Servicegesellschaften

»Keine Beschäftigte zweiter Klasse«

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»Keine Beschäftigte zweiter Klasse«

Kolleg*innen der Klinikum Nürnberg Service-Gesellschaft legen erneut die Arbeit nieder, um für eine Angleichung der Bezahlung an den Flächentarifvertrag TVöD Druck zu machen.
Demonstration mit Transparent "Krankenhaus ist Teamarbeit" ver.di Warnstreik an der Klinikum Nürnberg Service-Gesellschaft am 6. Mai 2021

Als Karin Reinfelder 2004 bei der Klinikum Nürnberg Service-Gesellschaft (KNSG) als Näherin anfing, verdiente sie 8,60 Euro pro Stunde. 17 Jahre später sind es kaum zwei Euro mehr. »Angesichts der Preissteigerungen und vor allem des Anstiegs der Mieten in dieser Zeit bedeutet das einen deutlichen Reallohnverlust«, bilanziert Reinfelder, die sich bei der ausgegliederten Tochtergesellschaft des kommunalen Klinikums inzwischen als Betriebsratsvorsitzende engagiert. Im Vergleich zu Kolleg*innen, die noch zu den Tarifbedingungen des öffentlichen Dienstes angestellt wurden, verdienen die rund 800 Beschäftigten der Servicegesellschaft allein beim Tabellenentgelt zwischen 300 und 900 Euro monatlich weniger - bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit. Hinzu kommen weitere Benachteiligungen bei Zuschlägen und Urlaub sowie der Jahressonderzahung. »20 Jahre hat das Klinikum auf unsere Kosten gespart – damit muss jetzt Schluss sein«, fordert Reinfelder. Sie und ihre Kolleg*innen wollen am Dienstag und Mittwoch (18./19. Mai 2021) erneut in den Streik treten, um für ihre Forderung Druck zu machen.

Bereits am 6. Mai 2021 hatten rund 300 KNSG-Beschäftigte mit einem Warnstreik für eine Angleichung an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) demonstriert. Dabei hatten die Kolleg*innen in vielen Redebeiträgen deutlich gemacht, was es bedeutet, mit sehr wenig Geld auskommen zu müssen. So berichtete die Reinigerin Daniela Sattler, sie werde in dreieinhalb Jahren in Ruhestand gehen – »mit einer Rente von ungefähr 640 Euro, und das nach 49 Jahren Arbeit«. Die Reinigungskraft Cosmina Aydin fragte, wovon sie angesichts der niedrigen Löhne ihre Miete bezahlen solle. »Wir kämpfen für unsere Rechte. Und nicht nur für uns, sondern auch für die Zukunft und unsere Kinder«, sagte die zweifache Mutter. Auch der Reiniger Hüseyin Kandemir betonte: »Für unsere Familien und unsere Kinder fordern wir einen gerechten Lohn. Wir halten zusammen und kämpfen weiter, bis wir unser Ziel erreichen.«

Beschäftigter mit Schild: "Wir wollen nicht Mitarbeiter zweiter Klasse sein." ver.di Beschäftigte der Klinikum Nürnberg Service-Gesellschaft streiten für gleichen Lohn für gleiche Arbeit.

Weniger als zwei Wochen später setzen er und seine Kolleg*innen diese Ankündigung mit einem weiteren Warnstreik um, der von Beginn der Frühschicht am Dienstag bis zum Ende der Nachtschicht am Mittwoch läuft und damit doppelt so lang dauert wie der letzte. Am Mittwoch wollen die Beschäftigten zur Stadtratssitzung in der Nürnberger Meistersingerhalle demonstrieren, um die politischen Entscheidungsträger für die Arbeitsbedingungen in dem kommunalen Klinikum in die Verantwortung zu nehmen. Betriebsrätin Reinfelder verweist darauf, dass Oberbürgermeister Marcus König (CSU) im letztjährigen Wahlkampf die Wiedereingliederung der Servicegesellschaft ins Klinikum und eine Bezahlung nach dem TVöD versprochen hatte. Nach dem letzten Warnstreik erklärte er stattdessen, die Angleichung an den Flächentarifvertrag sei »leider aktuell nicht denkbar«.

Reinfelder hält dagegen: »Es ist undenkbar, dass die Beschäftigten der Tochtergesellschaft eines kommunalen Krankenhauses weiter mit Niedriglöhnen abgespeist werden, von denen sie nicht leben können.« Mit der vom Arbeitgeber bislang angebotenen Erhöhung »in Centbeträgen« werde man sich nicht abspeisen lassen. »Wir sind gut organisiert und fest entschlossen, unsere Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dabei können wir auf die Solidarität der Kolleginnen und Kollegen im Klinikum und aus der Bevölkerung zählen«, betont Reinfelder. Dass die Beschäftigten der Muttergesellschaft die Auseinandersetzung ihrer Servicekolleg*innen unterstützen, haben sie bereits vor einem Jahr mit rund 2.000 Unterschriften und seither mit etlichen Solidaritätsbotschaften kundgetan. »Wir wollen keine Beschäftigten zweiter Klasse mehr sein«, sagt Reinfelder. »Bis wir das erreicht haben, geben wir keine Ruhe.«

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