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Ausbildung in der Krise

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Ausbildung in der Krise

Konzern-JAV beim Krankenhauskonzern Helios formuliert Erwartungen zum Umgang mit Auszubildenden während der Pandemie und fordert Sicherung qualitativ hochwertiger Ausbildung.
Auszubildender Erik Busse mit Schutzmaske und Schutzkittel im Krankenhaus ver.di Auszubildender in Schutzkleidung im Krankenhaus

Die gegen die Corona-Pandemie ergriffenen Maßnahmen und die große gesellschaftliche Geschlossenheit haben eine Überforderung der Gesundheitseinrichtungen hierzulande bislang verhindert. Dennoch befinden sich die Krankenhäuser weiterhin in einer Ausnahmesituation. Die konzernweite Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) beim Klinikbetreiber Helios treibt die Frage um, wie sich das auf die Ausbildungsbedingungen auswirkt. »Auch in dieser Situation müssen die Auszubildenden ihre Ausbildung unter guten Bedingungen fortsetzen können«, fordert der Vorsitzende der Konzern-JAV, Nico Baumann. »Das ist für sie selbst nötig, aber auch für die Fachkräftesicherung von morgen.« Um diesem Anliegen Gehör zu verschaffen, hat die Interessenvertretung in einem Schreiben an die Helios-Spitze ihre Erwartungen formuliert.

»Uns haben in den vergangenen Wochen immer wieder Berichte über Probleme in der Ausbildung erreicht, deshalb haben wir diese Initiative ergriffen«, erläutert Nico Baumann, der als Gesundheits- und Krankenpfleger im Helios-Klinikum Sangerhausen arbeitet. Das Unternehmen hat viele Auszubildenden in den Praxiseinsatz geschickt, solange Bildungszentren und Berufsschulen wegen der Pandemie geschlossen sind. »Vielerorts wurden dabei die Mitbestimmungsrechte der Jugendvertretungen bzw. der Betriebsräte komplett ignoriert, zum Beispiel bei der Wahl der Einsatzorte«, kritisiert Nico Baumann. Oft seien auf einzelnen Stationen nun sehr viele Auszubildende eingesetzt, mit wenigen examinierten Pflegekräften, die sie anleiten könnten.

Die Konzern-JAV hat Helios aufgefordert, stattdessen die theoretische Ausbildung über internetbasierte Lernmedien fortzusetzen. Das bedeute allerdings nicht, den Auszubildenden lediglich Arbeitsaufträge zu erteilen, sie müssten auch in dieser Zeit von Lehrkräften betreut werden. Zudem solle Helios versuchen, digitale Hilfsmedien auch für Auszubildende nutzbar zu machen, die nicht an unternehmenseigenen Bildungszentren unterrichtet werden. Das betrifft diejenigen, die eine Ausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) machen. Zu ihnen gehört auch Michelle Gemp, die am Helios-Klinikum Niederberg zur Kauffrau für Büromanagement ausgebildet wird und Zweite stellvertretende Vorsitzende der Konzern-JAV ist. Sie ist nun erst einmal auch an den wöchentlich zwei Berufsschultagen im Betrieb. »Im Moment könnten wir den Stoff noch gut nachholen, aber wenn der Unterricht länger ausfällt, wird es problematisch.« Sorgen macht sich die angehende Kauffrau aber vor allem um die Auszubildenden in der Pflege. »Wenn Leute gleich zu Beginn ihrer Ausbildung und ohne jede Erfahrung auf die Stationen geschickt werden, fände ich das ganz problematisch. Gerade in der aktuellen Situation könnte das viele überfordern – auch psychisch«, gibt die Jugendvertreterin zu bedenken.

Die Konzern-JAV hat deshalb vorgeschlagen, den für Anfang April geplanten Start des neuen Ausbildungsjahrgangs zu verschieben. Neue Auszubildende ohne Vorkenntnisse »direkt ins kalte Wasser« zu werfen, gefährde sowohl sie als auch die Patientinnen und Patienten. Grundsätzlich erwarte die Interessenvertretung, »dass die Vorgaben des Jugendarbeitsschutzgesetzes eingehalten werden«. Auszubildende und minderjährige Beschäftigte dürften nicht auf eigens für die Behandlung von Covid-19-Patient*innen eingerichteten Stationen eingesetzt werden und sollten bei Hygieneschulungen nicht außenvorgelassen werden, heißt es in dem Schreiben weiter. Zudem müsse dafür gesorgt werden, »dass trotz der aktuellen Situation die Auszubildenden ihrem Ausbildungsziel dienlich und ihren physischen und psychischen Kräften entsprechend einzusetzen sind«. Dazu gehört nach Auffassung der Konzern-JAV, dass die Praxisanleitung »so lange wie möglich aufrechterhalten wird« und Auszubildende nicht zur Kompensation von Personalengpässen herangezogen werden.

»Was überhaupt nicht geht, ist, dass Auszubildende ausbildungsfremde Tätigkeiten machen müssen«, betont Nico Baumann. In einem Fall seien angehende Pflegekräfte an der Pforte eingesetzt worden: Sie mussten Besucher*innen erklären, warum sie ihre Angehörigen auf den Stationen derzeit nicht besuchen dürfen. »Mit den Ausbildungszielen hat das ja wohl nichts zu tun«, kritisiert der Jugendvertreter. Noch krasser findet er das Beispiel einer anderen Helios-Klinik, in der Auszubildende zur Betreuung von Kindern ihrer Kolleg*innen eingesetzt wurden. Auf solche Vorfälle habe die Konzern-JAV auch die Helios-Spitze hingewiesen, die durchaus Verständnis für die vorgebrachten Bedenken zeigte. »Die Geschäftsführung hat auf unser Schreiben recht positiv reagiert. Wir hoffen, dass sich das dann auch in der Praxis vor Ort niederschlägt.«

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