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Mitbestimmung in der Ausbildung

JAV-Wahlen

Mitbestimmung in der Ausbildung

JAV-Wahlen unterstützen: Mitbestimmung in der Ausbildung stärken

Auszubildende haben Rechte in ihrer Ausbildung. Diese Rechte zu schützen und für eine gute Ausbildung zu streiten, ist die Aufgabe von Interessenvertretungen im Betrieb. Jugendliche und Auszubildende können als besondere Interessensgruppe sogar eine eigene Interessenvertretung wählen. Die Jugend- und Auszubildendenvertretung, kurz JAV, ist im Mitarbeitervertretungsgesetz (MVG) geregelt und kann gemeinsam mit der MAV die Mitbestimmung für die Auszubildenden sicherstellen. Auszubildende starten meist gerade ihr Berufsleben und wissen noch gar nicht, dass sie solche Möglichkeiten haben. Dafür braucht es unter Umständen Anschubhilfe von der MAV, um zu informieren, zu ermutigen und zu unterstützen.

Sinn und Zweck einer JAV

Eine JAV ist das Sprachrohr der Jugendlichen und Auszubildenden gegenüber der MAV. Sie ist berechtigt, die Interessen und Anregungen der Auszubildenden anzunehmen und zu vertreten. Das erleichtert es für die Auszubildenden und Jugendlichen, die Ausbildungsbedingungen aktiv zu beeinflussen, ohne sich allein auf weiter Flur zu fühlen. JAVen sind für alle Jugendlichen und Auszubildenden ein Vorteil, denn sie können sich über sie aktiv einbringen und mitbestimmen.

Wobei kann die JAV unterstützen?

JAVen nehmen sich vieler Probleme an, vor allem in Bezug auf die Ausbildung. Sie sorgen aber auch dafür, dass für jugendliche Auszubildende Jugend- und Arbeitsschutzbestimmungen eingehalten werden, wie etwa die Einhaltung von Arbeits- und Pausenzeiten. Die Aufgabenbereiche der JAV erstrecken sich darüber hinaus auf die Mitbestimmung von Ausbildungs- und Einsatzplänen oder die Ausbildungsqualität.

Gemeinsam für eine gute Ausbildung

Eine JAV kann dafür sorgen, dass die Ausbildungsqualität für alle gesteigert wird. Interessenvertretungen im Betrieb können sich beispielsweise einmischen, wenn es um die Qualifikation derjenigen geht, die mit der Ausbildung beauftragt sind. Auch zu Umfang und Gestaltung von praktischen Anleitungen können gemeinsam mit dem Arbeitgeber Regelungen abgeschlossen werden, die die praktische Ausbildung verbessern.

Kontrollorgan – gegenüber dem Arbeitgeber

Gerade in Sozial- und Gesundheitsberufen und solchen, die die Versorgung vieler Menschen sicherstellen, ist es wichtig, dass über die Einhaltung von Gesetzen auch zum Schutz der Auszubildenden gewacht wird. So kontrolliert die JAV gemeinsam mit der MAV, dass zum Beispiel Jugendarbeitsschutzgesetz und Arbeitszeitgesetze durch den Arbeitgeber eingehalten werden. Die JAV wacht außerdem gemeinsam mit der MAV über die Einhaltung von Ausbildungs- und Arbeitsverträgen und von weiteren Regelungen zu Lohn- und Arbeitsbedingungen, wie etwa Tarifverträgen.

Voraussetzungen für eine JAV

Im Wesentlichen gibt es zwei Voraussetzungen für die Gründung einer Jugend- und Auszubildendenvertretung: eine Anzahl von mindestens fünf Auszubildenden oder jugendlichen Arbeitnehmer*innen unter 18 Jahren und das Bestehen einer MAV. Um zu wissen, wer alles zu den Auszubildenden oder jungen Arbeitnehmer*innen zählt, ist es wichtig zu beachten, ob sie jeweils einen Ausbildungsvertrag mit dem Betrieb oder Ausbildungsträger abgeschlossen haben.

Schritte zur JAV

  • 1. Kontakt zur Mitarbeitervertretung

    Die erste Anlaufstelle für Interessierte ist die MAV. Sie kann helfen zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die Gründung einer JAV vorhanden sind und wie viele wahlberechtigte Auszubildende und Jugendliche es im Betrieb gibt. Außerdem beschließt die MAV die Zusammensetzung des Wahlvorstandes, der gebildet werden muss. Er legt die für die Wahl wichtigen Daten und Fristen fest und kommuniziert mit dem Arbeitgeber bis zum Abschluss der Wahl. Dies ist formal erforderlich. Zu beachten ist dabei, dass im Wahlvorstand nur aktiv sein kann, wer sich selbst nicht zur Wahl stellen möchte.

  • 2. Schlau machen

    Der Wahlvorstand hat ein Recht darauf, sich für das Organisieren der Wahl schulen zu lassen. Denn es muss rechtlich alles einwandfrei ablaufen – das können die Wenigsten einfach so. Wer im Betrieb wählen darf, was das aktive und passive Wahlrecht ist und was es mit einer konstituierenden Sitzung auf sich hat, ist alles in (meist kurzen) Wahlvorstandsschulungen zu erfahren. Sie sind eine wichtige Grundlage. Danach kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Die Teilnahme an den Schulungen muss der Arbeitgeber zahlen. Es entstehen keine Fehlzeiten in der Ausbildung, denn dafür muss freigestellt werden.

  • 3. Aktive Kolleg*innen finden

    Es gibt zwei wichtige Voraussetzungen für die Wahl: Zum einen gibt es formale Anforderungen, die rechtlich alles absichern und dem MVG entsprechen müssen. Dafür ist der Wahlvorstand verantwortlich. Zum anderen gibt es aber auch eine aktivierende Voraussetzung: Denn es braucht natürlich engagierte Menschen, die mit den Jugendlichen, Auszubildenden und jungen Beschäftigten sprechen und für die Wahl mobilisieren. Das ist von hoher Bedeutung. Manche trauen sich nicht, sich für eine Wahl aufzustellen, obwohl sie dafür sehr gut geeignet wären. Es lohnt sich, aktiv Kolleg*innen zu ermutigen, denen man ein solches Amt zutraut. Das ist ein großer Vertrauenszuspruch, der zurück-
    haltende Kolleg*innen zu einer Kandidatur bewegen kann.

  • 4. Durchstarten!

    Am Tag der Wahl gilt es: Möglichst viele Stimmen der Auszubildenden einsammeln und auszählen. Wenn die JAV gewählt worden ist, kann es losgehen! Als nächstes folgt notwendigerweise die Qualifizierung für die JAV-Arbeit in Grundlagenseminaren, um sich gut zu organisieren und damit die Arbeit für die Interessen der Kolleg*innen in Ausbildung erfolgreich wird.

  • 5. Engagement wird geschützt

    Die JAV ist per Gesetz mit vielen Rechten ausgestattet, um sich für die Interessen der Kolleg*innen einbringen zu können. Das gefällt Arbeitgebern nicht immer und muss es auch gar nicht. Deshalb sind aber Mitglieder ab dem Zeitpunkt ihrer JAV-Kandidatur gesetzlich besonders geschützt.


Gemeinsam mit ver.di

Die Kolleg*innen der ver.di kennen sich mit den rechtlichen Voraussetzungen und der Organisation von JAV-Wahlen gut aus. Sie stehen beratend zur Seite und unterstützen auch über die JAV-Wahl hinaus. Sie informieren oder beraten zu Ausbildungsfragen und Rechten der Auszubildenden.

Viele Kolleg*innen aus JAVen organisieren sich auch in ver.di, um sich zu treffen und sich über ihre Erfahrungen und Probleme auszutauschen und sich mit Rat und Tat gegenseitig zu unterstützen. So entstehen Netzwerke, die der eigenen Interessenvertretung helfen können.

ver.di ist auch eine starke Bildungspartnerin, wenn es um Grundlagenschulungen für die JAV und MAV geht. Dabei gilt das Motto: Handlungsorientiert für die betriebliche Realität stärken. Die Teamenden haben meist selbst praktische Erfahrungen in einer Interessenvertretung gesammelt und sind methodisch zudem sehr gut ausgebildet, um die wichtigen Gesetze mit viel Plan, Spaß und Erfolg zu bearbeiten. Solche arbeitsrechtlichen Seminare werden von JAV und MAV beschlossen und durch den Arbeitgeber gezahlt.

Unser Kontakt für mehr Informationen zu JAV-Wahlen und Ausbildungsthemen: Diana Sgolik, diana.sgolik@verdi.de

 

Erschienen im Kirchen.info Nr. 34

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