Psychiatrie

Warnung vor »Kuhhandel«

Psychiatrie

Warnung vor »Kuhhandel«

Psychiatrie-Beschäftigte befürchten, dass sich Krankenhausgesellschaft (DKG) und Krankenkassen auf unzureichende Personalstandards einigen. Erste Unterschriften an DKG übergeben.

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), PsychPVplus, Psychiatrie, Axel Schmitz Frank Hofferberth und Michael Kohn von den ver.di-Vertrauensleuten, DKG-Präsident Gerald Gaß sowie Grit Genster von der ver.di-Bundesverwaltung bei der Unterschriftenübergabe in Alzey. (von links nach rechts)

Diese Gelegenheit wollten sich die Beschäftigten der Rheinhessen-Fachklinik Alzey nicht entgehen lassen: Am Mittwoch konfrontierten sie ihren Geschäftsführer Dr. Gerald Gaß, zugleich Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), mit der Forderung nach einer »Psych-PV plus« – einer Personalverordnung, die den Versorgungsbedarf tatsächlich abbildet. Bis Ende September müssen DKG und Gesetzliche Krankenkassen im Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) eine Richtlinie auf den Weg bringen, die neue Standards für die Personalausstattung in psychiatrischen Krankenhäusern setzt. Ihre Entscheidung wird die Bedingungen in der Psychiatrie auf Jahre hinaus prägen. Deshalb machen Beschäftigte mit Aktionen und einer bundesweiten Unterschriftensammlung Druck.

Die ersten 600 Unterschriften erhielt DKG-Präsident Gaß am Mittwoch (3. April 2019) bei einer gut besuchten Personalversammlung im rheinhessischen Alzey. Viele weitere werden folgen, denn die Petition läuft noch bis zum 15. Mai. Sie richtet sich nicht nur an die DKG, sondern auch an die Krankenversicherungen. »Wir befürchten, dass Krankenhäuser und Krankenkassen einen Kuhhandel auf Kosten der Beschäftigten und Patienten machen könnten«, erklärt der ver.di-Vertrauensleutesprecher des Alzeyer Klinikums, Michael Kohn. So könnten die Versicherungen versuchen, Geld zu sparen, indem sie die Personalvorgaben niedrig ansetzen. Die Krankenhausfunktionäre könnten verbindliche und bedarfsgerechte Vorgaben verhindern wollen, an die sie sich sonst halten müssen. Bei der Übergabe sagte Gaß den Beschäftigten zu, bei den Verhandlungen im G-BA auch in ihrem Sinne zu agieren. Als Klinik-Geschäftsführer habe er ebenfalls ein Interesse an guten Personalstandards.

Die Leiterin des Bereichs Gesundheitspolitik beim ver.di-Bundesvorstand, Grit Genster, bekräftigte auf der Personalversammlung die Forderung nach einer Personalbemessung, die die gestiegenen Anforderungen abbildet. In der bisherigen Psychiatrie-Personalverordnung (Psych-PV) seien etliche Tätigkeiten und Beschäftigtengruppen nicht angemessen oder gar nicht berücksichtigt. Deshalb müsse dieses an sich gute System bedarfsorientiert weiterentwickelt werden.

»Psychiatrie ist Beziehungsarbeit, das geht nur mit einer guten Personalausstattung«, betont die für die Fachklinik zuständige ver.di-Sekretärin Patricia Martiny. »Wir brauchen eine Personalbemessung, die es den Beschäftigten ermöglicht, ihre Arbeit gut zu schaffen, ohne davon selbst krank zu werden.« ver.di-Vertrauensmann Kohn verweist darauf, dass genug und gut qualifiziertes Personal entscheidend dafür ist, Zwangsmaßnahmen gegen Patient*innen und Gewalt gegen Beschäftigte zu vermeiden. »Wir haben ein Recht auf sichere Arbeitsplätze«, betont der Ergotherapeut.

Auch anderswo engagieren sich Psychiatrie-Beschäftigte für eine Psych-PV plus. »Die nächsten Wochen sind entscheidend«, sagt Gewerkschafterin Genster. »Jetzt kommt es darauf an, Kliniken und Krankenkassen an ihre Verantwortung erinnern, damit sie die Weichen für eine gute Personalausstattung richtig stellen. Wir bleiben dran.«

Kontakt

  • Gisela Neunhöffer

    Psych­ia­tri­sche Ein­rich­tun­gen, Ser­vice­be­trie­be

    030/6956-1842

  • Grit Genster

    Be­reichs­lei­te­rin Ge­sund­heits­po­li­ti­k. The­menschwer­punk­te: Ge­sund­heits­-, Kran­ken­haus- und Pfle­ge­po­li­tik

    030/6956-1810