Kirchliche Betriebe

Prekäre Beschäftigung in der Diakonie

Kreuznacher Diakonie

Prekäre Beschäftigung in der Diakonie

Wie Ende September bekannt wurde, plant der Diakonie-Konzern mit insgesamt knapp 1.200 Beschäftigten in Rheinland-Pfalz und im Saarland, die Bereiche Technik und Verwaltung in ein neues »Service-Center« am Stammsitz Bad Kreuznach zu überführen. Acht Kolleg/innen im ehemals städtischen Klinikum und im Fliedner-Krankenhaus im saarländischen Neunkirchen droht die Kündigung. »Wir haben damals vor dem Verkauf an die Diakonie gewarnt«, betont ver.di-Sekretär Michael Quetting. »Die Befürchtungen bestätigen sich jetzt.«

Ende 2015 hatte die Kreuznacher Diakonie knapp 95 Prozent der Anteile am städtischen Klinikum übernommen. Wer gedacht hatte, nun würde christliche Nächstenliebe den Umgang mit den rund 700 Beschäftigten prägen, sieht sich getäuscht. Stattdessen sollen teils langjährige Kolleg/innen, darunter zwei Schwerbehinderte, auf die Straße gesetzt werden. Die Kommunikationschefin der Kreuznacher Diakonie, Kristina Rogoß, erklärte in der Saarbrücker Zeitung, es hätten »mit 23 Mitarbeitenden persönliche Gespräche über einen möglichen Wechsel in das Service-Center der Stiftung zum 1. Januar 2019« stattgefunden. Betriebsbedingte Kündigungen seien möglich, die Gespräche hätten aber unter anderem das Ziel eines vorzeitigen Wechsels in den Ruhestand.

Gewerkschaftssekretär Quetting hält diese Darstellung für verlogen: »Betroffene Kollegen berichten, dass es keine Gespräche gegeben hat. Sie wurden vor die Wahl gestellt, einen Auflösungsvertrag zu unterschreiben oder die Kündigung zu erhalten. Sind das die christlichen Umgangsformen der Kreuznacher Diakonie?« Bei der Mitarbeitervertretung seien bereits acht Kündigungsbegehren eingegangen.

Betroffen von der Zentralisierung und Ausgliederung seien zudem nicht nur die genannten 23 Beschäftigten aus Neunkirchen, sondern alle Standorte des Diakonie-Konzerns. »Das ist eine großflächige Ausgliederung, die aus meiner Sicht nur ein Ziel haben kann: Die Kosten durch geringere Bezahlung und prekäre Arbeitsverhältnisse zu senken«, kritisiert Quetting. Die Zentralisierung gehe auch zu Lasten der anderen Beschäftigten. »Der kurze Weg zum Sachbearbeiter oder zur Technik war einmal. Die Abläufe werden umständlicher und bürokratischer.«

ver.di fordert einen Überleitungstarifvertrag, um die Beschäftigten bei der Umstrukturierung abzusichern. Quetting stellt aber auch grundlegende Fragen: »Wenn es auch die Diakonie nicht hinbekommt, das Krankenhaus Neunkirchen zum Wohle von Patienten und Beschäftigten zu führen, muss man vielleicht über andere Eigentumsformen nachdenken«, sagt der Gewerkschafter. Es könne beispielsweise als Genossenschaft unter der Regie der Beschäftigten selbst betrieben werden. »Schlechter und intransparenter als unter dem aktuellen Betreiber würde es sicher nicht laufen.«

Daniel Behruzi

Erschienen im Kirchen.info Nr. 32

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