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Pflegehelfer droht Abschiebung

Pflegehelfer droht Abschiebung

Beschäftigte am Uniklinikum Marburg protestieren gegen drohende Abschiebung ihres Kollegen Irfan Mohammad nach Pakistan. »Genau solche Leute brauchen wir in der Pflege.«

Irfan Mohammad privat Irfan Mohammad

Irfan Mohammad liebt seinen Beruf. Bei der DRK-Schwesternschaft macht er am Uniklinikum Marburg eine Ausbildung zum Krankenpflegehelfer. »Irfan liebt den Umgang mit den Patienten und ist mit Feuer und Flamme dabei – genau solche Leute brauchen wir in der Pflege«, sagt der Gesundheits- und Krankenpfleger Mark Müller. Gemeinsam mit anderen Kolleg*innen hat der Jugendvertreter eine Kampagne gestartet, um die drohende Abschiebung von Irfan zu verhindern. Denn der 22-Jährige soll nach Pakistan zurück geschickt werden – obwohl er in Marburg voll integriert ist und eine für die Gesellschaft wichtige Arbeit macht.

Das Universitätsklinikum hat in Gesprächen mit der Jugend- und Auszubildendenvertretung mündlich zugesagt, Irfan die dreijährige Pflegeausbildung zu ermöglichen, sobald er die Qualifikation zum Helfer hinter sich gebracht hat. Doch dazu wird es womöglich nicht kommen. Denn nach der Ablehnung seines Asylverfahrens droht ihm die Abschiebung. Das, obwohl Irfan in Pakistan viel Schlimmes erlebt hat. Seine Familie hatte sich zur Wehr gesetzt, als ihr Land weggenommen werden sollte. Daraufhin wurde sein Bruder ermordet, sein Onkel hingerichtet. Die Asylbehörde meint dennoch, er könne nach Pakistan zurückkehren und sich in einer der großen Städte verstecken.

Für Mark Müller ist das für »total unmenschlich«. Der Gewerkschafter sieht Abschiebungen grundsätzlich kritisch – »vor allem in Länder wie Pakistan, die alles andere als sichere Herkunftsstaaten sind«. Bei Irfan komme noch hinzu, dass er hier gebraucht werde. »Es ist doch grotesk: Der Gesundheitsminister reist durch die Welt, um Pflegekräfte von Jordanien und anderswo nach Deutschland zu holen – und zugleich soll jemand abgeschoben werden, der nichts lieber tut als das.« Deshalb wollen Müller und seine Kolleg*innen alles dafür tun, die Öffentlichkeit zu informieren und die Abschiebung zu verhindern.

Eine von ihnen gestartete Online-Petition haben innerhalb weniger Wochen fast 2.500 Menschen unterschrieben – viele davon aus dem Uniklinikum. »Es kann nicht sein, dass Flüchtlinge, die sich integriert haben und eine Ausbildung in Deutschland machen, in einem Berufsfeld in dem händeringend Menschen gebraucht werden, abgeschoben werden«, heißt es darin. »Wir wollen für eine Perspektive für Irfan kämpfen!«

Irfans Unterstützer*innen wollen erreichen, dass sich die Härtefallkommission des hessischen Landtags mit dem Fall befasst. In Teilen der Politik stoßen sie damit auf offene Ohren. So wird eine entsprechende Landtagspetition nicht nur von SPD und Linkspartei, sondern auch von dem Marburger CDU-Abgeordneten Dirk Bamberger unterstützt wird. Bis der Landtag darüber diskutiert hat, kann Irfan nicht abgeschoben werden – ein erster Erfolg. Doch Sicherheit gibt ihm das nicht. »Wir haben gehört, dass die Beschäftigten im Klinikum Augsburg 2017 mit ihren Aktivitäten dazu beigetragen haben, ihrem afghanischen Kollegen Anwar eine dauerhafte Perspektive zu ermöglichen«, sagt der Krankenpfleger Mark Müller. »Das ermutigt uns, nicht nachzulassen. Wenn so ein Unrecht geschieht, darf man nicht zuschauen, sondern muss etwas tun.«

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