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Nicht nur ein Appell, auch eine Ansage

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Nicht nur ein Appell, auch eine Ansage

Über die Hälfte der rund 7.000 Beschäftigten an der Mainzer Uniklinik unterzeichnet eine Petition für höhere Gehälter und mehr Personal. 139 »Teamdelegierte« wochenlang aktiv.

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, Uniklinik, Entlastung, Pflege, Krankenhaus, Mario Tremmel Die Delegation aus der Mainzer Uniklinik demonstriert Kampfbereitschaft. Rechts im Bild ver.di-Verhandlungsführer Frank Hutmacher.

Silke Bunse will nicht mehr. Bis vor Kurzem hat sie den Kreißsaal der Universitätsmedizin Mainz geleitet. Sie ist eine »überzeugte Hebamme«, betont die 38-Jährige. »Doch in dieser Situation konnte ich nicht länger in einer Leitungsfunktion arbeiten.« Ständig habe sie Dienstpläne geschrieben, in denen die Schichten trotz etlicher geplanter Überstunden unterbesetzt waren. Regelmäßig müssten gesetzlich vorgeschriebene Pausen durchgearbeitet werden. Immer wieder komme es zu gefährlichen Situationen. Doch alle Hinweise und Beschwerden an die Klinikleitung seien ins Leere gelaufen. Dagegen regt sich jetzt Widerstand – für Bunse, die sich als »Teamdelegierte« engagiert, ist das »total ermutigend«.

3.542 Beschäftigte – mehr als die Hälfte der Belegschaft – haben eine Petition unterschrieben, die am Mittwoch (26. Juni 2019) an die Klinikleitung übergeben wurde. »Wir fordern höhere Gehälter und mehr Personal. Wir arbeiten Tag für Tag am Limit. So, wie es jetzt ist, darf es für uns und unsere Patient*innen nicht weitergehen«, heißt es darin. Dies ist nicht nur ein Appell, es ist auch eine Ansage. Die Kolleginnen und Kollegen stellen darin klar, dass sie bereit sind, für Verbesserungen zu kämpfen: »Wir lassen nicht locker, bis wir das bekommen, was uns zusteht: Respekt, deutlich mehr Geld sowie gute Arbeitsbedingungen.«

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, Uniklinik, Entlastung, Pflege, Krankenhaus, Mario Tremmel Pflegevorstand Marion Hahn (links) und der Vorstandsvorsitzende Norbert Pfeiffer (rechts) nehmen die Petition entgegen.

Jetzt steht erst einmal die Entgeltfrage auf der Agenda: Ab Donnerstag (27. Juni 2019) wird über einen neuen Haustarifvertrag verhandelt. ver.di fordert sechs Prozent, mindestens aber 200 Euro mehr im Monat, für Auszubildende 120 Euro. Examinierte Pflegekräfte sowie Hebammen sollen eine zusätzliche monatliche Zulage zwischen 350 und 400 Euro erhalten. Zudem will ver.di auch an der Mainzer Uniklinik durchsetzen, dass betrieblich-schulische Auszubildende eine Vergütung erhalten. In öffentlichen Kliniken werden angehende Medizinisch-Technische Assistent*innen, Physiotherapeut*innen, Diätassistent*innen, Orthoptist*innen, Logopäd*innen und Ergotherapeut*innen seit Jahresbeginn bezahlt. In Mainz erhalten sie trotz hoher Praxisanteile bislang keinen Cent.

Darauf haben etwa 50 Auszubildende bereits in der Woche vor Verhandlungsbeginn mit einer Kundgebung hingewiesen. Mit einem Theaterstück machten sie am 18. Juni 2019 in der Mainzer Innenstadt deutlich, was es bedeutet, nichts zu verdienen. »Darunter leidet die Qualität der Ausbildung, darunter leiden vor allem wir«, hieß es bei der Aktion.

Azubi-Aktion in Mainz ver.di Azubi-Aktion in Mainz

»Für ihre anspruchsvolle, engagierte und oft auch sehr belastende Arbeit haben die Beschäftigten bei der Universitätsmedizin Mainz eine gute Bezahlung verdient«, stellte ver.di-Verhandlungsführer Frank Hutmacher klar. Die mehr als 3.500 Unterschriften seien ein »starkes Signal« an den Arbeitgeber. Ermöglicht wurde dieses durch die Aktivitäten der 139 »Teamdelegierten«, die in den vergangenen Wochen durch alle Stationen und Bereiche der Mainzer Uniklinik gelaufen sind, um ihre Kolleginnen und Kollegen auf ihre Arbeitssituation und die Tarifforderungen anzusprechen. »Da ist plötzlich ein tolles Gefühl der Solidarität entstanden«, berichtete Silke Bunse. »Die Leute haben ganz viel erzählt, wie es ihnen geht und was sie wollen.« Ob auf den Stationen, im Transport, in der Apotheke oder anderswo – überall seien die Kolleginnen und Kollegen am Ende ihrer Kräfte. »Jetzt schließen sie sich solidarisch zusammen und kämpfen gemeinsam.«

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