Altenpflege

TVöD zum Neujahr

TVöD zum Neujahr

Domus Cura: Gut organisiert und erfolgreich


Im Pflegezentrum der baden-württembergischen Gemeinde Hüffenhardt herrschen ab dem 1. Januar 2022 wieder ­geordnete Verhältnisse.

2020 war das bis dahin zum örtlichen Klinikum gehörende 133-Betten-Haus von dem privaten Träger Domus Cura übernommen worden – der Neuein­ge­stellte nicht mehr nach dem Tarif­vertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) entlohnte, sondern nach eige­nen Regeln. Je nach Beschäfti­gungs­dauer liegen die Gehälter zum Teil um mehrere tausend Euro jährlich unter dem Flächentarifvertrag. Ab Neujahr ist damit Schluss. ver.di hat einen Anwendungstarifvertrag zum TVöD geschlossen, und dabei sogar noch weitere Verbesserungen durchgesetzt.

»Schon vor dem Verkauf haben wir dem neuen Eigentümer klargemacht: Die Beschäftigten wollen den TVöD und sind bereit, sich dafür zu engagieren«, berichtet der ver.di-Verhand­lungsführer Arne Gailing. Im Zuge der Diskussionen über eine Privatisierung hatte sich die große Mehrheit der etwa 100 Beschäftigten dafür entschieden, ver.di beizutreten. Mit einem gewerkschaftlichen Organi­sationsgrad von über 70 Pro­zent, einer gut besuchten Betriebs­ver­samm­lung und einer aktiven Mit­tagspause vor dem Betrieb machten sie dem Arbeitgeber klar, dass sie die Tarifflucht nicht hinnehmen werden.

Das auf dieser Grundlage erzielte Tarifergebnis geht in Teilen noch über den TVöD hinaus. So wird zusätzlich zur Jahressonderzahlung ein Urlaubs­geld von 500 Euro gezahlt, unabhängig vom Beschäftigungs­umfang. Fürs freiwillige Einspringen außerhalb des Dienstplans gibt es eine Prämie von 50 Euro. Einziger Wermuts­tropfen ist, dass der Anspruchs­zeit­raum für den Kranken­geldzuschuss gegenüber dem TVöD verkürzt ist. »Das ist nicht schön, wird aber durch die anderen Ver­besse­rungen ausgeglichen«, meint der Gewerkschafter. Gailings Fazit: »Der Tarifvertrag in Hüffenhardt zeigt, was gut organisierte Belegschaften und eine starke Interessensvertretung auch in der Altenpflege erreichen können.«

Dieser Artikel ist in der Infopost Altenpflege Nr. 16 erschienen.

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