Servicegesellschaften

Göttinger Weihnachtsfriede

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Göttinger Weihnachtsfriede

Tarifkonflikt in der Servicegesellschaft der Uniklinik Göttingen beigelegt. Löhne steigen um 18 bis 28 Prozent. Management wollte weiteren Streik unbedingt vermeiden.

Das wollten die Manager der Göttinger Uniklinik und ihrer Tochtergesellschaft UMG Klinikservice GmbH unbedingt vermeiden: Einen weiteren Streik vor Weihnachten, der den Klinikbetrieb erneut empfindlich eingeschränkt hätte. Bereits zwei Mal hatten die Beschäftigten der Servicegesellschaft die Arbeit niedergelegt, um für höhere Löhne und bessere Bedingungen zu demonstrieren. Allein der zweitägige Ausstand am 30. Oktober und 1. November 2018 kostete die Unternehmen nach ver.di-Schätzung mehr als eine Million Euro. Denn wegen fehlender Servicekräfte mussten etliche Operationen abgesagt und andere Leistungen eingeschränkt werden.

»Die Geschäftsleitung wollte offenbar nicht riskieren, dass es kurz vor den Feiertagen noch einmal einen solchen Streik gibt«, meint ver.di-Sekretär Patrick von Brandt. »Die Kolleginnen und Kollegen haben gezeigt, dass man auch im Servicebereich ökonomischen Druck erzeugen kann – wenn man zusammenhält und bereit ist, auch sensible Bereiche entschlossen zu bestreiken.« Die geforderte Angleichung an den Tarifvertrag der Länder (TV-L) hätten die Streikenden damit zwar nicht durchgesetzt, aber doch »einen deutlichen Schritt in diese Richtung«. Bislang verdienten die rund 700 Beschäftigten der GmbH nur einen Bruchteil so viel wie ihre etwa 400 von der Muttergesellschaft »gestellten« Kolleg/innen – obwohl sie die gleiche Arbeit machen.

ver.di setzte den für Montag und Dienstag (17./18. Dezember 2018) geplanten Streik aus, nachdem das Management einen Kompromiss akzeptierte, den es zuvor wochenlang abgelehnt hatte. So werden die Beschäftigten mit einer neuen Entgeltordnung und Lohntabellen, die drei Erfahrungsstufen beinhalten, deutlich besser gestellt. Die Wochenarbeitszeit wird von 39 auf 38,5 Stunden verkürzt, der Urlaub für alle auf 30 Tage aufgestockt. Bislang gab es in den ersten Beschäftigungsjahren weniger Urlaubstage. Die Jahressonderzahlung wird im kommenden Jahr von bislang etwa 600 auf 950 Euro erhöht. Bis 2021 steigt sie um weitere 50 Euro. Für Überstunden, Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit hat das ver.di-Verhandlungsteam gute Zuschläge ausgehandelt. Falls Beschäftigte außerhalb des Dienstplans einspringen, gibt es zusätzlich 25 Prozent oben drauf. Auch eine Überstundenregelung mit »Mini-Arbeitszeitkonto« entspricht weitgehend der Erwartungen der Kolleg/innen.

Insgesamt liegen die Lohnerhöhungen je nach Einzelfall zwischen 18 und 28 Prozent. »Die vereinbarten Verbesserungen sind ein großer Schritt in Richtung Angleichung der Arbeitsbedingungen an die Alt-Beschäftigten«, betont Dorren Seifert aus der Wäscherei. Ebenso entscheidend ist für sie etwas anderes: »Wir haben uns Respekt verschafft und gezeigt, wie wichtig alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Uniklinik sind.«

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  • Joachim Lüddecke

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