Altenpflege

Mehr als Taschengeld

Altenpflege

Mehr als Taschengeld

Tariflöhne rauf und Eigenanteile runter. Gemeinsamer Altenpflege-Aktionstag von Beschäftigten und pflegebedürftigen Menschen am 20. November.
Illustration Pflegekräfte und pflegebedürftige Menschen, die in leere Portemonnaies gucken tom Damit mehr bleibt als ein Taschengeld... Löhne rauf, Eigenanteile runter

ver.di ruft auf zu Aktionen für einen flächendeckenden Tarifvertrag in der Altenpflege und die Begrenzung der Eigenanteile für pflegebedürftige Menschen in Altenpflegeheimen. Wir brauchen die Pflegevollversicherung für alle!

Wann? Am Buß- und Bettag, Mittwoch, den 20. November 2019

 

Es ist längst überfällig: Die Arbeitsbedingungen und Löhne bei allen Anbietern stationärer und ambulanter Pflege müssen endlich auf ein anständiges Niveau gehoben werden – und das ohne die Pflegebedürftigen finanziell zu überlasten. Pflegebedürftigkeit darf nicht arm machen! Wir wollen aktiv werden, um unseren Forderungen Gehör zu verschaffen und um die Pflegebedürftigen und unsere Kolleg*innen in bisher nicht tarifgebundenen Einrichtungen und Diensten solidarisch zu unterstützen! Wir werden aktiv für:

  • Gute Arbeitsbedingungen und eine anständige Bezahlung nach Tarifvertrag
  • Einen flächendeckenden Tarifvertrag über Mindestbeschäftigungsbedingungen in der Altenpflege, der für die gesamte Altenpflege gilt! Unsere bestehenden guten Tarifverträge bleiben davon unangetastet.
  • Derzeit führt jede Verbesserung für das Personal zu steigenden Eigenanteilen für die Bewohner*innen. Damit muss Schluss sein! Wir brauchen einen Systemwechsel! Zunächst müssen die Eigenanteile für die pflegebedürftigen Menschen begrenzt werden.
  • Wir fordern eine Pflegebürgervollversicherung, in die alle Bürger*innen entsprechend ihres Einkommens einzahlen

Am 20. November 2019 (Buß- und Bettag) machen wir gemeinsam unsere Forderungen für die Altenpflege deutlich. In vielen Einrichtungen veranstalten wir kreative Aktionen unter dem Motto: „…damit für alle mehr bleibt als ein Taschengeld!“.

  • Beteiligt Euch in Euren Einrichtungen vor Ort an den lokalen Aktionen am 20. November 2019!
  • Organisiert Betriebsversammlungen, Begehungen, aktive Mittagspausen mit Aktionen vor den Einrichtungen, lokale Demonstrationen, schreibt Eurer lokalen Presse
  • Bindet Bewohner*innen und Angehörige in eure Aktion ein
  • Schickt Eure Fotos der Aktionen an gesundheit-soziales@verdi.de und teilt fleißig in den sozialen Medien („Altenpflege in Bewegung“). Schickt uns nur Fotos, wenn alle Abgebildeten mit der Veröffentlichung einverstanden sind.
  • Ein Flugblatt, Aktionsmaterial (u.a. „großer Geldschein Tariflohn“, „kleiner Geldschein Eigenanteil“) als Druckvorlage und weitere Informationen findet ihr auf dieser Seite und auf Facebook unter „Altenpflege in Bewegung“

Gut zu wissen

Für einen flächendeckenden Tarifvertrag über Mindestbedingungen in der Altenpflege

Die Pflege und Versorgung von Menschen erfordert ein hohes Maß an Professionalität, Engagement und Verantwortung, und das muss sich auch in der Bezahlung widerspiegeln. Sicherheit und Schutz für gute Arbeitsbedingungen und eine faire Bezahlung bietet nur ein Tarifvertrag.

Doch insbesondere kommerzielle Anbieter wollen keine Tarifverträge. Ihr Marktanteil wächst stetig. Im stationären Bereich werden 43 Prozent, im ambulanten zwei Drittel aller Einrichtungen bzw. Dienste kommerziell betrieben. Deshalb sind große Teile der Beschäftigten nicht durch Tarifverträge geschützt. Ihre Bezahlung ist wesentlich geringer, die Arbeitsbedingungen sind spürbar schlechter. Oft verdienen examinierte Altenpfleger*innen kaum mehr als 2.000 Euro brutto pro Monat – in Vollzeit! Weil die Arbeitsbedingungen so schwierig sind, flüchten viele Kolleg*innen in Teilzeit. Deutlich mehr als die Hälfte der Kolleginnen und Kollegen in der Altenpflege arbeiten in Teilzeit. Am Ende bleibt für viele kaum mehr als ein Taschengeld. Das muss sich ändern!

Gemeinsam mit ihrer Gewerkschaft ver.di organisieren sich Beschäftigte und verbessern so ihre Arbeitsbedingungen. Doch angesichts des Widerstands vieler Arbeitgeber gegen Tarifverträge und wegen der hohen Zahl von 14.500 stationären Einrichtungen und fast ebenso vielen ambulanten Pflegediensten kann der Weg zur Aufwertung und Entlastung der Beschäftigten in der Altenpflege nicht allein über Haustarifverträge führen.

ver.di hat das Ziel, noch in diesem Jahr in einem flächendeckenden Tarifvertrag abzuschließen! Per Verordnung kann der Bundesarbeitsminister diesen Tarifvertrag dann auf die gesamte Altenpflege erstrecken. Alle für die Beschäftigten günstigeren Tarifvereinbarungen bleiben vollständig erhalten. Neue Tarifverträge können die Mindestbedingungen jederzeit verbessern.

Pflegebedürftigkeit darf kein Armutsrisiko sein. Aber wer soll dann bezahlen?

Klar ist: Genug Personal, eine angemessene Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen dürfen nicht zu Lasten der pflegebedürftigen Menschen und ihre Angehörigen gehen. Die Pflegeversicherung ist chronisch unterfinanziert. Die Folge sind rasant steigende Eigenanteile. So kostet ein Pflegeheimplatz derzeit durchschnittlich 1.890 Euro, viel zu viel für viele Pflegebedürftige! Um diese Situation zu beenden, braucht es einen Systemwechsel. In einem ersten Schritt müssen die Eigenanteile der pflegebedürftigen Menschen begrenzt werden. Langfristig muss eine Pflegebürgervollversicherung die gesamten Kosten einer bedarfsgerechten Pflege abdecken. Die Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die solidarisch im Rahmen einer Bürgerversicherung gelöst werden muss. Damit auch für die pflegebedürftigen Menschen mehr bleibt als ein Taschengeld!

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