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Heißer Warnstreik in Bad Bramstedt

Heißer Warnstreik in Bad Bramstedt

100 Beschäftigte und unterstützende Patient*innen waren am vergangenen Montag, den 29. Juli dem Aufruf von ver.di zu einem Warnstreik gefolgt. Sie fordern eine Annäherung ihrer Gehälter an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD).

Beschäftigte streiken für bessere Gehälter am Klinikum Bad Bramstedt - unterstützt durch ihre Patient*innen ver.di Beschäftigte streiken für bessere Gehälter am Klinikum Bad Bramstedt - unterstützt durch ihre Patient*innen

Bei großer Hitze waren die Beschäftigten ganze zwölf Stunden im Einsatz. Zunächst hielten sie eine Kundgebung vor dem bestreikten Klinikum ab, später zogen sie in einem von Trommeln und Trillerpfeifen lautstark begleiteten Demonstrationszug von der Klinik vor das Rathaus von Bad Bramstedt ins Stadtzentrum.

Zum jetzigen Stand der Tarifauseinandersetzung verlangt ver.di acht Prozent mehr Gehalt für die nach Haustarif Beschäftigten, verteilt auf zwei Jahre Laufzeit. Außerdem gefordert ist eine Vorteilsregelung mit zusätzlichem Urlaub für ver.di Mitglieder. Damit sei zwar keine vollständige Annäherung an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) erreicht, aber es sei ein Schritt in die Richtung, wie Wolfram Göthert, Mitglied der ver.di Tarifkommission, der lokalen Presse erläuterte.

Nach Berechnungen von ver.di liegen die Gehälter des Haustarifvertrags aktuell um durchschnittlich 12,3 Prozent unter dem TVöD Niveau. Die zuständige ver.di Gewerkschaftssekretärin Imke Wriedt nennt Beispiele: »Im Klinikum verdient eine Berufsanfängerin als Pflegefachkraft 2390 Euro, woanders sind es nach TVöD 2801 Euro«. Bei den Therapeut*innen seien die Unterschiede ebenfalls groß.

Betroffen davon sind im gemischten Reha- und Fachklinikum Pflegekräfte, Physiotherapeut*innen, Ergo- und Logotherapeut*innen, medizinische Fachangestellte, der soziale Dienst und auch Beschäftigte in der Verwaltung. Ohne die Ärzt*innen, die einen eigenen Tarifvertrag haben, sind das circa 350 Beschäftigte. Die Geschäftsführung des Klinikums hatte zuletzt 6,7 Prozent mit zweijähriger Laufzeit angeboten, den Beschäftigten ist das zu wenig. Am 21. August wird in der dritten Runde weiterverhandelt.

Auf den Stationen wurde am Streiktag lediglich ein Notbetrieb aufrechterhalten. Physio- und Ergotherapien, sowie die logopädischen Termine fielen entsprechend aus. Auch die Beschäftigten des Sozialen Dienst beteiligten sich in großer Zahl. Die Beschäftigten, die wegen der geltenden Notdienstvereinbarung nicht am Streik teilnehmen konnten, erklärten sich solidarisch mit den Streikenden und ihren Forderungen nach mehr Gehalt.

Auf der Demonstration symbolisch anwesend: Figuren der Beschäftigten im Notdienst ver.di Auf der Demonstration symbolisch anwesend: Figuren der Beschäftigten im Notdienst

Auf den Stationen wurde am Streiktag lediglich ein Notbetrieb aufrechterhalten. Physio- und Ergotherapien, sowie die logopädischen Termine fielen entsprechend aus. Auch die Beschäftigten des Sozialen Dienst beteiligten sich in großer Zahl. Die Beschäftigten, die wegen der geltenden Notdienstvereinbarung nicht am Streik teilnehmen konnten, erklärten sich solidarisch mit den Streikenden und ihren Forderungen nach mehr Gehalt.

Sie waren zumindest symbolisch anwesend: Im Vorfeld des Warnstreiks hatten sie Pappfiguren mit ihrem Namen und unterstützenden Kommentaren bei den Streik Aktiven abgegeben und auch im Klinikum durch einen Aufkleber ihre Solidarität mit dem Streik bekundet. Besondere Unterstützung erhielten die Streikenden auch durch mehrere Patient*innen: Sie erklärten sich solidarisch mit den Streikenden und nahmen, teilweise gestützt auf Krücken oder im Rollstuhl, an der Demonstration teil. Eine Patientin sagte der lokalen Presse, sie werde seit fünf Wochen im Klinikum behandelt und erlebe in vielen Fällen die hohe Arbeitsbelastung und Arbeitsverdichtung. Auch habe sie festgestellt, dass das Personal unterbezahlt sei. Vor dem Rathaus ergriff auch die Bürgermeisterin der Stadt das Wort: Sie zeigte ebenfalls großes Verständnis für die Streikenden.

Gesellschafter des Klinikums sind nach Größe die Deutsche Rentenversicherung Nord, das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und die Stadt Bad Bramstedt als kleinste Gesellschafterin.

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