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Solidarität mit Charlotte Matheis

Union Busting

Solidarität mit Charlotte Matheis

»Jetzt ist Solidarität gefragt«, sagt ver.di-Sekretär Michael Quetting. Das Universitätsklinikum des Saarlands will die langjährige Gewerkschaftsaktivistin Charlotte Matheis außerordentlich und fristlos kündigen. Sie sei ihrer Arbeitsverpflichtung angeblich nicht nachgekommen, hieß es kurz vor Weihnachten in einem Schreiben an den Personalrat. Dieser lehnte den Antrag auf Zustimmung zur Kündigung ab. Zu Recht, wie Quetting betont. Denn Charlotte Matheis sei keineswegs der Arbeit ferngeblieben, sondern habe in dieser Zeit notwendige Personalratstätigkeiten erledigt.

++UPDATE MAI 2018++ Der Arbeitgeber konnte sich mit dem Kündigungsbegehren nicht durch-setzen. Inzwischen kam es zu einer außergerichtlichen Einigung ++

Charlotte Matheis (Mitte) im Kreise ihrer Kolleg/innen bei einer Protestaktion ver.di Charlotte Matheis (Mitte) im Kreise ihrer Kolleg/innen bei einer Protestaktion

»Wir betrachten diesen Angriff auf unsere mutige Kollegin Charlotte als Angriff auf die gesamte Gewerkschaftsbewegung«, stellt Quetting klar. Denn offensichtlich gehe es der Klinikleitung – die die fehlende Zustimmung des Betriebsrats per Gerichtsbeschluss ersetzen lassen will – darum, eine unbequeme und engagierte Gewerkschafterin loszuwerden. Die Fachkrankenpflegerin in der Anästhesie setzt sich seit vielen Jahren für ihre Kolleginnen und Kollegen ein. Sie ist Mitglied der ver.di-Bundestarifkommission und der Tarifkommission Entlastung im Saarland. In dieser Funktion hat sie mit dafür gesorgt, dass Saarlands Klinikbeschäftigte eine hervorgehobene Rolle in der bundesweiten Bewegung für Entlastung spielen. Das Homburger Uniklinikum hatte im Frühjahr 2017 zunächst Verhandlungen mit ver.di geführt, an denen auch Charlotte Matheis beteiligt war. Doch statt die Probleme endlich anzugehen, spielte die Klinikleitung auf Zeit. Anfang Dezember brach ver.di die Verhandlungen ab. Über das weitere Vorgehen wollen die Gewerkschaftsmitglieder im Uniklinikum am 17. Januar 2018 auf einer Vollversammlung entscheiden. »Erst hat uns die Klinikleitung monatelang hingehalten, jetzt setzt sie mit dem Kündigungsbegehren gegen Charlotte vollends auf Eskalation«, kritisiert ver.di-Sekretär Quetting. »Das ist empörend und einer Einrichtung in Landesbesitz unwürdig.«

Charlotte Matheis sei dem Klinikmanagement offenbar ein Dorn im Auge – auch wegen ihres Einsatzes für die Durchsetzung von Mitbestimmungsrechten und Entlastung bei der Dienstplangestaltung. Die 61-Jährige ist per Beschluss des Personalrats dazu benannt, das Gremium in einer Einigungsstelle zu Arbeitszeiten zu vertreten. Hintergrund ist die Personalnot, die durch hunderte Überlastungsanzeigen dokumentiert wird. Die Beschäftigten des Uniklinikums schieben laut einer ver.di-Zählung zehntausende Überstunden vor sich her. »Charlotte streitet dafür, dass der Personalrat seine Mitbestimmungsrechte nutzt, um daran etwas zu ändern und Entlastung zu erreichen«, erläutert Quetting. »Sie macht sich für die Einhaltung der Gesetze und die Gesundheit ihrer Kolleginnen und Kollegen stark. Dafür gebührt ihr Dank und Unterstützung – und in dieser Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber jede erdenkliche Solidarität.«

Aktionshinweis: Schreibt E-Mails an den kaufmännischen Direktor Ulrich Kerle (ulrich.kerle@uks.eu) und zeigt ihm euren Unmut, und erklärt dem Personalrat (helene.rauber@uks.eu) sowie Charlotte (cmath@web.de) eure Solidarität.

++UPDATE MAI 2018++ Der Arbeitgeber konnte sich mit dem Kündigungsbegehren nicht durch-setzen. Inzwischen kam es zu einer außergerichtlichen Einigung ++

Ultimatum der »Wilden Sieben« am Homburger Uniklinikum

Die Zeit läuft ab. Wenn die Leitung des Homburger Uniklinikums die Personalsituation auf der Station M1-NCU – genannt Station 7 – nicht bis Ende des Monats nachhaltig verbessert, werden die dortigen Pflegekräfte freiwillige Leistungen kollektiv verweigern. Bereits Anfang Oktober 2017 formulierten sie ein Ultimatum, in dem es heißt: »In Erwägung unserer Verantwortung für die pflegerische Versorgung unserer schwerkranken onkologischen, rheumatischen und infektiösen Patientinnen und Patienten, in Bedenken unserer eigenen Gesundheit und dem Wunsche, unseren Beruf länger ausüben zu können, in Fürsorge für unsere Familien und Freunde und in der Erkenntnis, dass wir einfach nicht mehr können, gestatten wir (…) uns, dem Universitätsklinikum des Saarlandes ein Ultimatum zu stellen. Sollten unserer Station nicht bis zum 1. Februar 2018 dreiundzwanzig Stellen mit examinierten Pflegekräfte zugeteilt sein, wird von uns niemand mehr aus seinem Frei in den Dienst kommen, niemand mehr gegen das Arbeitszeitgesetz verstoßen, niemand mehr ärztliche Tätigkeiten wie zum Beispiel die Verabreichung von Blut und Blutprodukten durchführen, niemand mehr ohne schriftliche ärztliche Anordnung handeln.«

Auf der Krebsstation seien mindestens 23 examinierte Pflegekräfte nötig, um in den Früh-, Spät- und Nachtschichten eine Besetzung von sechs, fünf bzw. zwei Kolleg/innen zu gewährleisten, rechnet ver.di-Sekretär Michael Quetting vor, den das Team als »Emissär« benannt hat. Die Klinikleitung hat aber lediglich angeboten, eine Mindestbesetzung von 5-4-2 in Früh-, Spät- und Nachtschichten zu garantieren. »Damit würde die absolute Notbesetzung, wie sie beim letzten Streik vereinbart wurde, zur Normalbesetzung«, kritisiert Quetting. Die Beschäftigten haben dieses »Angebot« abgelehnt. 18 von ihnen haben sich in einer internen Vereinbarung untereinander verpflichtet, die angedrohten Maßnahmen gemeinsam umzusetzen, falls die Klinikspitze nicht einlenkt.

Das Team einer Intensivstation im Kreiskrankenhaus St. Ingbert hat sich die »Wilde Sieben« des Uniklinikums zum Vorbild genommen und im Dezember ebenfalls ein Ultimatum beschlossen. Sollte die Geschäftsführung nicht bis zum 15. April 2018 dafür sorgen, dass im Frühdienst mindestens fünf, im Spät- und Nachtdienst wenigstens vier Pflegekräfte anwesend sind, wollen die Beschäftigten nicht mehr außerplanmäßig einspringen. Den Betriebsrat haben sie aufgefordert, »die gesundheitsgefährdenden Dienstpläne abzulehnen«.

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