Kirchliche Betriebe

Rosen im Namen von ver.di

Rosen im Namen von ver.di

Mit pinken, langstieligen Rosen sind sie am Frauentag zu zweit durchs Johanniter-Krankenhaus in Stendal (Sachsen-Anhalt) gezogen – und haben deutlich gemacht: Gewerkschaftsarbeit ist auch in kirchlichen Einrichtungen möglich. »Die Kolleginnen haben sich wirklich richtig doll gefreut«, berichtet Krankenschwester Edda Busse, Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, die aber am 8. März 2019 offiziell frei hatte und explizit im Namen von ver.di unterwegs war. Der Arbeitgeber wollte verhindern, dass die Gewerkschafterinnen durchs Haus zogen. Doch davon ließen sich Edda und Heidi nicht abschrecken. Insgesamt verteilten sie 300 Blumen und etliche Aufkleber. Auf ihrer Runde besuchten sie alle Abteilungen und Stationen. »Die Kolleginnen waren richtig gerührt, dass jemand an sie gedacht hat«, sagt die 49-Jährige. »Die Aktion hat toll eingeschlagen.«

v.l.n.r.: Heidi Böhm, Edda Busse ver.di v.l.n.r.: Heidi Böhm, Edda Busse

Die Idee dazu war vor einigen Wochen auf einem ver.di-Aktiventreffen der Diakonie Mitteldeutschland entstanden. Dabei überlegten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, welche Termine sich übers Jahr für Aktionen vor Ort anbieten. »Für uns stand sofort fest, dass wir gerne am Frauentag unseren Kolleginnen ein paar Blümchen überreichen wollten – als Zeichen der Wertschätzung«, sagt Edda. Gerade in Krankenhäusern sei Frauenpower angesagt, dreiviertel der Beschäftigen seien weiblich. Der zuständige Gewerkschaftssekretär steuerte Geld dafür bei. In einer Mail informierten die beiden Kolleginnen die Geschäftsleitung über die geplante Aktion am Frauentag. Doch der Geschäftsführer war der Meinung, die Gewerkschaft habe in einem christlichen Krankenhaus nichts zu suchen. Edda und Heidi hielten kurz Rücksprache mit ihrem Rechtsbeistand – und zogen in ihrer Freizeit los, in grünen ver.di-Shirts, bepackt mit Rosen. »Wir haben darauf geachtet, dass wir niemand von der Arbeit abhalten.«

Die beiden Kolleginnen entschieden sich dafür, das Risiko einzugehen. Schließlich – das machten sie auf ihrer Tour durchs Krankenhaus gegenüber ihren Kolleginnen und Kollegen sehr deutlich – darf die Gewerkschaft auch in kirchlichen Einrichtungen aktiv werden. »Auch für uns gilt das Grundgesetz!« Die Aktion habe richtig großen Spaß gemacht. Viele Beschäftigte hätten ihr Unverständnis über die Reaktion der Geschäftsleitung geäußert, so Edda, und sich die Aufkleber von ver.di zum Frauentag direkt auf ihren Kittel oder Block geklebt. Weitere Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen in Stendal sollen folgen. Im nächsten Schritt wollen die Gewerkschafterinnen alle Mitglieder zu einem Treffen einladen. Dabei wollen sie die nächste Aktion planen – zum Tag der Pflege, am 12. Mai 2019. Doch nicht nur: »Vielleicht können wir ja auch eine Betriebsgruppe auf die Beine stellen. Das wäre unser Ziel.«

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