Coronavirus: Infos für Beschäftigte

Rettungskräfte in vorderster Linie

COVID-19

Rettungskräfte in vorderster Linie

Die Corona-Pandemie bedeutet für alle Bereiche des Gesundheits- und Sozialwesens eine besondere Herausforderung. Die Beschäftigten sind überall engagiert, um ihre Patient*innen, Bewohner*innen und Klient*innen bestmöglich zu versorgen. Zugleich vertreten sie kollektiv ihre eigenen Interessen. Seit langem fordern sie gemeinsam mit ihrer Gewerkschaft ver.di bessere Arbeitsbedingungen und eine angemessene Bezahlung. Die gegenwärtige Krise bestätigt unsere Kritik an Kürzungen und an der Ökonomisierung unserer Branche. Deshalb streiten wir weiter für ein solidarisch finanziertes und bedarfsorientiertes Gesundheits- und Sozialwesen – und für den Schutz der Gesundheit und der Arbeitsplätze aller Kolleginnen und Kollegen in dieser Krise.

Rettungsdienst in Schutzanzügen Foto: privat / Grafik: werkzwei Rettungskräfte an vorderster Linie: Rettungsdienst und Covid-19

 

Schon vor der Corona-Pandemie mussten die Beschäftigten der Rettungsdienste ihre Arbeit häufig unter schwierigen Bedingungen leisten und waren immer wieder großen physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Nun hat sich die Situation weiter verschärft. Rettungskräfte sind nicht selten die ersten Beschäftigten des Gesundheitswesens, die mit einem am Coronavirus infizierten Menschen in Kontakt kommen. Allerdings ist das nicht immer bekannt. Manche Patient*innen verheimlichen eine Infektion, andere wissen selbst nicht, dass sie sich angesteckt haben.

Bei den Rettungskräften führt das zu permanenter Unsicherheit. Sie fordern genug Personal und Schutzmaterial, um sich und ihre Patientinnen und Patienten zu schützen. Und sie verweisen auf zusätzliche Belastungen infolge der Pandemie, die wie auch in anderen Bereichen des Gesundheits- und Sozialwesens durch Zulagen honoriert werden sollten.

Erhöhte Belastung

Die Zahl der Krankentransporte hat sich in Zusammenhang mit der Pandemie vielerorts reduziert, weil elektive Operationen abgesagt wurden. Das ändert sich, wenn die Krankenhäuser nun wieder verstärkt operieren. Auch die Notfalleinsätze sind durch die Beschränkungen des öffentlichen Lebens teilweise zurückgegangen. Dass das dauerhaft so bleibt, ich allerdings nicht zu erwarten. Auf der anderen Seite müssen die Rettungsdienste deutlich häufiger Infektionstransporte durchführen. Beispielsweise in Bayern ist deren Zahl nach Angaben des Bayerischen Roten Kreuzes seit Beginn der Pandemie um bis zu 370 Prozent gestiegen.

»Das verdient größte Wertschätzung«

»Die Arbeit im Rettungsdienst ist ohnehin extrem belastend, vor allem wegen der langen Wochenarbeitszeit von bis zu 48 Stunden. Jetzt kommen die Herausforderungen durch die Pandemie hinzu: Die Ungewissheit und emotionale Belastung im Umgang mit Menschen, von denen man oft nicht weiß, ob sie infiziert sind; die zusätzlichen Hygienemaßnahmen und die Schutzausrüstung, an der es besonders am Anfang meist fehlte; und nicht zuletzt die privaten Sorgen, mit Partnern in Kurzarbeit oder im Homeoffice und den Kindern zu Hause. Trotz allem haben die Kolleginnen und Kollegen voll mit gezogen und für Sicherheit gesorgt. Das verdient größte Wertschätzung – jetzt, aber auch nach der Krise.«

Norbert Wunder ist Rettungsassistent in Elmshorn und Vorsitzender der ver.di-Bundesfachkommission Rettungsdienst.

 

Für die Rettungskräfte bedeutet das, dass nach jedem dieser Einsätze das Fahrzeug und die gesamte Inventur desinfiziert werden müssen, was viel Zeit braucht. Zugleich dauern solche Einsätze oft länger, da nicht jede Klinik Covid-19-Infizierte aufnehmen kann. Wenn davon auszugehen ist, dass Hilfsbedürftige mit dem
Coronavirus infiziert sind, muss luftundurchlässige Schutzkleidung getragen werden. Das erhöht die im Rettungsdienst auch sonst schon große körperliche Anstrengung. Viele Rettungswachen haben die Abläufe, Dienstpläne und Räumlichkeiten umstrukturiert, um Kontakte zwischen den Teams zu verringern. Auch das kann in Einzelfällen eine zusätzliche Belastung bedeuten.

Beschäftigte fordern Schutz

Besonders Rettungskräfte, die zu Risikogruppen gehören oder gefährdete Angehörige haben, machen sich Sorgen. Deshalb ist es wichtig, dass die Rettungsdienste mit qualitativ hochwertigem Schutzmaterial versorgt werden. Inwiefern das in ausreichendem Maße geschieht, ist je nach Region und Träger unterschiedlich. Der Rettungsdienst muss, wie auch andere Bereiche des Gesundheitswesens, bei der Verteilung von Schutzmaterial prioritär behandelt werden. Zudem müssen Rettungskräfte regelmäßig auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet werden, um zu verhindern, dass sie ihn an Patient*innen oder im privaten Umfeld weitertragen.

Falls Beschäftigte unzureichend geschützt sind, sollten sie Gefährdungsanzeigen verfassen. Ein entsprechender Vordruck zum Download findet sich in den ver.di-Hinweisen für Beschäftigte (siehe unten). Auch die betrieblichen Interessenvertretungen drängen darauf, dass für alle genug Schutzmaterial zur Verfügung gestellt wird.

Erhöhte Kosten und Einnahmeausfälle refinanzieren

Rettungsdienste und andere Gesundheitseinrichtungen müssen derzeit zum Teil astronomische Preise für Schutzmaterial bezahlen. Die Kostenträger sind aufgefordert, die entsprechenden Mehrausgaben zu refinanzieren. Gleiches gilt für erhöhte Personalausgaben in Regionen, in denen viele Beschäftigte vorsorglich in Quarantäne gehen müssen oder erkrankt sind. Auch Einnahmeausfälle, die je nach Finanzierungsmodell durch die Reduzierung von Krankentransporten verursacht werden, müssen ausgeglichen werden. Denn die nötigen Rettungsdienstleistungen müssen jederzeit vorgehalten werden. Da Rettungsdienstanbieter keinen Gewinn machen dürfen, haben sie selbst keine finanziellen Puffer. Sie brauchen daher eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung.

»Wir bleiben dran«

»Beschäftigte im Rettungsdienst wissen nie, was bei einem Einsatz auf sie zukommt. In Zeiten der Pandemie ist diese Unsicherheit noch größer. Und auch die körperliche Anstrengung nimmt durch die nötigen Schutz- und Hygienemaßnahmen weiter zu. Wir alle sind im Notfall auf diese Kolleginnen und Kollegen angewiesen. Keine Frage: Sie sind systemrelevant. Und deshalb müssen auch sie eine Prämie als Anerkennung bekommen. Nicht nur während der Pandemie haben die Retterinnen und Retter gute Arbeitsbedingungen verdient. Wir bleiben dran, damit endlich Schluss ist mit den langen Arbeitszeiten.«

Sylvia Bühler ist im ver.di-Bundesvorstand zuständig für das Gesundheits- und Sozialwesen.

 

Leistungen honorieren – Prämien auch für Rettungskräfte

Rettungskräfte stehen im Kampf gegen die Pandemie in vorderster Linie. Deshalb und wegen der besonderen Belastungen fordern sie, dass während der Krise Zulagen gezahlt werden. In Bayern hat der Protest vieler Beschäftigter aus dem Rettungsdienst dazu geführt, dass auch sie die 500-Euro-Prämie und das Verpflegungsgeld erhalten, die die Landesregierung für Pflegekräfte beschlossen hat. ver.di hat die Bundesregierung dazu bewegt, für die Altenpflege eine Prämie von bis zu 1.500 Euro zu beschließen. Eine solche finanzielle Anerkennung fordern wir auch für alle anderen Beschäftigten des Gesundheitswesens – inklusive der Rettungskräfte. ver.di hat das Deutsche Rote Kreuz zur Zahlung einer Prämie aufgefordert. Bislang gab es darauf keine Reaktion.

Ausbildung sicherstellen

Auch in Zeiten der Pandemie muss die hochwertige Ausbildung zum/zur Notfallsanitäter*in sichergestellt werden. Wenn Auszubildende wegen der Schulschließungen verstärkt in der Praxis eingesetzt werden, darf das nicht dazu missbraucht werden, dass sie fehlendes Personal ersetzen sollen. Eine gute und strukturierte Praxisanleitung muss gewährleistet sein.

Jetzt gilt es, alle Ressourcen zur Bewältigung der Pandemie zu mobilisieren und zugleich die Rechte der Beschäftigten zu sichern. Die Krise zeigt, wie wichtig unser vehementer Einsatz für bessere Bedingungen, für mehr Personal, Aufwertung und Entlastung im Gesundheits- und Sozialwesen ist. Dafür steht ver.di. Mach mit!

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