Servicegesellschaften

»Wir sind klasse – macht auf die Kasse«

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»Wir sind klasse – macht auf die Kasse«

Protest bei Tarifverhandlungen für Klinik-Servicegesellschaften in Bayern. Beschäftigte fordern Angleichung an den TVöD. Aktuell liegt die Bezahlung deutlich darunter.

Lautstarker Protest der Servicekräfte am Klinikum Nürnberg zum Verhandlungsauftakt am 17. Januar 2020. ver.di Lautstarker Protest der Servicekräfte am Klinikum Nürnberg zum Verhandlungsauftakt am 17. Januar 2020.

Am 13. Februar 2020 geht es weiter. Dann erwarten die Beschäftigten der Klinik-Servicegesellschaften in Nürnberg, Ingolstadt, Bamberg, Rosenheim, Unterfranken und Schweinfurt ein verhandlungsfähiges Tarifangebot. Das haben über 100 Kolleginnen und Kollegen beim Verhandlungsauftakt am 17. Januar im Klinikum Nürnberg deutlich gemacht. Unter dem Motto »Wir sind klasse – macht auf die Kasse« begrüßten sie lautstark die Verhandlungsführer der Arbeitgeber – was auf diese sichtlich Eindruck machte. Die Arbeiter*innen fordern eine schrittweise Angleichung ihrer Gehälter an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD). Aktuell liegen sie zumeist mehrere hundert Euro monatlich darunter.

»Die Arbeit der Servicekräfte ist für das Funktionieren der Krankenhäuser essenziell, sie leisten qualifizierte und wichtige Arbeit«, betont Tanja Kirchner vom ver.di-Bezirk Mittelfranken. »Doch in der Bezahlung bildet sich das überhaupt nicht ab.« So verdient eine Reinigungs- oder Küchenkraft im bayerischen Service-Tarifvertrag je nach Entgeltgruppe zwischen 300 und 900 Euro weniger als nach dem TVöD – jeden Monat. »Das ist eine eklatante Lücke, die für viele bedeutet, dass sie mit ihrem Lohn nicht über die Runden kommen«, kritisiert die Gewerkschaftssekretärin. Etliche seien auf Zweitjobs oder staatliche Unterstützung angewiesen. Dabei werde das Leben auch für die Servicekräfte immer teurer. So steigen beispielsweise die Mieten stark an, insbesondere in den Metropolregionen. In Nürnberg und Ingolstadt sind sie in den vergangenen zehn Jahren um insgesamt 52 Prozent gestiegen, in Würzburg müssen die Menschen durchschnittlich sogar 57 Prozent mehr für ihre Wohnung ausgeben als vor zehn Jahren. »Die Beschäftigten brauchen Löhne, von denen sie leben können – und bei denen sie am Ende eines harten Arbeitslebens nicht in die Altersarmut rutschen«, erklärt Kirchner.

Mit ihrem Protest-Motto machen die Servicekräfte klar, was sie von den Arbeitgebern erwarten. ver.di Mit ihrem Protest-Motto machen die Servicekräfte klar, was sie von den Arbeitgebern erwarten.

Als Vorbild sieht sie das Klinikum Fürth. Dieses hatte seine Servicegesellschaft 2014 auf Druck von ver.di und der Lokalpolitik aufgelöst. Seither sind die 250 Beschäftigten wieder direkt in dem kommunalen Krankenhaus angestellt. Ihre Bezahlung wird bis Ende 2023 schrittweise auf das Niveau des TVöD angehoben. »Wenn das in Fürth geht, warum sollte das anderswo nicht möglich sein?«

Diese Frage beantwortete ein Arbeitgebervertreter beim Verhandlungsauftakt mit der Drohung, dann müsse man Leistungen an billigere Privatfirmen vergeben. »Angesichts des leergefegten Arbeitsmarkts ist diese Drohkulisse nicht sehr realistisch. Wir werden deswegen sicher keinen Dumping-Tarifvertrag unterschreiben«, stellt ver.di-Verhandlungsführer Robert Hinke klar. »Man sieht überall, welch fatale Folgen die Privatisierung im Gesundheitswesen für die Versorgungsqualität und die Beschäftigungsbedingungen hat. Wo Arbeitgeber diesen Weg gehen, wird es massiven Widerstand geben.«

Die Servicebeschäftigten in Bayerns Kliniken wollen sich also nicht ins Bockshorn jagen lassen. Sie bereiten sich auf Aktionen vor. Als Erstes soll eine Petition gestartet werden, die die Unterstützung der Belegschaften für die Tarifforderungen dokumentiert. Auch den laufenden Kommunalwahlkampf wollen die Kolleg*innen nutzen, um ihre Anliegen gegenüber den politisch Verantwortlichen deutlich zu machen. »Die Arbeit in kommunalen Krankenhäusern darf nicht auf Niedriglöhnen basieren«, fordert Hinke, der bei ver.di in Bayern für das Gesundheits- und Sozialwesen zuständig ist. »Sie führen zu hoher Fluktuation, erhöhen den Krankenstand und schaden insgesamt der Versorgungsqualität. Eine angemessene Bezahlung ist daher auch aus Sicht der Patienten und der Gesellschaft als Ganzes dringend geboten.«

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