Altenpflege

Unser Druck wirkt

Infopost Altenpflege

Unser Druck wirkt

Neuer Pflegemindestlohn bringt Verbesserungen in der Altenhilfe. Mehr Urlaub, Ost-West-Angleichung und Ausweitung auf Fachkräfte erreicht. Ein Kommentar von Sylvia Bühler.
Sylvia Bühler redet shift/studio für verdi Sylvia Bühler bei der Altenpflegetagung 2019

In der letzten Pflegekommission 2017 haben die Arbeitgeber noch einen Mindestlohn für Pflegefachkräfte, zusätzliche Urlaubstage und die Ost-West-Angleichung blockiert. Doch angesichts der öffentlichen Debatten und vieler Aktionen konnten sie sich den ver.di-Forderungen dieses Mal nicht verschließen.

Auch die Ende Januar in der Kommission gefundene Einigung ist ein Kompromiss. Aber die Verbesserungen können sich sehen lassen. Was wir in der Kommission erreicht haben, wird die Situation von Altenpfleger*innen insbesondere bei kommerziellen Trägern und in Ostdeutschland verbessern. 2021 gelten in Ost und West endlich die gleichen Mindestlöhne. Der Mindestlohn für ungelernte Pflegehilfskräfte steigt bis 2022 schrittweise um 16 (Ost) bzw. 11 Prozent (West) auf 12,55 Euro pro Stunde. Pflegekräfte mit ein- bzw. zweijähriger Ausbildung erhalten 22 (Ost) bzw. 16 Prozent (West) mehr und kommen 2022 auf 13,20 Euro pro Stunde. Ab Juli 2021 gilt erstmals ein Mindestlohn für dreijährig ausgebildete Fachkräfte von zunächst 15 Euro pro Stunde. Im April 2022 steigt er auf 15,40 Euro. Hinzu kommt ein Urlaubsanspruch für alle von 25 bzw. 26 Tagen im Jahr. Gesetzlich sind lediglich 20 Tage gesichert.

Mit einem Stundenlohn von 15,40 Euro kommt eine Pflegefachkraft mit einer 40-Stunden-Woche auf ein Grundentgelt von 2.678 Euro im Monat. Das ist für diese verantwortungsvolle und fordernde Tätigkeit noch lange nicht angemessen. Aber angesichts der miserablen Bezahlung vor allem in vielen kommerziellen Einrichtungen ist es ein Schritt in die richtige Richtung. Dass wir damit das Leben vieler Pflegekräfte verbessern, ist ein Grund zur Freude. Ein Anlass, sich zurückzulehnen, ist es nicht. Im Gegenteil. Denn unser Einsatz zeigt erste Erfolge.

Das ist eine Motivation für die Beschäftigten in der Altenpflege, weiter für bessere Bedingungen zu streiten. Wenn sie sich engagieren und gewerkschaftlich organisieren, können sie gute Tarifverträge durchsetzen. Damit die Arbeit in der Altenpflege tatsächlich aufgewertet wird – für alle Beschäftigten, auch außerhalb der Pflege.

Sylvia Bühler ist Mitglied im ver.di-Bundesvorstand und leitet den Fachbereich Gesundheit und Soziale Dienste

  • 1 / 3

Weiterlesen