Altenpflege

So geht’s

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So geht’s

Beschäftigte von Pflegeeinrichtungen in Riesa, Bautzen, Chemnitz und Maintal haben Tarifverträge erkämpft. Die Beispiele zeigen: Wenn sich Alten­pfleger*innen für ihre Interessen organisieren, können sie Verbesserungen durchsetzen.
Beschäftigte halten Buchstaben hoch: "Tarifvertrag - Jetzt" ver.di Beschäftigte der Heim gGmbH in Chemnitz demonstrieren für einen Tarifvertrag – mit Erfolg.

Vitanas Riesa und Bautzen

Die Pflegefachkraft Melanie Hartung von Vitanas im sächsischen Riesa hätte sich ein schnelleres Ergebnis gewünscht. »Dass es Jahre dauern würde, einen Tarifvertrag zu erreichen, hätten wir nicht gedacht«, sagt die 38-Jährige, die sich seit 2016 in ver.di engagiert. Aber jetzt ist es endlich geschafft: Der neue Tarifvertrag bringt Pflegefachkräften monatlich 150 bis 400 Euro mehr Geld. Das Grundgehalt von Therapeut*innen steigt um 200 bis 340 Euro. Auch Auszubildende und Hilfskräfte profitieren von der Anfang 2020 in Kraft getretenen Vereinbarung, die zudem höhere Zuschläge und weitere Verbesserungen vorsieht.

Unter den Kolleg*innen sei »ganz viel Aufklärung« nötig gewesen, berichtet Hartung. Anfangs waren nur eine Handvoll Beschäftigter in ver.di organisiert, jetzt sind es sowohl in Riesa als auch in Bautzen über 50 Prozent. Mehrfach brachten sie den Tarifkonflikt in die Medien und erreichten so, dass der kommerzielle Pflegeheimbetreiber seine Verzögerungstaktik aufgab. Für Hartung ist die Schlussfolgerung klar: »Angesichts der Arbeitsmarktlage können wir in der Altenpflege gerade jetzt etwas bewegen.«

Heim gGmbH Chemnitz

Lange Zeit hatte die Heim gGmbH im sächsischen Chemnitz die Aufforderung zu Tarifverhandlungen schlicht ignoriert. Erst als sich immer mehr Beschäftigte in ver.di organisierten und einen Streik vorbereiteten, lenkte das vom örtlichen Klinikum und der Stadt getragene Unternehmen ein. »Wir haben ganz viel gemacht, von Plakat- und Button-Aktionen bis hin zu einer Kundgebung vor dem Rathaus«, blickt die Pflegefachkraft Melanie Hentschel zurück. »Die Zahl der ver.di-Mitglieder stieg von 55 auf über 200. Das hat sich ausgezahlt.«

Bereits im Dezember 2017 schlossen beide Seiten einen Vorschalt-Tarifvertrag, mit dem unter anderem die Grundvergütung um elf Prozent erhöht wurde. Anfang 2019 gab es nochmal acht bis zehn Prozent für alle mehr. Seit diesem Jahr gilt nun der gesamte Tarifvertrag, der allerdings immer noch rund 15 Prozent unter dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) liegt. »Wir haben schon viel erreicht«, sagt Hentschel. »Und im kommenden Jahr finden die nächsten Entgeltverhandlungen statt. Dann wollen wir weiter an den TVöD ran.«

DRK-Seniorenzentren Maintal

Im strömenden Regen gingen die Beschäftigten der DRK-Seniorenzentren Kleeblatt im hessischen Maintal im Mai 2019 auf die Straße. Das brachte den Durchbruch. Durch den erfolgreichen Warnstreik wurde die Öffentlichkeit auf den Tarifkonflikt aufmerksam. Die lokale Politik schaltete sich ein. Die Leitung des Pflegeheims gab ihren Widerstand auf und machte erste konkrete Tarifangebote. Nun gibt es ein Verhandlungsergebnis: Die Lohnlücke von bis zu 20 Prozent zum DRK-Reformtarifvertrag wird ab Juni 2020 schrittweise geschlossen. Ab Juni 2021 bekommen alle Berufsgruppen dessen Tabellenentgelte, im Juni 2024 gilt der Flächentarifvertrag vollständig – inklusive einer Absenkung der Wochenarbeitszeit von 40 auf 39 Stunden. »Der gemeinsame Kampf für bessere Arbeits- und Lohnbedingungen hat sich gelohnt«, bilanziert ver.di-Sekretärin Anette Hergl.

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