Kirchliche Betriebe

Interessengegensatz zeigt sich

Caritas Ost

Interessengegensatz zeigt sich

Weg der Arbeitsrechtlichen Kommission in Frage gestellt

Während in allen arbeitsrechtlichen Kommissionen der Caritas wie üblich die von ver.di verhandelten Tarifabschlüsse des öffentlichen Dienstes in 2018 nachvollzogen worden sind, verweigert sich bei der Caritas Ost die Arbeitgeberseite weiterhin (siehe auch Kirchen.info Nr. 32). Sie lehnen nach wie vor die Einmalzahlung in Höhe von 250 Euro für die unteren Lohngruppen ab, die von der Bundeskommission bereits im Juni beschlossen wurde. Viele zehntausend Caritas-Beschäftigte in den Bundesländern Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und teilweise Thüringen sind davon betroffen. Hinzu kommt, dass die Arbeitgeberseite auch die stufenweise Anhebung der Jahressonderzahlung im Gebiet Ost von bisher 75 Prozent auf hundert Prozent des Gebietes West (Hamburg, Schleswig-Holstein, Westteil Berlin) bis zum Jahr 2022 verhindern will.

Kein Konsens mehr, sondern Überlegenheit

Die Arbeitgeberseite hält die Arbeitnehmer/innen seit dem Sommer 2018 hin. Der vor allem im katholischen Bereich immer noch als probat gelobte Kommissionsweg zur Regelung von Lohn- und Arbeitsbedingungen wird von den Arbeitgebern der Caritas Ost selbst in Frage gestellt. Dieses Gebaren zeigt, dass keine Augenhöhe zwischen Beschäftigten und Arbeitgebern besteht. Wenn Letztere nicht verhandeln wollen, dann tun sie es einfach nicht. Und dann? Seit August 2018 gab es mehrere Sitzungen der Regionalkommission, die die Arbeitgeberseite durch Verlassen der Sitzung gesprengt hat, durch Nichterscheinen oder das Vorschieben von formalen Gründen, wie etwa die angebliche Nichtzuständigkeit der Regionalkommission. Auch ein Vorschlag des Vermittlungsausschusses liegt vor. Doch die Arbeitgeber ignorieren ihren eigenen, kirchlichen Weg. Bei all dem handelt es sich um Manöver, um Zeit zu schinden, Unternehmenshaushalte zum Jahresabschluss zu entlasten, Arbeit nicht zu teuer werden zu lassen, und das alles auf Kosten der Beschäftigten, die täglich ihre Arbeit gut und engagiert tun. Beim letzten Termin der Kommission vor dem Redaktionsschluss scheiterte es erneut an Formalien: Beide Seiten konnten sich nicht auf eine Tagesordnung verständigen. Deshalb fand die Verhandlung gar nicht erst statt. Das System ist eine formale Farce und geht zu Lasten der vielen zehntausend Kolleginnen und Kollegen, die seit nunmehr einem halben Jahr hingehalten und um ihnen zustehende Leistungen gebracht werden.

Durchsetzen statt kollektiv betteln

Bei der Caritas Ost zeigt sich sehr lebendig der klassische Interessengegensatz zwischen Beschäftigten und Arbeitgebern. Das so genannte Konsensprinzip der Kirchen versagt. Eine Lösung für die Beschäftigten der Caritas Ost wäre vorhanden: Statt zeitverzögert und von den Arbeitgebern verschleppt Anpassungen zugestanden zu bekommen, könnten Beschäftigte direkt von den Tarifabschlüssen im öffentlichen Dienst profitieren. Dafür wäre es nötig, sich in ver.di zu organisieren und gemeinsam für einen Tarifvertrag in der Caritas zu kämpfen. Es mag für den einen oder die andere utopisch klingen. Doch letztlich geht es genau darum: Weiterhin kollektiv in einem überformalisierten Verfahren monatelang um das betteln, was die Arbeitgeber vielleicht zugestehen, sofern sie mit den Beschäftigten überhaupt verhandeln. Oder über das mitbestimmen, was den Arbeitnehmer/innen zusteht, Forderungen aufstellen, auf Augenhöhe verhandeln und durchsetzen (können!), falls nötig. Allein die betroffenen Kolleginnen könn(t)en dies entscheiden. Wenn sie denn gefragt und am Tarifgeschehen beteiligt würden. Genau daran fehlt es im System der arbeitsrechtlichen Kommissionen.

Erschienen im Kirchen.info Nr. 33

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Auch im Kirchen.info Nr. 33 erschienen