Altenpflege

Solidarität gewinnt

Korian Lüneburg

Solidarität gewinnt

Kein Betriebsrat, kein Tarif­vertrag und schlechte Bedin­gun­gen – so war die Situation im Lüne­burger Christinenhof noch vor wenigen Jahren. Die Be­schäftig­ten der zum Korian-Konzern gehörenden Pflege­einrich­tung haben das binnen kurzer Zeit geändert.

Kolleg*innen von Korian in Lüneburg zeigen ihren Unmut über die Bedingungen in der Altenpflege. Mit dieser kämpferischen Haltung haben sie deutliche Lohnerhöhungen durchgesetzt. ver.di Kolleg*innen von Korian in Lüneburg

Zunächst gründeten sie vor gut vier Jahren einen Betriebsrat. »Doch wir haben gesehen, dass das nicht reicht. Wenn wir die Löhne und Arbeitsbedingungen wirklich verändern wollen, brauchen wir die Gewerkschaft und einen Tarifver­trag«, erklärt der examinierte Altenpfleger Bernd Neuwirth, der seit über 18 Jahren im Christinenhof arbeitet. Ende 2020 traten er und viele seiner Kolleg*innen ver.di bei, so dass mittlerweile etwa die Hälfte der 70-köpfigen Belegschaft organisiert ist. Das und die Bereitschaft, wenn nötig mit Aktionen Druck zu machen, hat sich ausgezahlt: Ab Juli gilt ein neuer Entgelttarifvertrag, mit dem die Löhne schrittweise um bis zu 30 Prozent angehoben werden.

Für Pflegefachkräfte wie ihn habe es wegen der Arbeitsmarktlage auch bislang immer wieder mal mehr Geld gegeben, berichtet Neuwirth. Hilfs­kräfte würden hingegen mit dem Pflegemindestlohn abgespeist. »Das wollten wir ändern«, sagt der stellvertretende Wohnbereichsleiter. »Denn ohne diese Kolleginnen läuft nichts, sie halten uns den Rücken frei.« Dass die Fachkräfte nicht nur für sich, sondern auch für ihre weniger qualifizierten Kolleg*innen aktiv werden, beeindruckt den ver.di-Sekretär Robert Kirschner sehr. »Es ist schon toll, zu sehen, wie sich Kollegen solidarisch füreinander einsetzen. Davon haben letztlich alle etwas.«

So ist es auch im nun erzielten Tarif­vertrag. Bei Fach- und Hilfskräften – aber auch in der Verwaltung, die der Arbeitgeber zunächst außen vor lassen wollte – werden die Gehälter schrittweise um zum Teil mehrere hundert Euro angehoben. Bis Mitte 2023 sollen alle entsprechend einer neu eingeführten Entgelttabelle eingruppiert sein, die langjährige Beschäftigte erstmals besserstellt. Fachkräfte werden dann in etwa wie im aktuellen Tarif­vertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) bezahlt, Hilfskräfte noch deutlich unter diesem Niveau. »Der Entgelttarifvertrag ist ein erster wichtiger Schritt, der deutliche Verbesse­rungen bringt«, bilanziert Neuwirth. Als nächstes soll über einen Mantel­tarifvertrag mit Regelun­gen zu Arbeitszeiten, Zulagen etc. verhandelt werden. »Ganz klar: Wir machen weiter. Denn Solidarität gewinnt.«

Dieser Artikel ist in der Infopost Altenpflege Nr. 15 erschienen.

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