Servicegesellschaften

Jetzt wird nach TV-L gezahlt

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Jetzt wird nach TV-L gezahlt

Die Beschäftigten der Universitätsmedizin Rostock Logistik GmbH haben den Durchbruch geschafft: Sie werden in Zukunft die Entgelte nach dem Tarifvertrag der Länder (TV-L) erhalten.

Die Beschäftigten machten ihre Streikbereitschaft deutlich. Damian Putschli Sie sind streikbereit  – Das machten die Beschäftigten deutlich.

Damit werden die rund 300 Beschäftigten so bezahlt, wie alle Landesbeschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern – und damit ebenso wie die anderen Beschäftigten der Universitätsmedizin Rostock (UMR). Deren 100prozentige Tochter sind sie, übernehmen für die Mutter überwiegend Aufgaben in der Reinigung sowie in Fahr-, Wach- und Sicherheitsdienst. 2007 wurde die Logistik gegründet.

Seit 2008 hat die Logistik-Tochter einen Betriebsrat. Dessen Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber war jedoch immer wieder von Konflikten geprägt, allein von Oktober 2016 bis Ende vergangenen Jahres hatte es 15 Beschlussverfahren gegeben. Das sind Verfahren vor dem Arbeitsgericht, bei denen über kollektivrechtliche Streitigkeiten entschieden wird. Das betrifft häufig das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat.

Doch mit einem guten Organisationsgrad und pfiffigen Ideen war es den Beschäftigten schon in der Tarifrunde 2017 gelungen, eine Bezahlung von mindestens 10 Euro pro Stunde durchzusetzen. Aber in der Tarifrunde 2019 wollten sie mehr: Die Angleichung an den TV-L, ganz nach dem Motto „Gutes Geld für gute Arbeit“. Bereits am 18. Februar bekannten sie – gemeinsam mit den Beschäftigten der UMR, deren Tarifverhandlungen an diesem Tag begonnen haben – Farbe und trugen rote Armbinden.

Vor der zweiten und dritten Verhandlungsrunde machten sie ihre Streikbereitschaft deutlich. Zugleich suchten sie sich aber auch Bündnispartner*innen in der Politik. Insbesondere Landesregierung und Landtag sahen sie in der Pflicht, die Finanzierung der Lohnerhöhungen zuzusagen. So reisten nach der zweiten ergebnislosen Verhandlungsrunde rund 50 Kolleg*innen Ende März zum SPD-Landesparteitag nach Warnemünde.

Wollte man sie beim Parteitag erst nicht zulassen, gelang es ihnen, mit Beharrlichkeit die SPD-Mitglieder der Ausschüsse für Bildung und Finanzen vor die Tür zu locken, um sie über ihre Situation zu informieren. Mitte April schrieben die Kolleg*innen an die Ausschussmitglieder aller Parteien (außer der AfD) 239 individuelle Briefe. In jedem schilderte ein Kollege, eine Kollegin persönlich die berufliche Situation und die Lebensumstände, zu denen die geringe Bezahlung führt.

In der dritten Runde kam es dann Ende April zum Durchbruch. Jetzt wird nach TV-L bezahlt. Das bedeutet für eine Reinigungskraft im ersten Jahr 440 Euro brutto im Monat mehr (plus 27 Prozent). Im Wachdienst kommt ein*e Beschäftigte*r mit sechs Berufsjahren zukünftig auf 635 Euro brutto mehr (plus 36 Prozent), mit 15 Jahren im Fahrdienst werden monatlich 810 Euro brutto mehr bezahlt (plus 42 Prozent). Unter anderem wurde die niedrigste Entgeltgruppe abgeschafft, bisherige Beschäftigungszeiten werden angerechnet.

 »Die Entschlossenheit und glaubwürdige Streikbereitschaft der Beschäftigten zahlt sich nun aus und hat hoffentlich Beispielwirkung für Beschäftigte anderer Unternehmen im Gesundheitswesen und darüber hinaus«, sagte der zuständige Gewerkschaftssekretär Damian Putschli. Allerdings gebe es jetzt noch Nachbesserungsbedarf bei anderen Regelungen des TV-L, zum Beispiel bei Urlaub und Krankengeldzuschuss.

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