Kirchliche Betriebe

Postkartenaktion legt Probleme offen

Diakoniewerk Kropp

Postkartenaktion legt Probleme offen

Beschäftigte im Diakoniewerk Kropp kritisieren Personalmangel, fehlende Wertschätzung und unzulängliche Dienstplanung. Doch ihre Appelle verhallen bislang ungehört.
Postkarte Diakonie Kropp ver.di Postkarte Diakonie Kropp

»Kampf für bessere Bedingungen.« So titelte vor wenigen Tagen die Schleswig-Holstein Zeitung. Der Hintergrund: Wochenlang hatten ver.di-Kolleg*innen Beschäftigte verschiedener Einrichtungen im Unternehmensverbund Diakoniewerk Kropp per Postkarte nach ihrer Meinung gefragt – aufgehängt an der Diakonie-Kampagne »Unerhört«. Diese soll »wachrütteln und zugleich aufzeigen, dass die Diakonie zuhört«. Die Beschäftigten haben mit der Postkartenaktion klar gemacht, dass ihre Arbeitgeberin, die Diakonie, auch ihnen zuhören sollte.

Das Ergebnis der Befragung kann nur als traurig bis skandalös bezeichnet werden: Personalmangel, fehlende Wertschätzung, unzulängliche Dienstplanung – dies sind die Aussagen, die immer auf den Karten niedergeschrieben wurden. Dem Vorstand des Diakonieunternehmensverbunds Kropp sind diese Probleme der insgesamt rund 1.500 Beschäftigten bekannt. Jedenfalls wurden sie von Jörn Engler, Theologischer Vorstand, bei Übergabe der Postkarten nicht bestritten. Vielmehr machte dieser den Versuch, die Verantwortung auf die Politik und die Wettbewerbssituation in der Altenpflege zu schieben. Kein Wort zu den Möglichkeiten, die Lohnungerechtigkeit in einzelnen Häusern durch Tarifverhandlungen mit ver.di anzupacken. In der Diakonie Schleswig Holstein ist mittlerweile bekannt, wie schlecht die Vergütung in einzelnen Kropper Betrieben ist.

Postkartenaktion der Mitarbeiter*innen in der Diakonie Kropp Tim Riediger Postkartenaktion der Mitarbeiter*innen in der Diakonie Kropp

Geradezu ein Treppenwitz ist es, wenn der Personalvorstand Sven Roßmann in der Schleswig-Holstein Zeitung vom 26. November 2019 erklärt er sei »mit ver.di im ständigen Gespräch«. Nur komisch, dass der Verhandlungsführer für den Kirchlichen Tarifvertrag Diakonie (KTD), Arnold Rekittke von ver.di Hamburg, davon nichts weiß. Ebenfalls verwundert die Roßmanns Aussage, »Tarife müssen von den Bewohnern bezahlt werden«. Dabei sind diese von der Pflegekasse zu bezahlen, so steht es im Pflegepersonalstärkungsgesetz. ver.di streitet gemeinsam mit der Diakonie, der Arbeiterwohlfahrt und Angehörigenverbänden dafür, dass die Eigenbeiträge in stationären Einrichtungen gedeckelt werden. Hier sollten alle Teile der Diakonie weiter mit der Gewerkschaft an einem Strang ziehen statt Ausflüchte für Lohndumping zu suchen.

Die Übergabe der Karten mit den Meinungsäußerungen vieler Kolleginnen und Kollegen aus den Kropper Altenpflegeeinrichtungen werfen ein Schlaglicht auf die dramatische Situation dieses Arbeitsfeldes. Es war nicht das erste Mal, dass sich Beschäftigte öffentlich an den Vorstand des Diakonie-Unternehmens gewandt haben. Geändert hat sich an den vielfältigen Problemen bislang jedoch nichts.

Berno Schuckart-Witsch

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