Behindertenhilfe

Sicher und gesund in der Behindertenhilfe

Sicher und gesund in der Behindertenhilfe

Was bewegt die Behindertenhilfe? – diese und weitere Fragen rund um aktuelle Entwicklungen in der Behindertenhilfe von Digitalisierung bis hin zur psychischen Belastung diskutierten die Teilnehmenden des BGW Forums „Sicher und gesund in der Behindertenhilfe“. Das Forum fand vom 6. bis 8. September als Hybrid-Veranstaltung in Hamburg statt. ver.di war auf verschiedenen Podien der Veranstaltung der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) vertreten und brachte die Perspektive der Gewerkschaft mit ein.

Auf dem Symposium „Die Corona-Pandemie und die Behindertenhilfe – Rückblick und Ausblick“ diskutierten die Teilnehmer*innen, wie die Einrichtungen und Dienste in der Behindertenhilfe bislang durch die Pandemie gekommen sind. Die Botschaft von Christine Rapp, Betriebsratsvorsitzende von Leben mit Behinderung in Hamburg und Sprecherin der Bundesfachkommission Behindertenhilfe, Teilhabe- und Inklusionsdienste war klar: „Mitbestimmt geht’s besser.“ Dort, wo Mitbestimmung und Arbeits- und Gesundheitsschutz bereits vor der Corona-Krise gut funktionierten, klappe es auch unter den Bedingungen der Pandemie relativ gut. So hat beispielsweise beim Träger „Leben mit Behinderung“ der Betriebsrat seit dem ersten Tag aktiv im Krisenstab mitgearbeitet. Viele Beschäftigte im Wohnbereich hätten es zudem als Ausdruck fehlender Anerkennung empfunden, dass sie keine Corona-Prämie erhalten haben. „Hier geht es einfach auch um finanzielle Anerkennung Geld“, so Rapp.

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Das Eröffnungsplenum behandelte Fragen der Digitalisierung in der Behindertenhilfe. Diese war vorher schwach ausgeprägt, habe sich aber in der Pandemie beschleunigt: Häufig jedoch vollkommen unkontrolliert und ohne Einbeziehung der betrieblichen Interessenvertretungen. Hier müsse jetzt nachgearbeitet werden, so Sarah Bormann, zuständige Gewerkschaftssekretärin für die Behindertenhilfe auf der Bundesebene. Des Weiteren betonte sie, dass die psychische Belastung im Arbeitsfeld sehr hoch sei, was vielfältige Ursachen habe.  Die Pandemie wirke hier wie ein Brennglas. In der Schulassistenz seien zum Beispiel prekäre Arbeitsverhältnisse weit verbreitet: „Die Bezahlung ist mies und viele Beschäftigte haben befristete Verträge. In anderen Bereichen ist es vor allem der Mangel an Personal, der zu Arbeitshetze und Stress führt. Das gemeinsame Ziel einer Inklusion kann nur gelingen, wenn wir ausreichend gut bezahltes und qualifiziertes Personal haben. Und hier muss man bereits bei der Ausbildung ansetzen.“

Die Reform der Ausbildung in den Sozialen Berufen war dann auch das Thema von Hanna Stellwag, die für ver.di Bereich Berufspolitik zu sozialen Berufen arbeitet. Sie stellte im Plenum „Bildung und Beruf“ Ergebnisse einer ver.di Befragung unter angehenden Heilerziehungspfleger*innen zur aktuellen Situation in der Ausbildung vor. Die Herausforderungen sind groß und eine Reform der Ausbildung überfällig. Aus den Ergebnissen hat ver.di ein Diskussionspapier zu Anforderungen an eine Reform der Ausbildung zur Heilerziehungspflege entwickelt. Diese müsse vor allem kostenfrei, vergütet und bundeseinheitlich geregelt sein. Zudem müsse die Qualität der Ausbildung deutlich verbessert werden und die praktische Ausbildung sowie die Verzahnung von Theorie und Praxis nachhaltig gestärkt werden.  

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Die BGW hat auf dem Forum drei Berichte vorgestellt. Der Bericht „Coronapandemie rückt Inklusionshürden wieder ins Bewusstsein“ liefert einen Überblick über Beschäftigungslage und berufliche Gesundheit der Beschäftigten. Der Bericht kommt zum Schluss: „Die Zahl der Beschäftigten in der Behindertenhilfe ist in den letzten Jahren angestiegen ist, die Zahl der offenen Stellen aber noch schneller. Als Konsequenz daraus ist ein Fachkräftemangel entstanden, wie er auch in der Alten- und Krankenpflege zu beobachten ist. Im Unterschied zu diesen beiden Sozialberufen ist der Mangel an Fachpersonal in der Behindertenhilfe den Medien aber bislang kaum eine Schlagzeile wert.“

Für den Trendbericht „Digitale Technologien sind unterschiedlich stark verbreitet“ untersuchte die BGW den Grad der Digitalisierung in Werkstätten, Inklusionsbetrieben und Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation und wie dies den Berufsalltag von Werkstattbeschäftigten und Fachkräften verändert.

Im Bericht „Die Coronapandemie in der Behindertenhilfe“ geht es vor allem um die Auswirkungen der Pandemie auf Menschen mit Behinderung.

Die zentralen Aufgaben der BGW sind es, Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten zu verhüten und die betroffenen Beschäftigten in Kirchen, Wohlfahrtsverbänden und privaten Trägern im Gesundheits- und Sozialwesen mit geeigneten Mitteln zu unterstützen. In der BGW wirken über die Selbstverwaltung ehrenamtliche Gewerkschafter*innen der ver.di mit.

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