Altenpflege

Wegweisender Abschluss

Wegweisender Abschluss

Tarifeinigung bei PFLEGEN & WOHNEN in Hamburg


Die rund 2.000 Beschäftigten des Pflegeheimbetreibers PFLEGEN & WOHNEN HAMBURG ­hatten etwas nachzuholen. Das haben sie geschafft.

In der Tarifrunde vor zwei Jahren erreichte ver.di zwar die Zusammen­führung von zwei unterschiedlichen Entgelttabellen – ein Erbe der Aus­einandersetzungen nach der Privati­sierung 2007. Das war wichtig, um die Ungleichbehandlung innerhalb der Belegschaft zu überwinden, hatte aber den Preis, dass die Ent­gelte für einen Teil der Beschäftigten 2020 und 2021 nicht so stark zulegten. »Deshalb hatten wir jetzt den klaren Auftrag der Kolleginnen und Kollegen, deutliche Gehaltsverbesse­rungen durchzusetzen«, erklärt die Altenpflegerin Karin Jacobsen, die sich als Betriebsratsvorsitzende und in der ver.di-Tarifkommission engagiert. »Das ist uns gelungen.«

»Ein Ausschlaftag im Monat – das ist für die betroffenen Beschäf­tigten eine wirkliche Entlas­tung.«

Karin Jacobsen, Altenpflegerin

Monatlich ein Ausschlaftag

Laut der am 20. Oktober erzielten Tarifeinigung steigen die Tabellen­entgelte ab 1. Januar 2022 um 4,0 Prozent und ab Januar 2023 um weitere 3,6 Prozent, bei einer Lauf­zeit von zwei Jahren. Doch nicht nur bei der Bezahlung sei die Vereinba­rung für die Altenpflege »wegweisend«, findet Jacobsen. Besonders wichtig sei vielen Kolleg*innen auch, dass die Zahl zusätzlicher Urlaubs­tage bei Nacht- und Wechselschicht­arbeit steigt. Bislang gibt es ab 80 Stunden Nachtdienst einen zusätzlichen freien Tag. Von 2023 an ist das schon bei 60 Nachtstunden der Fall. War der Zusatzurlaub bisher auf jährlich acht Tage gedeckelt, können in Zukunft bis zu zwölf Tage zusammenkommen. »Ein Ausschlaftag im Monat – das ist für die betroffenen Beschäf­tigten eine wirkliche Entlas­tung«, bilanziert Jacobsen. Zugleich stellt sie klar: »Auch diejenigen, die nicht nachts arbeiten, sind stark belastet. Deshalb werden wir weiter fordern, dass die Arbeitszeiten für alle reduziert werden.« Das sei in dieser Tarifrunde allerdings nicht durchsetzbar gewesen.

Der ver.di-Verhandlungsführer Arnold Rekittke führt das auch auf den Einfluss des Eigentümers Deutsche Wohnen zurück, der seit 2019 bei dem Hamburger Pflegeheimbetreiber das Sagen hat. »Die Konzernvertreter haben die Forderung nach kürzeren Arbeitszeiten rigoros abgelehnt«, ­kritisiert Rekittke und betont, die Gewerkschaft werde an dem Thema dranbleiben. »Der Tarifvertrag bei PFLEGEN & WOHNEN setzt einen positiven Standard für die Altenpflege in Hamburg. Wir werden auch in Zukunft versuchen, diesen weiterzuentwickeln und die Berufe so attraktiver zu machen – durch eine angemessene Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen.«

Dieser Artikel ist in der Infopost Altenpflege Nr. 16 erschienen.

  • 1 / 3

Weiterlesen