Anforderungen und Belastungen machen Beschäftigte krank und tragen dazu bei, dass sie frühzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden. Zudem hinterlässt der Arbeitsdruck auf neue Fachkräfte einen abschreckenden Eindruck, so dass viele junge Menschen die Branche schnell wieder verlassen.

Bedenken Sie: Kitas sind nicht nur Bildungsorte. Ämter und Dienste stellen nicht nur Unterstützungsangebote bereit. Sie sind auch Arbeitsstätten – und als Arbeitgeber sind Sie in der Verantwortung, für Arbeitsbedingungen zu sorgen, die nicht der Gesundheit der Beschäftigten schaden.

Für Arbeitgeber heißt das konkret: Überprüfen Sie die Personalausstattung. Zwar geben die Länder für die Kindertageseinrichtungen Personalschlüssel vor, aber in der Praxis werden sie kaum eingehalten. Dabei sind Fehlzeiten zu berücksichtigen. Es gilt zu bedenken, dass die Beschäftigten ihrer hohen Verantwortung – zum Beispiel der Bildungsbegleitung von Kindern – nur nachkommen können, wenn die Bedingungen stimmen. Die Fachkräfte brauchen Entlastung. Das kann unter anderem im hauswirtschaftlichen Bereich oder bei Verwaltungsaufgaben auch relativ einfach realisiert werden.

Bedenken Sie: Der Notfall wird immer häufiger zum Normalfall. Wenn durch Krankheitswellen oder unbesetzte Stellen Personal fehlt, muss gehandelt werden. Einige Träger machen es vor und haben dafür Notfallkonzepte geschaffen. Die Maßnahmen reichen bis zur Schließung von Gruppen, wenn mit dem vorhandenen Personal der ordnungsgemäße Betrieb nicht sichergestellt werden kann. Aber auch die anderen Arbeitsbedingungen müssen beachtet werden. Wo auch immer sich Gesundheitsgefährdungen ergeben, müssen Sie handeln.

Nur wenn Sie gute Bedingungen in einem angenehmen Arbeitsklima bieten, bleiben die Fachkräfte gesund und neue Kolleginnen und Kollegen finden neben der hohen Sinnhaftigkeit der Sozialen Arbeit attraktive Arbeitsplätze vor, so dass sie gerne in der Kinder- und Jugendhilfe arbeiten.

MASSNAHMENPAKET 2 – Ausbildungsbedingungen verbessern und Kapazitäten ausbauen!

Wir brauchen einen Ausbau der Ausbildungskapazitäten, um genügend junge Menschen für die anspruchsvollen Aufgaben in der Sozialen Arbeit qualifizieren zu können.

Die wichtigsten Schritte für den Ausbau der sozialpädagogischen Ausbildung: Stärkung des Lernortes Praxis: Mit den bestehenden Ausbildungsmodellen praxisintegrierter Ausbildung bekommen die Praxiseinrichtungen eine weitere wichtige Funktion. Sie wird zum Ausbildungsort. Damit das gelingt, müssen entsprechende Ressourcen bereitgestellt werden.

Dazu zählen:

  • Zeit für die Anleitung der Berufsfach- und Fachschüler*innen
  • gut ausgebildete Ausbilder*innen in den Praxisstellen
  • finanzielle Unterstützung der Träger für die Begleitung der Ausbildung
  • bessere Verzahnung der Berufsfachschulen/ Fachschulen und der sozialpädagogischen Praxiseinrichtungen
  • Ausbildungsvergütung statt Schulgeld für Berufsfach- und Fachschüler*innen. Die Ausbildung zur Erzieherin beziehungsweise zum Erzieher muss eine wirkliche Alternative zu anderen Ausbildungen werden. Einige Träger haben sich schon auf den Weg gemacht und stellen Schülerinnen und Schüler in Vollzeit ein, zahlen ihnen eine Ausbildungsvergütung und übernehmen gegebenenfalls das Schulgeld.
  • Unterstützung und Begleitung des Übergangs von Berufsanfänger*innen ins Arbeitsleben. Ob sie in der Sozialen Arbeit bleiben, entscheidet sich oft in den ersten Monaten.
  • Weiterqualifizierung vorhandener Fach- und Assistenzkräfte, um Aufstiegschancen zu ermöglichen (etwa Kinderpfleger*in- nen und Sozialassistent*innen zu Erzieher*innen)
  • Ausbau der Berufsfach- und Fachschulkapazitäten bei Gewährleistung der Rahmenvereinbarungen der Kultusministerkonferenz (KMK 2002/2011)
  • Um zusätzliche Fördermöglichkeiten zu erschließen, sind von der Bundesagentur für Arbeit finanzierte Umschulungen zum/ zur Erzieher*in für Beschäftigte aus anderen Branchen ein wichtiges Instrument. Da viele Träger ihre freien Stellen nicht melden, wird der reale Fachkräftemangel nicht in den Statisti- ken abgebildet. Das Problem erscheint dadurch kleiner als es wirklich ist. Deshalb: Melden Sie Ihre offenen Stellen an die Agentur für Arbeit.
  • Ausbau der Kapazitäten in den Studiengängen der Sozialen Arbeit und Kindheitspädagogik, sowohl in den Bachelor- als auch Masterstudiengängen
  • Fachpersonal fehlt bereits auf allen Ebenen. Auch Lehrkräfte, etwa akademisch gebildete Praktiker*innen (wie Fachberater*innen oder Fortbildner*innen), müssen gewonnen und qualifiziert werden.
  • Ausbau der Kapazitäten und Eröffnung neuer Standorte an den Universitäten für das Lehramt für berufsbildende Schulen mit der Fachrichtung Sozialpädagogik, denn wir benötigen dringend mehr Lehrkräfte für die Berufsfach- und Fachschulen.
  • Promotionsprogramme zur Gewinnung von Dozent*innen und professoralem Nachwuchs für die aufgeführten Studiengänge

Sie haben es in der Hand! Viele der hier beschriebenen Schritte liegen in Ihrer unmittelbaren Verantwortung. Andere Empfehlungen verweisen auf notwendige Aktivitäten der Länder oder des Bundes.

Wir bitten Sie: Setzen Sie sich als Träger der Sozialen Arbeit, oder als politisch Verantwortliche*r dafür ein. ver.di als größte Gewerkschaft für die Beschäftigten in der Sozialen Arbeit steht Ihnen und Ihren Beschäftigten dabei gerne als Verbündete zur Seite.

Gemeinsam können wir dafür Sorge tragen, dass es besser wird!

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