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E-Learning – Notlösung mit Potenzial

Ausbildung

E-Learning – Notlösung mit Potenzial

Mit der Corona-Pandemie musste die Pflegeausbildung auf E-Learning umgestellt werden. Vieles ist verbesserungswürdig, erweitert aber die Möglichkeiten auch nach der Krise.

März 2020 – die 24-jährige Saskia befindet sich in den letzten Wochen ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin in einem kleinen Klinikum am Rande des Harzes. Dann verändert die Corona-Pandemie die Welt. Und auch in ihrer Ausbildung ist plötzlich alles anders. Statt in der Berufsschule die letzten Inhalte für die Examensprüfung zu lernen und sich in Lerngruppen gemeinsam mit ihren Kolleg*innen auf die Prüfungen vorzubereiten, heißt es für unabsehbare Zeit: ab in die Praxis.

»Es war am Anfang sehr chaotisch. Unser Klinikum wurde in einen Corona-Schwerpunkt umgewandelt und wir wurden in die Praxis versetzt. Niemand wusste, wie es weitergehen sollte«, beschreibt Saskia die Situation. Nach vier Wochen im Praxiseinsatz – nur drei Wochen vor der ersten, der schriftlichen Examensprüfung – wurde den Auszubildenden E-Learning ermöglicht, eher als Notlösung. Auf einer Lernplattform stellten die Lehrkräfte Fallbeispiele ein, die dann einzeln bearbeitet und zur Korrektur zurückgesandt werden sollten. »Ich war sehr froh über diese Möglichkeit und kam ziemlich gut damit klar, mir einen strukturierten Wochen- und Tagesablauf zu schaffen«, sagt Saskia. »Natürlich gab es Tage, da war einfach der Wurm drin, aber im Großen und Ganzen muss ich sagen, war ich dadurch gut vorbereitet.« Die Auszubildenden organisierten sich eigenständig in kleinen Lerngruppen, die über Videochat den Austausch miteinander suchten. »Das war wichtig«, betont die 24-Jährige. Denn Nachfragen an die Lehrkräfte waren nicht möglich. »Zudem tat es gut, miteinander im Kontakt zu sein und zu merken, dass man mit seinen Fragen und Problemen nicht allein steht.«

In der praktischen Ausbildung hätten sich die Praxisanleiter*innen viel Mühe gegeben, sie so gut wie möglich auf die Examensprüfungen vorzubereiten, berichtet die angehende Gesundheits- und Krankenpflegerin. So ermöglichten sie zum Beispiel Lernzeiten auch während der Praxisphasen. »Schade war allerdings, dass es in diesen Zeiten keinen Kontakt zur Schule gab.« Eine Praxisbegleitung beispielsweise durch Telefonate habe nicht stattgefunden.

Im E-Learning sieht Saskia durchaus Potenzial, auch für die Zeit nach der Pandemie. »Es ist eigentlich komisch«, sagt sie. »Wir haben die Lernplattform schon seit Beginn der Ausbildung. Es besteht ein tariflicher Anspruch darauf, dass uns in der Ausbildung ein Laptop zur Verfügung gestellt wird. Doch erst jetzt, wo es keine andere Möglichkeit gibt, kommen wir dazu, das System zu nutzen.« Vor dem Start mussten viele erst einmal neue Passwörter zugeschickt bekommen, weil sich an diese kaum jemand erinnern konnte. »Dass das System vorher nicht genutzt wurde, ist eigentlich schade«, findet Saskia. Als Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) möchte sie gemeinsam mit den Auszubildenden überlegen, wie die Plattform verbessert und auch in anderen Situationen genutzt werden kann, in denen der Unterricht sonst ausfallen müsste. Sicher ist, dass E-Learning auch in den kommenden Monaten eine große Rolle spielen wird. Denn die Schulen müssen im Unterricht Hygienerichtlinien einhalten, weshalb die theoretische Ausbildung durch die Verkleinerung von Gruppen oder die Nutzung alternativer Lernmethoden umstrukturiert werden soll.

Nach ihrem Jahrgang sei auch den Auszubildenden des zweiten Ausbildungsjahres E-Learning ermöglicht worden, erzählt Saskia. Bei diesen Auszubildenden fällt die Bilanz allerdings deutlich negativer aus. »Viele sind unzufrieden, da ihnen lediglich ein Fragenkatalog zur Verfügung gestellt wurde, den sie abarbeiten sollten«, berichtet Saskia von den Erfahrungen der anderen Auszubildenden. »Sich Anatomie und Krankheitslehre im Alleingang aneignen zu müssen, ist kein Zuckerschlecken. Die Folge ist auch eine Entgrenzung der Ausbildungszeiten, denn wie schnell oder langsam eine Auszubildende den Stoff ohne Unterstützung schafft, ist kaum absehbar.«

Es reiche einfach nicht, dieselben Methoden und Materialien, die auch sonst genutzt werden, als Datei hochzuladen, ohne diese anzupassen, betont die Jugendvertreterin. Sie hofft, dass Lehrkräfte nun besser in der Erstellung von E-Learning-Angeboten und in der didaktischen Aufbereitung von Inhalten für die digitale Lehre geschult werden. Und, dass Auszubildende im E-Learning künftig einen guten Austausch mit der Schule und die Möglichkeit für Rückfragen haben. »Es wäre toll, wenn wir die Situation auch als Chance begreifen, diese Lehrmethode auszubauen und gemeinsam zu gestalten.«

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