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Service und Pflege halten zusammen

Uniklinik Freiburg

Service und Pflege halten zusammen

Beim Warnstreik an der Uniklinik Freiburg gehen Beschäftigte aller Berufsgruppen gemeinsam auf die Straße. Im Dienstleistungsbereich geht es um die Angleichung der Tarife.
junge Frauen halten Banner, auf dem "tarif deluxe" steht Ingo Busch/ver.di Streik an der Uniklinik Freiburg am 23.10.2019

Rund 300 Beschäftigte des Uniklinikums Freiburg haben am Mittwoch (23. Oktober 2019) mit einem einstündigen Warnstreik deutlich gemacht: Sie wollen ordentliche Tarifverträge. Und sie halten zusammen. Während ver.di für die insgesamt rund 25.000 nicht-ärztlichen Beschäftigten der vier baden-württembergischen Unikliniken Freiburg, Ulm, Tübingen und Heidelberg gemeinsam verhandelt, haben die etwa 900 Beschäftigten aus Reinigung, Hauswirtschaft, Zentralküche, Wäscherei und Logistik der Freiburger Uniklinik einen eigenen Tarifvertrag mit abgesenkten Entgelttabellen. »Wir wollen perspektivisch erreichen, dass die Servicekräfte mit den anderen Beschäftigten der Uniklinik gleichgestellt werden«, umreißt Ingo Busch vom ver.di-Bezirk Südbaden Schwarzwald das mittelfristige Ziel. »In dieser Tarifrunde wollen wir die Lücke zumindest kleiner werden lassen.«

Bislang ist die Geschäftsführung allerdings weit davon entfernt, dieser Forderung nachzukommen. In der zweiten Verhandlungsrunde am Montag bot sie lediglich bescheidene Lohnerhöhungen an: Am 1. September 2019 und am 1. Oktober 2020 soll die Bezahlung demnach um jeweils zwei Prozent, ab November 2021 um weitere 1,5 Prozent steigen – bei einer Laufzeit von 37 Monaten. ver.di ist hingegen mit einer Forderung nach sieben Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten in die Auseinandersetzung gegangen. Die Jahressonderzahlung, die aktuell bei 60 Prozent eines Monatslohns liegt, soll auf 88 Prozent steigen – wie es für die restlichen Beschäftigten der Uniklinik festgeschrieben ist. Zudem sollen Servicekräfte in den jeweiligen Entgeltgruppen auch die sechste Erfahrungsstufe erreichen können, was derzeit noch nicht möglich ist. Der Arbeitgeber hatte hingegen die Streichung der Stufe 1 sowie höhere Zuschläge angeboten, wovon langjährig Beschäftigte bzw. Teilzeitkräfte wenig hätten.

viele Menschen mit Bannern Ingo Busch/ver.di Streik an der Uniklinik Freiburg am 23.10.2019

Dass die Beschäftigten im Servicebereich hinter den Forderungen ihrer Gewerkschaft stehen, haben sie bereits deutlich gemacht: Zu Beginn der Verhandlungen am Montag übergab die Verhandlungskommission der Geschäftsführung eine Petition mit 600 Unterschriften. Dass sich diese daraufhin nicht kompromissbereiter zeigte, quittierten die Servicekräfte mit der guten Warnstreikbeteiligung.

Auch die anderen nicht-ärztlichen Beschäftigten haben per Unterschrift klargemacht, dass sie hinter ver.di stehen: 2.552 von ihnen haben eine Petition für die Forderung nach acht Prozent mehr Geld in 18 Monaten unterzeichnet. Für Pflegekräfte – deren Einkommensverbesserungen von den Krankenkassen vollständig refinanziert werden – verlangt die ver.di-Tarifkommission weitere 200 Euro monatlich mehr. Desweiteren will sie einen Tarifvertrag für alternsgerechtes Arbeiten und für Auszubildende 130 Euro mehr sowie fünf freie Lerntage pro Ausbildungsjahr durchsetzen. Zudem soll Arbeit zu ungünstigen Zeiten künftig mit einem Zeitfaktor von 1,5 bewertet werden. In der ersten Verhandlungsrunde am 11. Oktober haben die Arbeitgeber kein Angebot vorgelegt aber angekündigt, das bei der nächsten Runde am 25. Oktober nachholen zu wollen.

Den Versuch der Klinikleitung, den einstündigen Warnstreik am Mittwoch als »unverhältnismäßig« zu brandmarken, hat ver.di entschieden zurückgewiesen. Auch die Beschäftigten ließen sich davon nicht beeindrucken, was die gute Beteiligung dokumentierte. Ebenfalls mit der Aktion gezeigt haben die Kolleginnen und Kollegen, dass sie zusammenhalten. »Sowohl bei der Unterschriftensammlung als auch bei der Personalversammlung und jetzt beim Warnstreik ist deutlich geworden, wie groß die Solidarität unter den Berufsgruppen ist«, erklärte Ingo Busch. Dies werde die Belegschaft erneut zeigen, sollten die Arbeitgeber bei den Verhandlungen am 25. Oktober für die nicht-ärztlichen Beschäftigten und am 25. Oktober für die Servicekräfte keine deutlich besseren Angebote vorlegen.

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