Kirchliche Betriebe

»Ziel, für das sich großer Einsatz lohnt«

Kommentar

»Ziel, für das sich großer Einsatz lohnt«

Bei der Durchsetzung von Mindeststandards in der Altenpflege kommt es auch auf die christlichen Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie an. Ein Kommentar von Sylvia Bühler.

Die dramatische Personalnot in der Altenpflege lässt sich nur mit besseren Arbeitsbedingungen und einer angemessenen Bezahlung lösen. Das hat nun auch die Bundesregierung erkannt. Union und SPD haben vereinbart, flächendeckend für Tariflöhne zu sorgen. Dass sich die Koalition dem Problem endlich annimmt, ist unser Verdienst. Seit Jahren weisen die ver.di-Aktiven in der Altenpflege darauf hin, dass der Beruf attraktiver werden muss. Das ist die Grundvoraussetzung dafür, in Zukunft genug Fachkräfte für diese wichtige und sinnstiftende Arbeit zu gewinnen.

Insbesondere in privaten Einrichtungen ist die Entlohnung teilweise beschämend niedrig. Wenn Pflegefachkräfte in Sachsen-Anhalt in Vollzeit bei 40 Wochenstunden nicht mal 2.000 Euro brutto verdienen, muss sich niemand wundern, dass Stellen nicht besetzt werden können. Solchen Zuständen ein Ende zu bereiten, ist nicht nur im Interesse der Beschäftigten, sondern auch der pflegebedürftigen Menschen und der Gesellschaft als Ganzes. Die von privaten Konzernen und Finanzinvestoren angeheizte Konkurrenz darf nicht länger über die niedrigsten Löhne ausgetragen werden.

Das gewährleisten nur flächendeckende Mindeststandards, die überall verbindlich gelten – auch in Unternehmen, die sich Tarifverhandlungen verweigern. ver.di will ihren Beitrag dazu leisten. Am 28. September tagte erstmals die Tarifkommission für den Tarifvertrag Altenpflege mit ver.di-Mitgliedern aus kommunalen, freigemeinnützigen, kirchlichen und privaten Pflegeeinrichtungen. Wir wollen zunächst mit den weltlichen Wohlfahrtsunternehmen verhandeln. Ob allgemein verbindliche Standards erreicht werden können, hängt auch von Caritas und Diakonie ab. Wenn sie das wichtige Projekt gemeinsam mit ver.di und den weltlichen Wohlfahrtsverbänden entschlossen vorantreiben, stehen die Chancen gut. Wir stehen dafür bereit. Es geht hier nicht um den »Dritten Weg« kircheninterner Festsetzung von Löhnen und Arbeitsbedingungen. Wir machen dessen Aufgabe nicht zur Bedingung, sondern suchen gemeinsam nach einem gangbaren Weg adäquater Beteiligung der Kirchen. Auch private Arbeitgeber sind herzlich eingeladen, sich zu beteiligen. Ziel ist ein Tarifvertrag, der dann vom Bundesarbeitsministerium auf die gesamte ambulante und stationäre Altenpflege erstreckt werden kann. Ein Ziel, für das sich großer Einsatz lohnt!

*Sylvia Bühler ist Mitglied im ver.di-Bundesvorstand und leitet den Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen.

Erschienen im Kirchen.info Nr. 32

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