Reha-Einrichtungen

»Seht her: Es geht«

»Seht her: Es geht«

Das Tarifniveau des öffentlichen Dienstes kann auch bei privaten Reha-Trägern durchgesetzt werden. Das zeigt der Abschluss bei den Kliniken Schmieder in Baden-Württemberg.

Beschäftigte der Kliniken Schmieder in Baden-Württemberg fordern erfolgreich die Angleichung an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD). ver.di Beschäftigte der Kliniken Schmieder in Baden-Württemberg fordern erfolgreich die Angleichung an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD).

Der aktuelle Lohnabschluss bei den Kliniken Schmieder in Baden-Württemberg setzt Maßstäbe: Der private Reha-Betreiber bezahlt seine Beschäftigten genauso wie kommunale Krankenhäuser. Eine positive Ausnahme. ver.di-Verhandlungsführerin Silke Hansen erklärt, dass der Abschluss auch die Beschäftigten aus anderen Einrichtungen stärkt.

Silke Hansen privat Silke Hansen

Bei den Kliniken Schmieder in Baden-Württemberg habt ihr erreicht, dass ein privater Reha-Träger dieselben Löhne zahlt wie im öffentliche Dienst. Wie habt ihr das geschafft?

Die Kolleginnen und Kollegen standen aufrichtig hinter dieser Forderung. Direkt zum Auftakt der Tarifverhandlungen haben sie dem Arbeitgeber mit Aktionen klargemacht, was sie wollen. Vor der Zentrale am Seestandort hielten rund 100 Beschäftigte in ihrer Mittagspause selbstgemalte Transparente hoch, darauf stand: »Gleiche Arbeit, gleicher Lohn« und »Wir sind mehr wert«. Mit Erfolg. Die mehr als 2.000 Beschäftigten an den sechs Standorten bekommen dieselben Monatslöhne wie in den kommunalen Krankenhäusern. Das heißt: Sie werden gut gezahlt – und zwar alle.

Wie ist es dazu gekommen?

Wir sind mit einer Forderung nach insgesamt acht Prozent mehr Lohn in die Verhandlung gegangen, um die Lücke zum Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) zu schließen. Das hatten wir schon einmal geschafft, 2017. Allerdings war die nächste Erhöhung nicht mehr so hoch, so dass die Schere wieder auseinanderging. Jetzt haben wir eine Lohnerhöhung von 7,7 Prozent durchgesetzt – und erreicht, dass die Tarifsteigerungen im öffentlichen Dienst zum gleichen Zeitpunkt in gleicher Höhe übernommen werden. Der Vertrag läuft bis zum 31. März 2021. Allerdings gibt es keine Automatik. Wir müssen die Angleichung an den TVöD immer wieder neu erkämpfen.

Was bedeutet der Abschluss?

Für eine Reha-Klinik ist das ein sehr, sehr gutes Ergebnis. Vor allem auch deshalb, weil es ein privater Träger ist. In Baden-Württemberg haben wir nur einen einzigen weiteren Reha-Betreiber, der die Tariferhöhung aus dem öffentlichen Dienst der Länder dieses Jahr übernimmt – und dabei handelt es sich um eine gemeinnützige Gesellschaft. Deshalb ist dieser Abschluss schon etwas Besonderes. So etwas gibt es so bei Reha-Einrichtungen sonst nicht. Damit haben wir einen Maßstab gesetzt.

Hat der Abschluss eine Signalwirkung?

Er ist auf jeden Fall ein Vorbild. Private Träger können nicht mehr sagen: Das geht nicht. Das stärkt uns für andere Tarifverhandlungen. Aktuell verhandeln wir bei den Waldburg-Zeil Kliniken in Oberschwaben. Vor der zweiten Verhandlungsrunde gab es einen großen Streik. Rund 600 Beschäftigte waren vor der Tür und forderten: »TVöD auch für uns.« Der Arbeitgeber hält sie schon seit langem kurz mit den Löhnen. Der Abstand zur Bezahlung im öffentlichen Dienst liegt bei durchschnittlich 400 Euro im Monat. Nur vier Tage vor Beginn der Verhandlungen haben wir den Abschluss bei den Schmieder-Kliniken erzielt. Ich kam mit der frischen Botschaft: »Seht her, es geht auch bei privaten Reha-Trägern.« Die nächste Verhandlung ist am 19. Juni.

Akutkrankenhäuser bekommen Lohnerhöhungen refinanziert, für Reha-Kliniken gilt das nicht?

Ja. Die Finanzierung im Reha-Bereich ist schwierig, das stimmt. Darauf verweisen private Klinikträger immer gerne. Aber fest steht: Es geht! Der Arbeitgeber hätte sich jedoch nicht dazu durchgerungen, wenn der Druck nicht dagewesen wäre. Außerdem ist es für ihn ganz klar auch ein Mittel, um Fachkräfte zu gewinnen. Allerdings versuchen die meisten Träger, sich dabei auf bestimmte Berufsgruppen zu beschränken. In diesem Fall haben wir in den Kliniken Schmieder die Entgelttabelle des öffentlichen Dienstes für alle Beschäftigten durchgesetzt. Das ist uns ganz wichtig: Wir lassen uns nicht spalten.

Wie geht es weiter?

Jetzt gilt es, auch bei der Eingruppierung die Lücke zu schließen, vor allem für Pflegekräfte sowie Therapeutinnen und Therapeuten. Darüber wird jetzt verhandelt. Im TVöD gilt beispielsweise die ergo- und physiotherapeutische Behandlung bei Schlaganfällen als schwierige Tätigkeit und wird höher bezahlt. Dagegen wehrt sich der Arbeitgeber noch mit Händen und Füßen. Aber die Beschäftigten sind durch den Lohnabschluss gestärkt – und werden weiter Druck machen.

Silke Hansen ist Gewerkschaftssekretärin für den Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen im ver.di-Landesbezirk Baden-Württemberg.

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