Coronavirus: Infos für Beschäftigte

»Wir haben keine Kraft mehr«

COVID-19

»Wir haben keine Kraft mehr«

»Müssen die Leute erst sterben, bis reagiert wird?«, fragt Ilka Steck im Video. Die in ver.di engagierte Altenpflegerin erzählt aus ihrem Alltag als Pflegekraft und Mitarbeitervertreterin. »Am Anfang waren wir einfach nur wütend«, berichtet sie. Arbeiten ohne Schutzausrüstung, mit aus Müllbeuteln improvisierten Kitteln, alleingelassen von Arbeitgebern und Politik. Inzwischen sind einige Monate vergangen, die Wut hört man ihr aber noch immer an. Schon vorher habe sie zu wenig Zeit für die Bewohner*innen gehabt, weil zu wenig Personal eingesetzt werde. In der Pandemie sei es noch schlimmer. Und sie fürchtet, dass der Personalmangel noch zunimmt: »Ich habe Sorge, dass nach der Pandemie viele die Pflege verlassen.«

In Ilkas Einrichtung wurde vor zwei Wochen der erste positive Fall entdeckt - und in der Folge noch mehr. Acht Bewohner*innen, fünf Beschäftigte waren es zum Zeitpunkt der Videoaufnahmen (27.11.2020).Die Pandemie bringe besondere Herausforderungen mit sich. Demente Bewohner*innen überfordere die Schutzausrüstung der Pflegekräfte, sie könnten deren Mimik nicht mehr lesen, die Verständigung sei schwieriger geworden. Unter den Beschäftigten sei nicht nur die Sorge vor Ansteckung groß, sondern auch die Angst, selbst schuld gewesen zu sein, wenn das Virus in der Einrichtung ausbricht. Gegenwärtiger als sonst: Der Tod. Während sonst über das Jahr verteilt und selten Todesfälle einträten, seien Bewohner*innen und Beschäftigte nun geballt damit konfrontiert. 

»Wir haben keine Kraft mehr, um neue schlechte Nachrichten zu ertragen«, sagt Ilka. »Aber wir machen weiter. So sind wir Plfegekräfte. Wir machen weiter und weiter und schaffen halt 14 Stunden am Tag, 14 Tage am Stück.« Die Bewohner*innen würden sie nicht alleine lassen und das wüssten auch die Arbeitgeber. "Also rennen wir nochmal einen Tacken schneller« und blieben länger. Denn »wenn die Folgeschicht nicht kommt, kann man ja nicht einfach gehen«. Das Grundproblem: Der Pflegenotstand. Und der war bekanntlich schon vor der Pandemie da. Was sich Ilka Steck wünscht? »Mehr als warme Worte und endlich eine gescheite Personalausstattung

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