Altenpflege

Leuchtturm in Bayern

Leuchtturm in Bayern

Bei den Pflegeunternehmen SeniVita und Dr. Wiesent kommen ab sofort die Entgelttabellen des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst zur Anwendung. ver.di sieht Vorbildcharakter.
ver.di-Landesfachbereichsleiter Robert Hinke und der Vorstandsvorsitzende Dr. Horst Wiesent präsentieren den neuen Haustarifvertrag. ver.di ver.di-Landesfachbereichsleiter Robert Hinke und der Vorstandsvorsitzende Dr. Horst Wiesent präsentieren den neuen Haustarifvertrag.

»Das ist ein Tarifvertrag, der in der privaten Sozialwirtschaft seines Gleichen sucht und Vorbildcharakter haben sollte«, sagte Robert Hinke, der bei ver.di in Bayern für das Gesundheits- und Sozialwesen zuständig ist. Nach langjährigen Verhandlungen hat die Gewerkschaft mit den Bayreuther Firmengruppen SeniVita und Dr. Wiesent im September 2020 einen Haustarifvertrag unterzeichnet, der die Entgelttabellen des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) eins zu eins übernimmt. Für die Beschäftigten in den 15 Pflegeeinrichtungen und vier Schulbetrieben sei das »eine hervorragende Nachricht«, betonte der Gewerkschafter. Die Bezahlung nach TVöD beschere ihnen eine deutliche Lohnerhöhung. Hinzu kommen Zeitzuschläge, eine Jahressonderzahlung und verbesserte Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Bislang waren die Lohn- und Arbeitsbedingungen bei SeniVita und Dr. Wiesent ganz unterschiedlich per Einzelvertrag geregelt. Rückwirkend zum 1. Juli 2020 werden sie vereinheitlicht und auf das Niveau des Flächentarifvertrags angehoben. Die Wochenarbeitszeit wird einheitlich auf 39 Stunden festgelegt, der Urlaubsanspruch auf 30 Tage im Jahr. Zudem werden eine betriebliche Altersversorgung und eine Krankenversicherung eingeführt, wobei Letztere Zuzahlungen zum Krankengeld, zu Chefarztbehandlungen und beim Zahnersatz beinhaltet. »Wichtig ist, dass die Tabellenentgelte dynamisch an den TVöD gekoppelt sind«, erläutert Hinke. »Das heißt: Die Löhne steigen automatisch mit jeder Tariferhöhung im öffentlichen Dienst. Über die nächste Erhöhung wird im Rahmen der Tarifrunde bei Bund und Kommunen also bereits verhandelt.«

Hinke erklärte, mit dem Abschluss werde der TVöD als »Leittarifvertrag« für die Branche gestärkt. »Viele, gerade kommerzielle Träger in der Langzeitpflege verweigern ihren Beschäftigten den Schutz durch Tarifverträge. SeniVita und Dr. Wiesent können in dieser Landschaft nun als Leuchtturm gelten.« Dabei hänge die Zukunftsfähigkeit der Einrichtungen von der Attraktivität der Arbeitsbedingungen ab. »Wenn die Bezahlung und die Bedingungen in der Pflege nicht stimmen, werden sich in Zukunft nicht genug Menschen für diese so wichtige Arbeit finden«, warnte Hinke. Auch Horst Wiesent, der die Firmen als Vorstandsvorsitzender bzw. geschäftsführender Gesellschafter leitet, betonte, man habe mit der Vereinbarung »ein deutliches Zeichen« für mehr Wertschätzung der Pflegekräfte setzen wollen. Die Corona-Krise habe gezeigt, wie groß der Nachholbedarf bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen sei.

Die Betriebsratsvorsitzende Gabriele Weiß meinte, die Beschäftigten kümmerten sich jeden Tag »mit Herz und großem Engagement« um die pflegebedürftigen Menschen. »Schön, dass das honoriert wird.« Der ver.di-Sekretär Martin Schmalzbauer nannte die Tarifregelung einen »Wettbewerbsvorteil, wenn es darum geht, dringend benötigte Kräfte für die Pflege zu gewinnen«. Er hoffe, dass andere Träger in Bayern und darüber hinaus dem Beispiel folgen werden. Um Lohndumping in der Altenhilfe zu unterbinden, wolle ver.di in einem bundesweiten Tarifvertrag Mindestbedingungen festschreiben, die flächendeckend auch in nicht-tarifgebundenen Einrichtungen gelten sollen.

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