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Konfliktbereit und kooperativ

Klinikpersonal entlasten

Konfliktbereit und kooperativ

Der Personalrat der LWL-Klinik Dortmund kann sowohl Auseinandersetzungen führen als auch Kompromisse eingehen. So hat er eine Dienstvereinbarung mit Mindestbesetzungen erreicht.

Beschäftigte der Dortmunder LWL-Klinik fordern mehr Personal für die Psychiatrien. ver.di Beschäftigte der Dortmunder LWL-Klinik fordern mehr Personal für die Psychiatrien.

Im Frühjahr 2020 werden im öffentlichen Dienst in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen, Sachsen-Anhalt, Bremen und Berlin Personalräte gewählt. Das ist wichtig. Denn eine engagierte und kompetente Interessenvertretung kann einiges erreichen. Dies zeigt das Beispiel der LWL-Klinik Dortmund. In dem psychiatrischen Fachkrankenhaus mit rund 1.500 Beschäftigten hat der Personalrat eine Dienstvereinbarung durchgesetzt, die unter anderem Mindest- und Regelbesetzungen auf den Stationen festschreibt und dem Pflegepersonal mehr Dienstplansicherheit beschert.

Noch vor einigen Jahren standen die Zeichen zwischen Betriebsleitung und Personalrat an der Dortmunder Klinik des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) auf Konfrontation. »Sehr lange haben sich beide Seiten über die Dienstplangestaltung auseinandergesetzt«, berichtet die Pflegedirektorin Yvonne Auclair. »Als ich vor knapp vier Jahren anfing, stritt man gerade vor der Einigungsstelle.« Doch statt den Konflikt durch einen Spruch zu entscheiden, forderte die Richterin die Parteien auf, sich intern zu einigen. Mit viel Zeit und Geduld gelang das schließlich. Am Ende stand eine Dienstvereinbarung, die für alle Stationen eine geplante Regelbesetzung vorschreibt, sowie eine Mindestbesetzung, die auch bei Ausfällen nicht unterschritten wird. Diese Vorgaben haben Personalrat und Management nicht im kleinen Kämmerlein erarbeitet, sondern gemeinsam mit den Stationsleitungen und Kolleg*innen vor Ort. Auf Teilpersonalversammlungen wurden die Vorschläge vorgestellt und intensiv diskutiert. »Durch diese Beteiligung sind realistische und gute Schichtbesetzungen herausgekommen«, berichtet der Personalratsvorsitzende Christian Reinemann.

Nachts wird seither immer mindestens zu zweit gearbeitet. Auszubildende und Praktikant*innen werden nicht auf den Stellenplan angerechnet. »Es ist inzwischen selbstverständlich, dass die Mindestbesetzungen nicht unterschritten werden«, betont Christian Reinemann. »Notfalls wird vorübergehend Leihpersonal eingesetzt, um Ausfälle zu überbrücken.« Kolleginnen und Kollegen, die freiwillig außerhalb des Dienstplans einspringen, erhalten einen Zuschlag von 30 Prozent. Zudem ist festgelegt, dass die Pflegekräfte höchstens acht Tage am Stück arbeiten. Grundsätzlich gilt die Fünf-Tage-Woche.

Die bisherige Psychiatrie-Personalversordnung (Psych-PV) wird in der Dortmunder LWL-Klinik nahezu vollständig eingehalten. Die seit Jahresbeginn geltenden neuen Personalvorgaben für die Psychiatrie (PPP-RL) haben zur Konsequenz, dass die Besetzung in zwei Bereichen aufgestockt werden soll. Personalrat und Geschäftsleitung wollen darüber im Rahmen der Evaluation ihrer Vereinbarung beraten. Aufgrund der Corona-Pandemie konnten diese Gespräche allerdings bisher nicht stattfinden.

Verbessert wird die personelle Situation in der Klinik dadurch, dass Beschäftigte über das refinanzierte Personalbudget hinaus eingestellt werden. Das funktioniert, weil das Budget immer auch durch Langzeiterkrankte entlastet wird. »Diese fallen aus der Zahlung raus, das planen wir von vornherein mit und stellen gleich mehr Leute ein«, berichtet die Personalrätin Brigitte Schero. Auch in anderen Bereichen habe die Belegschaftsvertretung einiges erreicht. So erarbeitet der Personalrat nach einem Initiativantrag derzeit gemeinsam mit dem Arbeitgeber ein Konzept, das Übergriffen auf das Personal entgegenwirken soll.

Beschäftigte der Dortmunder LWL-Klinik fordern mehr Personal für die Psychiatrien. ver.di Beschäftigte der Dortmunder LWL-Klinik fordern mehr Personal für die Psychiatrien.

Wer etwas durchsetzen will, braucht Biss

Brigitte Schero ist davon überzeugt, dass die Durchsetzungsfähigkeit des Personalrats eng mit dessen gewerkschaftlicher Orientierung zusammenhängt. Von den 13 Mitgliedern des Gremiums sind zehn bei ver.di engagiert. »Wenn man etwas durchsetzen will, muss man Biss haben und die Kolleginnen und Kollegen im Zweifelsfall auch mobilisieren können«, betont sie. Das war zuletzt beispielsweise bei einem Warnstreik im Rahmen der Tarifrunde des öffentlichen Dienstes der Fall, als sich ganze Stationsteams zur Streikteilnahme meldeten.

»Man muss beharrlich an den Themen dranbleiben – und bereit sein, Kompromisse zu schließen«, bringt der Personalratsvorsitzende Christian Reinemann das Erfolgsrezept auf den Punkt. »Denn natürlich ist auch bei uns längst nicht alles perfekt.« So habe die Belegschaftsvertretung zehnstündigen Nachtdiensten zugestimmt, um die Fünf-Tage-Woche zu ermöglichen. »Das sind hammerharte Schichten, aber die Kolleginnen und Kollegen auf den Stationen sind wie wir der Meinung, dass sich das im Gesamtpaket lohnt.«

Lohnend sind die getroffenen Regelungen im Übrigen nicht für die Beschäftigten, sondern auch aus Sicht der Klinik. Es falle ihr durch sie leichter, qualifiziertes Personal zu finden und zu halten, berichtet Reinemann. So hätten sich die Abschlusskurse der LWL-Akademie in den vergangenen anderthalb Jahren nahezu vollständig dafür entschieden, an der LWL-Klinik zu bleiben. »Die haben auch von anderswo Angebote, aber sie bleiben. Das spricht für sich.«

Die Pflegedirektorin Yvonne Auclair bestätigt, dass sich die Dienstvereinbarungen bei Bewerbungsgesprächen positiv auswirken. »Die höhere Zuverlässigkeit des Dienstplans ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können. Zum Teil kommen Beschäftigte von anderen Kliniken oder aus der stationären oder ambulanten Altenpflege gezielt zu uns, weil sie von Kollegen gehört haben, dass die Bedingungen hier besser sind.«

Das Verhältnis mit der Belegschaftsvertretung bewertet die Managerin insgesamt positiv. »Natürlich haben wir unterschiedliche Rollen: Der Personalrat fokussiert auf die individuellen Interessen der Mitarbeiter, die Betriebsleitung muss stärker die wirtschaftlichen Aspekte in den Blick nehmen. Das führt auch zu Konflikten, aber mittlerweile kommen wir dabei meist zu konstruktiven Lösungen.« Auclair schätzt die Zusammenarbeit mit dem Personalrat aber noch aus einem anderen Grund: »Das sind Experten aus der Praxis. Sie bei Neuerungen frühzeitig einzubeziehen, ist für das Unternehmen absolut sinnvoll.«

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