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Bezahlte Pausen: »Ganz großes Kino«

Bezahlte Pausen: »Ganz großes Kino«

»Mach mal Pause bei Knoppers und Brause« hieß es in der Charité in Berlin. Im Saarland verteilten die Aktiven passend zum Wetter Eis an die Kolleg*innen. Hoch im Norden, am KIinikum Bremen Mitte trank man in der »frischen Pause« gemeinsam Saft. In Kaiserlautern im Westpfalzklinikum wiederum gab es Popcorn in Tüten, denn: Bezahlte Pausen bei Wechselschicht, das wäre nicht nur fair, sondern eben auch »ganz großes Kino«.

Am Klinikum Bremen Mitte kamen die Kolleg*innen zu einer "frischen Pause" zusammen ver.di Bremen Am Klinikum Bremen Mitte kamen die Kolleg*innen zu einer "frischen Pause" zusammen

Denn die Bezahlung ihrer Pausen bei Wechselschicht, das forderten in der vergangenen Woche bundesweit Beschäftigte kommunaler Krankenhäuser. Damit machten sie im Vorfeld von Verhandlungen von ver.di mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) am 24. Juni deutlich, dass sie eine Gleichbehandlung mit anderen Beschäftigten im öffentlichen Dienst einfordern. In anderen kommunalen Betrieben werden die Pausen bei Wechselschicht bereits in die Arbeitszeit eingerechnet. Ausgerechnet die hochbelasteten Beschäftigten im Krankenhaus sind davon bislang ausgenommen.

Auch die Beschäftigtem am Klinikum Augsburg beteiligten sich mit Fotoaktionen. ver.di Augsburg Auch die Beschäftigtem am Klinikum Augsburg beteiligten sich mit Fotoaktionen.

Mit der Einigung in der Tarifrunde des öffentlichen Dienstes im April 2018 hatten sich die kommunalen Arbeitgeber zu Verhandlungen über die Einrechnung der Pausen in die Arbeitszeit bei Wechselschicht und die Erhöhung des Zeitzuschlags für Samstagsarbeit auf 20 Prozent verpflichtet. Mit der Veröffentlichung der Gesetzesänderungen zur Krankenhausfinanzierung sollte es losgehen. Nun ist das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz bereits vor einem halben Jahr in Kraft getreten, das den Krankenhäusern die vollständige Refinanzierung von linearen und strukturellen Tarifsteigerungen garantiert. Auch wird jede zusätzliche oder aufgestockte Stelle für Pflegekräfte in Krankenhäusern rückwirkend ab 2018 vollständig von der Krankenversicherung bezahlt. Und dennoch fielen im Vorfeld der anstehenden Verhandlungen am Montag der Verband der kommunalen Arbeitgeber (VKA) und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) in ihre antiquierten Rollen zurück. Gerade einmal zwei Wochen nach der durch die Bundesregierung initiierten Konzertierten Aktion Pflege, in der sich alle Akteure dafür ausgesprochen haben, die Arbeitsbedingungen in der Pflege attraktiv zu gestalten, beklagten am Mittwoch öffentlich eine angeblich unzureichende Refinanzierung.

An der An der Charité Universitätsmedizin machten Aktive ihre Kolleg*innen mit einem Pausenstand mit Snacks auf die anstehenden Verhandlungen aufmerksam ver.di An der Charité Universitätsmedizin machten Aktive ihre Kolleg*innen mit einem Pausenstand mit Snacks auf die anstehenden Verhandlungen aufmerksam

»Das Verhalten der kommunalen Arbeitgeber ist uns unerklärlich. Viel zu lang haben die Arbeitgeber die Verhandlungen hinausgezögert und jetzt stehlen sie sich aus der Verantwortung. Die Beschäftigten haben für diese Hinhaltetaktik kein Verständnis« sagte Benjamin Gampel, Krankenpfleger auf einer chirurgischen Herz-Thorax-Station und Betriebsgruppensprecher am Uniklinikum Augsburg: »Wir erwarten eine schnelle Einigung über bessere Bedingungen und Entlastung. Wir brauchen dringend neue Kolleg*innen. Und damit in Zukunft genug Menschen für die Pflege gewonnen und darin gehalten werden können, müssen sich die Bedingungen dringend verbessern. Die Bezahlung der Pausen in Wechselschicht ist für uns ein wichtiger Schritt in diese Richtung« stellt er klar.

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