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Charité-Servicekräfte machen Druck

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Charité-Servicekräfte machen Druck

Warnstreiks an der Charité Facility Management GmbH haben spürbare Auswirkungen. Protest vor dem Roten Rathaus: Berliner Senat soll Tarifvertrag finanziell ermöglichen.
Demozug mit Transparenten ver.di Streik der Charité-Servicekräfte im Februar 2020

Am Anfang versuchte die Charité-Leitung noch, die Auswirkungen der Arbeitsniederlegungen bei ihrer Servicetochter CFM herunterzuspielen. Doch spätestens am Dienstag (11. Februar 2020) – nach Donnerstag und Freitag der dritte Warnstreiktag bei der Charité Facility Management GmbH – wurde klar, dass die Aktionen spürbare Auswirkungen auf den Klinikbetrieb haben. Bereits in der vergangenen Woche wurden die Rettungsstellen der Charité-Campi Virchow und Benjamin Franklin nach ver.di-Informationen zeitweise nicht mehr angefahren, weil Patient*innen von dort nicht zu den Stationen weitertransportiert werden konnten. Am Dienstag beteiligten sich erstmals auch 130 Reinigungskräfte an dem Ausstand, was zu deutlichen Einschränkungen und zum Ausfall von OPs führte. »Jetzt wird sichtbar, wie wichtig die Servicekräfte für das Funktionieren des Krankenhauses sind«, bilanziert ver.di-Sekretär Marco Pavlik.

Weit mehr als 300 Beschäftigte demonstrierten am Dienstag vom Bettenhochhaus des Berliner Uniklinikums zum Roten Rathaus, von wo aus der Senat die Bundeshauptstadt regiert. Lautstark erinnerten die Streikenden dort an das Versprechen aus dem Koalitionsvertrag von SPD, Linke und Grünen, die Beschäftigten von Tochterunternehmen nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) zu bezahlen. Das bisherige Angebot der CFM-Geschäftsführung liegt weit darunter. »Unser langfristiges Ziel ist der TVöD, aber wir gehen nicht davon aus, dass wir das sofort erreichen«, erläutert Pavlik. »Zunächst fordern wir einen Haustarifvertrag, um uns endlich auf den Weg in Richtung Flächentarif zu machen.«

Demozug von oben ver.di Streik der Charité-Servicekräfte im Februar 2020

Seit Ausgliederung der Dienstleistungsbereiche aus der Charité vor 14 Jahren gilt für die meisten der rund 2.500 Beschäftigten kein Tarifvertrag. Auch mit wochenlangen Streiks war es 2011 nicht gelungen, in der CFM ein vollständiges Tarifwerk zu etablieren. Jetzt wagt die Belegschaft einen neuen Anlauf. Die Bedingungen dafür sind deutlich günstiger als vor neun Jahren. Seit Anfang 2019 ist die CFM wieder vollständig in öffentlichem Besitz, zuvor hatte ein privates Konsortium aus Dussmann, Vamed und Hellmann 49 Prozent der Anteile gehalten. Eine Folge ist, dass anders als in der Vergangenheit keine sachgrundlos befristeten Arbeitsverträge mehr abgeschlossen werden. Das stärkt die Kampfkraft, da es unbefristet Beschäftigten in der Regel leichter fällt, sich an Arbeitsniederlegungen zu beteiligen.

»Die Aktiven im Betrieb haben den Streik sehr gut und lange vorbereitet«, berichtet Pavlik. Die Zahl der ver.di-Mitglieder habe sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt. »Die Kollegen haben ganz viel Überzeugungsarbeit geleistet – das zahlt sich jetzt aus.« Auch Einschüchterungsversuche von Vorgesetzten in der Reinigung hätten die Frauen dort nicht davon abgehalten, sich am Warnstreik zu beteiligen.

Für den 24. Februar und den 16. März sind weitere Verhandlungstermine festgesetzt. »Wir hoffen und erwarten, dass bis dahin politische Entscheidungen getroffen werden, die der CFM eine tarifliche Bezahlung erlauben«, so Pavlik mit Blick auf die Muttergesellschaft Charité und das Land Berlin. Aktuell betrage die Differenz zwischen Arbeitgeberangebot und Gewerkschaftsforderung acht bis zehn Millionen Euro im Jahr. »Der CFM muss dieses Geld zur Verfügung gestellt werden, sonst wird es keine Tarifeinigung geben«, prophezeit der Gewerkschafter. »Und solange es diese nicht gibt, werden die Aktionen weitergehen. Dass die Beschäftigten aktionsbereit sind, haben sie mit dem Warnstreik anschaulich demonstriert.«

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