Psychiatrie

Am Limit

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ver.di-Umfrage in der Psychiatrie: Mehr als drei Viertel der Beschäftigten können sich nicht vorstellen, bis zur Rente zu bleiben – ver.di warnt vor Absenkung der Personalausstattung durch den G-BA

Pressemitteilung, Berlin, 09.09.2019. Mehr als drei Viertel der Beschäftigten in psychiatrischen Einrichtungen in Deutschland können sich nicht vorstellen, bei der derzeitigen Personalsituation bis zur Rente in der Psychiatrie zu arbeiten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), an der im Juli und August mehr als 2.300 Beschäftigte aus 168 psychiatrischen Fachkrankenhäusern und Fachabteilungen teilgenommen haben. Das ver.di-Versorgungsbarometer Psychiatrie zeigt, dass die aktuelle personelle Unterausstattung die Beschäftigten ans Limit bringt. 77,3 Prozent der Beschäftigten bewerten die Besetzung auf ihrer Station als „knapp“ oder „viel zu gering“. Mit einem Aktionstag am morgigen Dienstag (10. September) macht ver.di bundesweit auf die prekäre Personalsituation in psychiatrischen Krankenhäusern aufmerksam. Am 19. September will der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) über Vorgaben für die erforderliche Personalausstattung in der Psychiatrie entscheiden.

ver.di fordert, bei der anstehenden Beschlussfassung des G-BA zur Nachfolgeregelung der noch bis 31. Dezember dieses Jahres gültigen Psychiatrie-Personalverordnung (PsychPV) die Personalausstattung in der Psychiatrie deutlich zu verbessern. Entwürfe, die sogar zu einer Verschlechterung der bisherigen Standards und damit zu einer „PsychPVMinus“ führen könnten, müssten unverzüglich vom Tisch. „Niemals wieder darf es eine Verwahrpsychiatrie geben. Die Ergebnisse des Versorgungsbarometers zeigen glasklar: In der Psychiatrie braucht es dringend mehr Personal“, sagte Sylvia Bühler, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand. „Der G-BA muss die Zeitwerte pro Patientin beziehungsweise Patient für die verschiedenen Berufsgruppen deutlich erhöhen.“ Die Krankenkassen müssten das für eine gute Versorgung erforderliche Personal finanzieren. Wenn die Personalvorgaben nicht eingehalten werden, müsse dies Konsequenzen haben. Bühler: „Ein bedarfsgerechtes System der Personalbemessung in der Psychiatrie ist im Interesse der Patientinnen und Patienten sowie der Beschäftigten.“

Derzeit können viele Versorgungsaufgaben nur noch zum Teil oder gar nicht mehr erfüllt werden, wie die ver.di-Umfrage ergab. Demnach konstatierten mehr als 80 Prozent der Befragten, ein begleiteter Ausgang für alle Patientinnen und Patienten sei bei Bedarf „nur zum Teil“, „nur sehr eingeschränkt“ oder „nicht möglich“ gewesen. Zu Überlastung kommen für die Beschäftigten noch konkrete Gefährdungen durch körperliche und verbale Angriffe. Knapp die Hälfte der Befragten (49,9 Prozent) war in den letzten vier Wochen mindestens einmal körperlichen Übergriffen ausgesetzt; rund 80 Prozent sind mindestens einmal beschimpft worden. Personalmangel gilt als eine wichtige Ursache für die Zunahme von Aggressionen und scheiternde Deeskalation in psychiatrischen Einrichtungen.

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