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Ultimatum bringt erste Verbesserungen

Agaplesion

Ultimatum bringt erste Verbesserungen

Seit dem Sommer vergangenen Jahres streiten die Pflegekräfte der unfallchirurgischen Station 3 des Agaplesion Diakonieklinikums Rotenburg für bessere Arbeitsbedingungen. Angesichts unerträglicher Zustände hatten sie ihrer Geschäftsleitung im August 2020 ein Ultimatum gestellt: Sollte sich nichts ändern, springen die Kolleg*innen nicht mehr aus ihrer Freizeit ein, Teilzeitkräfte verweigern Mehrarbeit (siehe Kirchen.info Nr. 36). Da die Klinikleitung zu ernsthaften Gesprächen bereit war, setzte das Team das Ultimatum erstmal nur teilweise in Kraft. Als sich wenig bewegte – das Einzige, was von den Versprechungen auf der Station zunächst ankam, waren zwei zusätzliche Thermometer – wurde das Ultimatum im November »scharf geschaltet«. Das wirkte: Seither hat das Management eine Reihe von Maßnahmen umgesetzt, die den Stationsalltag deutlich erleichtern. Doch grundlegende Verbesserungen stehen weiterhin aus.

»Bei den Gesprächen wurde deutlich, dass auch im Kleinen vieles im Argen lag«, berichtet der Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, Torsten Rathje. Es fehlte an funktionstüchtigem W-Lan, an einem zweiten IT-Arbeitsplatz und an einer verlässlichen Arbeitsorganisation. »Das waren zum Teil ganz banale Sachen, aber die Beschwerden darüber wurden vorher einfach nicht ernst genommen«, erklärt Rathje. »Mit dem Scharfschalten des Ultimatums hat sich das geändert, seither tut sich was.« So wurden auf der Station Umbauten vorgenommen und technische Geräte angeschafft, um die Abläufe zu verbessern. Die bisherige »Arbeit auf Zuruf« – die für die Pflegekräfte eine erhebliche Belastung darstellt – soll durch eine Geschäftsordnung über die Zusammenarbeit von ärztlichem und pflegerischem Dienst beendet werden.

»So wichtig diese Maßnahmen sind, klar ist: Sie alleine reichen nicht, es muss mehr Personal her«, betont Rathje. »Die Klinikleitung hat dafür auch einiges getan.« So schaltete sie gemeinsam mit dem Team eine Anzeige, wodurch immerhin einige neue Kolleg*innen gewonnen werden konnten. Zudem wurden zeitweise deutlich mehr Leasingkräfte eingesetzt, um die enorme Arbeitsbelastung zumindest kurzfristig zu reduzieren. »Auch wenn Arbeitnehmerüberlassung nicht die Lösung ist, konnten die Leute so wenigstens mal kurz Luft holen«, sagt der Mitarbeitervertreter. Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten wurde die Zahl der Leasingkräfte zuletzt allerdings wieder reduziert. »Das zeigt: Wir müssen dranbleiben. Es ist eine lange Auseinandersetzung und die größten Brocken stehen uns noch bevor.«

Knackpunkt ist die Dienstplangestaltung. »Das Team fordert verlässliche Dienstpläne, feste Pausen und jedes zweite Wochenende frei – und es muss Konsequenzen geben, wenn die vereinbarte Besetzung nicht eingehalten wird«, erläutert der für das Diakonieklinikum zuständige ver.di-Sekretär Jörn Bracker. Er verweist auf die Vereinbarungen zur Entlastung, die ver.di in bundesweit 17 Krankenhäusern durchgesetzt hat. Nach deren Vorbild könne auch die Rotenburger Belegschaft entlastet werden. »Denn die Station 3 ist natürlich nicht das einzige überlastete Team. Auch andere Stationen wollen sich nun auf den Weg machen, kollektiv Verbesserungen einzufordern. Am besten wäre natürlich eine Vereinbarung fürs ganze Haus«, betont Bracker.

In einzelnen Aspekten haben die Beschäftigten anderer Bereiche bereits vom Kampf der Station 3 profitiert. So haben alle Pflegekräfte beim Ausfallmanagement mehr Wahlmöglichkeiten erhalten. »Das ist eine Folge der durch das Ultimatum angestoßenen Diskussionen und auch der Berichterstattung in den Medien«, ist der Mitarbeitervertreter Rathje überzeugt. »Eine Entlastungs-Vereinbarung für alle würde die Attraktivität des Diakonieklinikums als Arbeitgeber deutlich erhöhen. Das bleibt unser Ziel.«

Daniel Behruzi

Dieser Artikel ist im Kirchen.info Nr. 37 erschienen.

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