Rettungsdienst

Kürzer arbeiten, mehr verdienen

ASB

Kürzer arbeiten, mehr verdienen

Rettungskräfte beim ASB im sächsischen Löbau erreichen Anhebung der Bezahlung auf das Niveau des öffentlichen Dienstes und Arbeitszeitverkürzung von 48 auf 40 Wochenstunden.


»Wir diskutieren noch, ob das ein guter oder ein sehr guter Tarifvertrag ist«, berichtet der Rettungsassistent Dirk Ranft von den Gesprächen in der Belegschaft der ASB Rettungs- und Sozialdienst gGmbH im ostsächsischen Löbau. Besonders die mit dem am 9. Juni 2020 erzielten Tarifabschluss einhergehende stufenweise Absenkung der Wochenarbeitszeit von 48 auf 40 Stunden kommt bei den Retter*innen gut an. »Dadurch hat man mehr Zeit für Familie und Freizeit – das ist toll«, sagt Ranft, der seit 30 Jahren im Rettungsdienst arbeitet. »Und es ist besonders für die älteren Kollegen eine wichtige Entlastung.«

Auch beim Lohn tut sich einiges: Die Einkommen steigen 2021 um 25 bis 35 Prozent und in den folgenden drei Jahren um insgesamt weitere 8,3 Prozent, so dass sie 2024 an das Niveau des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) heranreichen. Derzeit gelten per Arbeitsvertrag für die rund 60 Beschäftigten ganz unterschiedliche Bedingungen. »Es ist gut, dass dann alle zu den gleichen Konditionen arbeiten«, betont Ranft. »Und es ist richtig, dass die Löhne per Tarifvertrag von der Gewerkschaft ausgehandelt werden.« Um das zu erreichen, hat sich etwa die Hälfte der Belegschaft in ver.di organisiert.

Die Retter*innen beim ASB in Löbau haben sich einen Tarifvertrag erkämpft. ver.di Die Retter*innen beim ASB in Löbau haben sich einen Tarifvertrag erkämpft.

Auch die anderen sollten nun in die Gewerkschaft eintreten, appelliert Ranft und betont: »Nur ver.di-Mitglieder haben rechtlich einen Anspruch auf den Tarifvertrag.« Das könnte schon bald wichtig werden. Denn es läuft ein neues Ausschreibungsverfahren für den Rettungsdienst in der Region. In den kommenden Monaten wird sich entscheiden, ob der ASB weitermachen kann oder ein anderes Unternehmen den Zuschlag erhält. Ist Letzteres der Fall, gehen die Beschäftigten per Betriebsübergang auf den neuen Dienstleister über. Nur ver.di-Mitglieder nehmen in diesem Fall die tarifvertraglichen Ansprüche mit.

Rettungsassistent Ranft, der auch in der ver.di-Tarifkommission aktiv ist, ist davon überzeugt, dass der Tarifabschluss auch für den Arbeitgeber von Vorteil ist. »Er ist eine wichtige Voraussetzung dafür, gut ausgebildetes und motiviertes Personal zu halten.« Bei der ASB Rettungsdienst und Katastrophenschutz gGmbH im nahgelegenen Görlitz hatte ver.di bereits im Februar einen Tarifvertrag abgeschlossen. Auch in Bautzen sind die Retter*innen tarifvertraglich geschützt. Wäre der ASB in Löbau nicht nachgezogen, hätten Beschäftigte womöglich ihren Job gewechselt.

»Es freut mich für unsere Mitglieder bei den Rettungsdiensten des ASB in Löbau und Görlitz, dass wir in beiden Unternehmen einen ordentlichen Schritt in die richtige Richtung machen konnten«, erklärt die zuständige ver.di-Sekretärin Sabine Baron. Und der Notfallsanitäter Denis Glathe, ebenfalls Mitglied der ver.di-Tarifkommission, verweist auf die anspruchsvolle Arbeit im Rettungsdienst, bei der in kürzester Zeit die richtigen Entscheidungen getroffen werden müssten. »Jeder kann morgen auf schnelle Hilfe angewiesen sein, davon hängen Menschenleben ab«, so Glathe. »Deshalb ist es wichtig, dass die Berufe im Rettungsdienst attraktiver werden.« Der Tarifvertrag in Löbau leistet dazu sicher einen Beitrag.

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